Ski alpin:Unfassbar unschlagbar

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Ski alpin: "Die Überwindung, Vollgas zu geben, ist hier eine Herausforderung": Dominik Paris in Bormio.

"Die Überwindung, Vollgas zu geben, ist hier eine Herausforderung": Dominik Paris in Bormio.

(Foto: Elvis Piazzi/Agence Zoom/Getty)

Alles beim Alten in Bormio: Dominik Paris deklassiert mit seinem sechsten Abfahrtssieg auf seiner Lieblingsstrecke die Konkurrenz. Für die Überraschung sorgt an diesem Tag der Deutsche Dominik Schwaiger.

Von Felix Haselsteiner

Marco Odermatt wirkte etwas ungläubig, als er im Ziel der Stelvio abschwang. Gute neun Zehntelsekunden hatte der Schweizer auf Aleksander Aamodt Kilde herausgefahren, und der Norweger war in so bestechender Form zum Abfahrtsklassiker nach Bormio gereist, dass man davon ausgehen konnte, dass ein großer Abstand auf ihn eigentlich reichen müsste, um das Rennen zu gewinnen. Die Elitefraktion der Weltcup-Abfahrer hatte ihre Aufgabe erledigt und Fahrten gezeigt, die der Perfektion nahe kamen, so nahe, wie man ihr auf dieser schwierigen Strecke kommen kann. Aber das reicht eben nicht, wenn Dominik Paris ebenfalls mitfährt bei seinem Lieblingsrennen: Perfektion auf seiner Lieblingsstrecke, das kann nur der Südtiroler - folgerichtig gewann er am Dienstag zum sechsten Mal die Abfahrt in Bormio.

Kilde fasste die Dominanz des 32-Jährigen zusammen, indem er im ARD-Interview gleich mehrere Male hintereinander "unfassbar" sagte. "In Bormio muss man gut auf dem Ski stehen und darf nicht zu viel machen", sagte Kilde: "Der Dominik ist unfassbar, der steht einfach und bringt den Speed nach unten. Unfassbar." Paris schluckte die Wellen der Stelvio mit so viel Routine, traf die Schwungansätze so perfekt, dass es nicht nur unfassbar war, sondern dass er schlichtweg unschlagbar wirkt. "Ich fühle mich hier einfach wohl", sagte er nachher im ORF: "Die Überwindung, Vollgas zu geben, ist hier eine Herausforderung. Man weiß bei den vielen Schlägen nie, was passiert. Das macht es in Bormio besonders spannend. Das taugt mir."

Paris ist nun der erste Skifahrer in der Geschichte, der gleich sechsmal auf derselben Strecke gewinnen konnte: 2012, 2017, 2018, zweimal 2019 und nun erneut, dazu kommt noch der Sieg im Super-G. Hätte auch zwischen 2014 und 2016, als die Stelvio aufgrund rechtlicher Streitigkeiten mit dem ansässigen Liftbetreiber nicht im Rennkalender war, eine Abfahrt stattgefunden, wäre Paris' Bilanz vermutlich noch eindrucksvoller. Der Südtiroler mit einem Faible für Heavy Metal hat nun selbst Didier Cuche in den Schatten gestellt: Der Schweizer gewann einst auf seinem Hausberg, dem Hahnenkamm in Kitzbühel, fünfmal die Streif - Paris' sechs Abfahrtssiege in Bormio übertreffen das nun. Und auch in Kitzbühel hat Paris bereits dreimal gewonnen, das nur am Rande.

Dominik Schwaiger überrascht - und schafft die Olympia-Qualifikation

Es ist das exakt richtige Verhältnis zwischen Mut, technischer Genauigkeit und einer einzigartigen Feinfühligkeit, die Paris auszeichnet und gerade auf den schwierigsten Strecken des Weltcups noch einmal die Konkurrenz in den Schatten stellen lässt. Odermatt zum Beispiel, der trotz etwas fehlender Erfahrung die Stelvio in beeindruckender Manier bezwang, hätte sich seinen ersten Abfahrts-Sieg im Weltcup durchaus verdient gehabt. "Erst dachte ich im Ziel, das wird vielleicht sogar schwierig, mich wieder aus der Leaderbox zu verdrängen", sagte der Gesamtweltcup-Führende im SRF, aber gegen Paris sei man chancenlos: "Auf dieser Strecke ist es fast unmöglich, ihn zu schlagen."

Erfolge blieben damit eher für die Athleten zu verzeichnen, für die es von vorneherein nicht darum ging, Paris zu schlagen, sondern eine gute Platzierung herauszufahren: der Schweizer Niels Hintermann zum Beispiel, der wie schon in Gröden auf Platz drei fuhr; Daniel Hemetsberger, der überraschend als Vierter bester Österreicher wurde; und der beste Deutsche auf Rang fünf: Dominik Schwaiger schob sich mit Startnummer 27 noch in die Spitzenränge und ließ unter anderem den starken Kilde hinter sich.

"Ich hab einfach einen geilen Lauf erwischt", sagte Schwaiger danach, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der fünfte Platz war nicht nur das beste Weltcupergebnis des Bayern, sondern bedeutet auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Auch Josef Ferstl gelang trotz eines Fehlers mit Platz 16 noch ein guter Erfolg auf der Stelvio, die sich in diesem Jahr wieder einmal so gnadenlos präsentierte, dass eine Zielankunft allein schon ein Erfolg war - zumindest für all diejenigen, die nicht Dominik Paris heißen.

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