Doping-Affäre 55 000 Euro für die Erfurter Praxis

Der Landessportbund Thüringen hat erhebliche Mittel an die Praxis von Mark Schmidt gezahlt, die im Zentrum des Blutdoping-Skandals steht. Grund waren Untersuchungen bei rund 400 jungen Sportlern.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Die Erfurter Praxis, die im Zentrum des aktuellen Blutdoping-Skandals steht, hat in den vergangenen Jahren erhebliche Summen aus den Mitteln des organisierten deutschen Sports erhalten. Nach SZ-Recherchen konnte sie für die Untersuchung von jungen Kaderathleten seit 2010 zirka 55 000 Euro beim Landessportbund Thüringen (LSB) abrechnen.

Die Praxis, die der mutmaßliche Doping-Drahtzieher Mark Schmidt gemeinsam mit seiner Mutter im Erfurter Norden betreibt, war über viele Jahre eine sogenannte sportmedizinische Untersuchungsstelle des LSB. Das heißt, sie führte bei jungen Athleten des Thüringer Landeskaders eine Grunduntersuchung durch und prüfte sie auf ihre sportliche Tauglichkeit. Nach Angaben des Landessportbundes tat die Praxis das seit 2010 in 403 Fällen. Pro Untersuchung konnten 130 bis 150 Euro abgerechnet werden, teilte der LSB der SZ mit. Zwar entzog der Landessportbund der Praxis in der vergangenen Woche nach der Enttarnung des mutmaßlichen Doping-Netzwerkes die Lizenz. Es ist allerdings bemerkenswert, dass die Praxis diesen Status in den vergangenen Jahren überhaupt innehaben durfte. Denn es war schon seit Langem bekannt, dass der Sportmediziner Mark Schmidt diese Praxis mitbetrieb - und zugleich auch, dass es gegen ihn gravierende Dopingvorwürfe gab. In den Nullerjahren war Schmidt Mannschaftsarzt bei der Rad-Equipe Gerolsteiner gewesen; mehrere frühere und überführte Fahrer bezichtigten ihn, beim Doping geholfen zu haben, auch wenn er das immer bestritt. Der Landessportbund betont, dass kein einzelner Mediziner, sondern die Praxis als solche die Lizenz als Untersuchungsstelle bekomme. Im konkreten Fall habe es diese schon seit Ende der 1990er Jahre gegeben; damals führte Schmidts Mutter, die schon zu DDR-Zeiten als Ärztin Radsportler betreute und gegen die es in der aktuellen Affäre keinerlei Verdacht gibt, die Praxis noch alleine. Und als Schmidt junior nach seiner bei Gerolsteiner und Milram verbrachten Teamarzt-Zeit (2006 bis 2010) in der Praxis einstieg, seien bei den turnusgemäßen Lizenzverlängerungen die bestehenden Dopingbelastungen "nicht genügend" bewertet worden, sagte LSB-Präsident Stefan Hügel.

Dies sei falsch gewesen. Es ist aber auffallend, dass in den vergangenen Jahren die Zahlen für die Arztpraxis anstiegen. Bis 2014 waren es nur etwa 20 bis 25 Untersuchungen pro Jahr, insbesondere von Schwimmern, aber auch von Gewichthebern sowie einzelnen Turnern und Badminton-Spielern. Doch vom Jahr 2015 an stieg die Zahl der jährlichen Tauglichkeitsprüfungen in der Erfurter Praxis auf 70 bis 75. Und auffallend ist zugleich, dass seitdem viele angehende Radfahrer vorbeikamen - also just aus der Sparte, in der Schmidt schon als Teamarzt aktiv gewesen war und aus der es so starke Vorwürfe gegen ihn gab. 55 Nachwuchsradler kamen fortan jährlich zur sportmedizinischen Untersuchung.

Der LSB erklärt das damit, dass es eine Unzufriedenheit mit dem Arzt gegeben habe, der bis dahin für die Prüfung der Radsportler zuständig gewesen sei - und fortan Schmidts Praxis diese Sportart übernommen habe. Daneben ist aber die Frage, wie eng die Verbindungen zwischen dem LSB und dem Zirkel um Sportmediziner Schmidt waren. So stellte sich in den vergangenen Tagen etwa heraus, dass Schmidts Vater, der als Anwalt arbeitete und in Seefeld unter dem Verdacht auf ein Mitwirken im Doping-Netzwerk ebenfalls verhaftet wurde, lange als Vorsitzender des LSB-Schiedsgerichts wirkte und im Vorstand der Thüringer Sporthilfe saß.