Luka Doncic in den NBA-Finals:Der Traum vom Comeback lebt

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Luka Doncic (re.) spielt in diesen NBA-Playoffs trotz akuter Blessuren - er versucht, sein Team anzuführen, doch meistens sind die Boston Celtics besser. (Foto: Julio Cortez/AP)

Ein 0:3 in den Playoffs aufholen und siegen? Das gab’s noch nie. Dallas verkürzt die Finalserie gegen Boston. Vor allem Luka Doncic gibt den Mavericks die Hoffnung zurück, vielleicht doch noch das Wunder schaffen zu können.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Und was, wenn doch? In 78 Jahren NBA-Basketball hat noch nie ein Verein einen 0:3-Playoff-Rückstand in einen Triumph verwandelt. Warum sollte es jetzt, beim 159. haushohen Vorsprung der Geschichte, zum ersten Mal anders sein? Nun, und da wird es spannend: Vier Mannschaften hatten zumindest schon mal einen solchen Rückstand aufgeholt und ein entscheidendes siebtes Spiel erzwungen, darunter die Boston Celtics im Halbfinale der vergangenen Saison gegen Miami Heat.

Diesmal sind die Celtics die mit dem 3:0-Vorsprung, und man muss sagen: zu Recht, weil Brad Stevens, seit 2021 Manager und davor acht Jahre lang Trainer in Boston, ein Meisterwerk der Kaderplanung im Rahmen des NBA-Reglements gelungen ist. Das zeigen auch die Playoff-Ergebnisse: 4:1 gegen Miami und Cleveland, 4:0 gegen Indiana – und dann folgten drei Siege nacheinander in der Finalserie gegen Dallas.

25 Punkte erzielt Doncic am Freitag – allein in der ersten Halbzeit

Am Freitagabend verlor Boston zum ersten Mal seit dem 9. Mai, mit 84:122 bei den Mavs. Man könnte das als Ausrutscher sehen, vielleicht sogar als Abend zum Ausruhen, um die Serie daheim zu beenden und vor eigenen Fans am Montagabend zu reüssieren. Oder man fragt: Und was, wenn die Mavericks doch ein Comeback schaffen?

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Das liegt nicht nur an der Erfahrung der vergangenen Saison, sondern vor allem an Doncic. 25 Punkte erzielte er am Freitag in der ersten Halbzeit; es gab nur deshalb keine legendäre Statistik, weil beide Trainer die Partie wegen des vorentscheidenden Zwischenstandes Mitte des dritten Viertels – die Mavericks führten mit 38 Zählern – für beendet erklärt und jeweils die Ersatzspieler aufs Spielfeld geschickt hatten. „Luka war Luka“, sagte Mavs-Coach Jason Kidd trotz einer lausigen Dreierquote seines Besten – und betonte sogleich: „Er ist immer Luka gewesen.“

An besten Tagen wirkt Doncic fürwahr wie einer, den sie von der Straße in die Halle geholt haben und der die besten Spieler der Welt scheinbar locker abzockt – an schlechteren wie einer von der Straße, dem das passiert, was einem Straßenspieler gegen NBA-Profis passiert, siehe drittes Spiel der Finalserie: 16 Fehlwürfe, drei Ballverluste, Mitte des Schlussviertels vom Platz gestellt, weil mangelnde Fitness und Unlust in der Defensive zu sechs Fouls geführt hatten.

Seine Betreuer kümmern sich darum, dass das Schwere leicht aussieht

Doncic präsentierte im vierten Spiel eine neue Bewegung aus seinem Repertoire. Er dribbelte den Ball durch seine Beine, doch statt wie sonst das Tempo anzuziehen, während er den Ball mit links führt, ging er, den Ball an der rechten Hand, nach rechts hinten und warf sofort. Der Gegner hatte keine Chance, den Wurf zu blocken. Das ist keine spontane Entscheidung, sondern geprobt, allein beim Aufwärmen vor der Partie bestimmt 30 Mal.

Es ist harte Arbeit, damit man so locker agiert wie der 25-Jährige. Doncic legt dafür Sondereinheiten ein, mit God Shammgod, einst einer der besten Ballzauberer und nun bei den Mavericks verantwortlich für die Entwicklung der Spieler. Mit Darrell Armstrong, einst gefürchteter Verteidiger. Und mit Marko Milic, ein enger Freund von Doncics Vater Sasa (einst selbst Profi) und vor dem Umzug nach Dallas vor zwei Jahren Co-Trainer des slowenischen Nationalteams. Sie alle kümmern sich darum, dass das Schwere leicht aussieht, nach jedem Training eine Extra-Stunde lang.

Noch allerdings sind die Celtics klar im Vorteil. Boston hat kaum Schwächen in der Offensive, alle Profis sind gefährlich, jederzeit. Doncic musste deshalb auch viel hinten schuften, und es ist ihm längst anzumerken, wie sehr er angeschlagen ist: Seine Knöchel und Knie sind lädiert, gegen Schmerzen in der Brust nach einem Zusammenprall bekommt er vor jedem Spiel eine Spritze – und müde ist er auch. Aber er ist ein Kämpfer. „Wenn man gewinnt, ist man weniger müde, alles tut ein bisschen weniger weh“, sagte Doncic vor dem fünften Spiel.

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