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Doping-Arzt vor Gericht:Blutbeutel in Kühlfächern

So droht das öffentliche Interesse an der Reinheit seiner Idole zurückstehen zu müssen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ist zwar am Dienstag noch nicht zurückgewiesen worden mit ihrem Begehr, die angeblich rund 100 im Labor von Barcelona gelagerten Blutbeutel aus Fuentes' Kühlfächern zur sportrechtlichen Verwertung zu erhalten. Bis Ende der Woche verlangt das Gericht eine schriftliche Begründung hierzu, danach will es über den Antrag befinden - ein jahrelanges Folgeverfahren dürfte sich anschließen.

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Bis jetzt sind aber erst 58 Fahrer der etwa 200 Fuentes-Klienten identifiziert. Wie die Wada codierte Beutel Fußballern oder anderen Athleten zuordnen will, ist ebenso unklar wie die Kraft der spanischen Anti-Doping-Agentur (aea), im Erfolgsfall entsprechende Verfahren durchzuführen. "Ich verstehe, dass Spanien international gerade kritisch gesehen wird bezüglich der Doping-Problematik", sagt Direktorin Ana Munoz Merino, "aber bei uns ändert sich jetzt etwas, denn Spanien darf sich bei der Aufklärung nicht mehr von anderen Ländern unterscheiden."

Eufemiano Fuentes wird dazu nichts beitragen. Drei Radprofis benennt er im Verhör als seine Klienten, die einschlägig bekannten Landsleute Roberto Heras (früherer Vuelta-Sieger), Unai Osa und Santiago Botero. Ansonsten schützt er die Gefährten, die Mitangeklagten auf den Stühlen hinter ihm: Schwester Yolanda, eine Ärztin ("wusste nichts von den Transfusionen"), Liberty-Boss Manolo Saiz ("weiß nicht, ob er davon wusste"), Laborchef José Ignacio Labarta ("ein Spezialist, nur er oder ich haben die Transfusionen durchgeführt, niemand sonst") und auch Kelme-Teamchef Vincente Belda ("war nie Arzt des Teams").

Wie Fuentes die Dinge für sich sortiert, wirkt manchmal richtig frech. Nicht nur Kelme habe er nie betreut, auch Liberty eigentlich nicht - und in den Akten, das seien "Renn-, aber keine Medikationspläne". So geht es ständig weiter: Das sichergestellte Epo sei für die krebskranke Tochter gewesen und die übrigen verbotenen Medikamente "für den familiären Gebrauch". Auf Fragen zu den Epo-Symbolen in seinen Plänen antwortet Fuentes dann nicht mehr.

Bis Ende März ist der Prozess angesetzt, Fortsetzung Mittwoch, und so lange wird sich Fuentes kaum für den Sport einsetzen - kleine Geld- und Bewährungsstrafen gilt es abzuwenden. Ein paar Hürden muss er aber noch nehmen, so ließ das Gericht am Dienstag den US-Kronzeugen Tyler Hamilton zu, der von seinen Erfahrungen bei Fuentes und dessen Reden über Fußballer berichten kann.

Radprofis wie Spaniens Tour-Sieger Alberto Contador (früher Liberty) und Saxo-Manager Bjarne Riis (einst Hamiltons Chef) werden bangen müssen. Sie sind alte Bekannte.

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