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Diskussionen um Ryder Cup in Deutschland:Bitte keine Steuern!

Ryder Cup 2014 in Gleneagles

Bald in Deutschland? Szene vom Ryder Cup 2015

(Foto: Bob Martin/dpa)

Eine Steuerbefreiung für ein Event mit lauter Multimillionären? Bei der Entscheidung, ob der Ryder Cup nach Deutschland kommt, geht es um Gerechtigkeit - und darum, inwieweit sich die Politik dem Diktat der Sportveranstalter unterwirft.

Politiker gehen häufig den Weg des geringsten Widerstands. Und natürlich ist es viel einfacher öffentlich zu vermitteln, dass man dem Golfsport und seiner prestigeträchtigsten Veranstaltung, dem Ryder Cup, eine Steuerbefreiung verweigert, als dass man sie ihm gewährt. Wie sähe das denn aus: Da kommen die besten Golfer aus Europa und den USA, alles Multimillionäre, für drei Tage ins Brandenburgische - und die Veranstalter nehmen danach alle Gewinne netto mit? Und gleichzeitig diskutieren die Finanzminister der Länder darüber, ob es neue Schulden braucht, um Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen?

Wer mit etwas Geld verdient, zahlt Steuern auf den Gewinn. Gibt es einen Grund, warum der Kommerzsport davon ausgenommen werden sollte? Nein. Bis auf diesen: dass es sich der Kommerzsport nun mal erlauben kann, Forderungen zu stellen, die in anderen Lebensbereichen als schamlos empfunden würden. Und wenn ihnen in einem Land nicht entsprochen wird, geht er halt ins nächste.

Die Bewerbung von Oslo um die Winterspiele 2022 verlor auch deshalb rapide an Rückhalt in der Bevölkerung, weil herauskam, dass die Olympia-Funktionäre den Norwegern sogar die Zusammenstellung der Obstkörbe im Hotel vorschreiben wollten und sich zudem ein Dinner beim König ausbedungen. Aber: Zum König lädt man sich nicht ein, man wird von ihm eingeladen - oder nicht. Jetzt finden die Spiele 2022 halt in Peking statt. Hinter der Entscheidung, ob der Ryder Cup in Deutschland in den Genuss von Steuervorteilen kommen soll, steht also auch die Frage, inwieweit sich die Politik dem Diktat der Sportveranstalter unterwirft. Gesellschaftlich vermittelbar sind deren Vorstellungen selten, sie zu geißeln, ist populär. Man muss aber mit den Konsequenzen leben, wenn man sich ihnen widersetzt.

Ryder Cup wäre ein Präzedenzfall

Womöglich wäre die deutsche Bewerbung um das Golf-Großereignis 2022 sogar stark genug, um einen Rückschlag in der Steuerfrage zu überstehen. Wenn nicht, hieße das am Ende: null Hotelübernachtungen, null Wertschöpfung in der strukturschwachen Region, null globaler Werbeeffekt. Null Umsatz. Und auch wieder: null Steuern. Das gilt es abzuwägen. Sogar der linke Finanzminister von Brandenburg wirft da jede Dogmatik über Bord. Er will den Ryder Cup, er glaubt: Man müsste halt den Mut haben, so eine Steuerbefreiung zu begründen, ihre Vorteile herauszustellen, über alle Ressentiments vom elitären Golfsport hinweg.

Olympia, Fußball-WM, Champions-League-Finale, Leichtathletik-WM - diese Groß-Events waren oder sind von der Steuer befreit. Der Ryder Cup ist auch nicht gerade klein - aber er wäre ein Präzedenzfall. Welche Begehrlichkeiten würde man wecken, welche Sportlobby käme als nächstes? Es gibt für die Finanzpolitiker also einiges abzuwägen. Und danach wohl manches zu erklären.

Golf Bitte keine Steuern!

Golf

Bitte keine Steuern!

Die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung für die Ausrichtung 2022 hofft noch auf finanzielle Hilfe. Christian Görke von der Links-Partei, der Finanzminister von Brandenburg, hat daher einen Antrag auf Steuerbefreiung gestellt.   Von Frieder Pfeiffer