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Doping:15 Monate auf Bewährung

Der ehemalige Langläufer Johannes Dürr legt ein Teilgeständnis ab und wird verurteilt - wie auch Gerald Heigl, der langjährige Langlauftrainer im Österreichischen Skiverband.

Der Moment, in dem der ehemalige Langläufer Johannes Dürr in sein neues Leben aufbrechen will, beginnt an Montagmorgen um neun Uhr. Dürr trägt eine braune Hose, weißes Hemd, akkurater Scheitel. Als ihn die Richterin zu Beginn fragt, ob er etwas Grundsätzliches sagen will, antwortet er, dass man mit dem Verfahren vor dem Landesgericht Innsbruck "hoffentlich zu einem Schlussstrich" komme. Die Geschichte verfolge ihn schon so lange: die seines alten Lebens.

Und so bekennt sich Dürr sofort "teilweise schuldig". Er gesteht, jahrelang Blutdoping betrieben zu haben, auch als Kunde des Erfurter Sportarztes Mark Schmidt, dessen Netzwerk im Februar 2019 während der Nordischen Ski-WM enttarnt worden war - weil Dürr im Vorfeld umfassend ausgesagt hatte. Er bestreitet aber, dass er in Schmidts Umfeld eine prominentere Rolle eingenommen habe, als Vermittler. Das erkennt das Gericht zum großen Teil auch an: Es verurteilt Dürr zu 15 Monaten auf Bewährung und 720 Euro Geldstrafe.

Dürr legte nochmals dar, wie er nach Olympia 2014, als er positiv auf den Blutbeschleuniger Epo getestet wurde, wieder in den Spitzensport fand - und in den Betrug. Ohne Doping könne er nicht in der Elite mithalten, habe er früh gelernt. Dürr sei somit "kein Opfer, aber ein systembedingter Täter", wie sein Anwalt sagte - was das Gericht anerkannte und mildernd wertete. Wie genau dieses System funktionierte, darüber traten unterschiedliche Ansichten zutage. Dominik Baldauf und Max Hauke, Dürrs Ex-Teamkollegen, bekräftigen am Montag, dass Dürr sie an den Erfurter Arzt vermittelt habe. Dürr bestritt das, auch hier folgte ihm das Gericht. Schmidt hatte die Aussage kurzfristig verweigert. Er soll mindestens 23 Athleten mit Blutdoping versorgt haben, die Staatsanwaltschaft München hat Anklage erhoben.

Neben Dürr war auch Gerald Heigl in Innsbruck angeklagt, langjähriger Langlauftrainer im Österreichischen Skiverband. Auch Heigl bekannte sich teils schuldig: Er habe Dürr und dessen Teamkollegen Harald Wurm mit Epo und Wachstumshormon versorgt. Heigl bestritt aber, dass er Trainingspläne von Athleten auf die Dopingpraktiken abgestimmt habe; er habe Dürr und Wurm auch nicht an Walter Mayer vermittelt - der bis 2014 das Blutdoping der beiden unterstützt haben soll. Mayer war schon in mehrere Dopingskandale verwickelt, auch er wurde zuletzt erneut angeklagt. Das Gericht hielt Heigls Dementis jedenfalls für wenig glaubwürdig: Geldstrafe, zwölf Monate auf Bewährung. Weder er noch Dürr legten Rechtsmittel ein.

Heigl bekräftigte indes ein Detail, das dem ÖSV noch Probleme bereiten könnte. Als er Dürr Anfang 2014 mit Dopingmitteln versorgte - 4000 bis 6000 Einheiten Epo - habe er diese von dem deutschen Arzt Ulrich Haegele bezogen. Als Gegenleistung habe der ein Paar Ski erhalten. Haegele war seit 2006 Leitender Teamarzt der Langlaufsparte im ÖSV und hat jegliches Fehlverhalten strikt bestritten. ÖSV-Anwalt Günther Riess sagte am Montagabend, er wolle erst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, ehe er den Fall kommentieren könne.

© SZ vom 28.01.2020
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