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Diskussion um Klinsmann und Bryant:"Das war wirklich lustig"

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491717955 US German coach Juergen Klinsmann smiles before a Group G football match between Ghana and US at the Dunas Arena in Natal during the 2014 FIFA World Cup on June 16, 2014. AFP PHOTO / EMMANUEL DUNAND

(Foto: AFP)

Basketballer Kobe Bryant zeigt sich amüsiert über die Kritik von Jürgen Klinsmann. Uruguays Nationalteam muss auf seinen Kapitän verzichten. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc kritisiert den DFB für ein Interview mit Kevin Großkreutz.

USA, Jürgen Klinsmann: Kobe Bryant hat sich amüsiert über die Kritik von Jürgen Klinsmann gezeigt. "Das war wirklich lustig", sagte der fünfmalige NBA-Gewinner bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gegenüber ESPN: "Es hatte etwas von Comedy." Klinsmann, Trainer der US-Fußballer, hatte sich in einem Interview mit dem Magazin der New York Times über das Gehalt des 35-Jährigen Kobe Bryant gewundert: "Warum bekommt er eine Vertragsverlängerung über zwei Jahre für 50 Millionen Dollar? Für das, was er in den kommenden zwei Jahren für die Lakers tun wird? Natürlich nicht. Er bekommt es für das, was er getan hat. Und das ergibt keinen Sinn", sagte Klinsmann. Bei Bryant stieß die Kritik auf Unverständnis.

"Er sieht die Sache nicht aus der Perspektive eines Besitzers. Der Besitzer muss seine Spieler für das belohnen, was sie geleistet haben und dabei darauf achten, dass er das Team gleichzeitig weiterbringt", gab der 15-malige Allstar zu bedenken. "Jürgen ist ein Trainer. Er ist kein General Manager oder Besitzer eines Klubs. So gesehen relativiert es die Sache ein wenig", so Bryant: "Aber er hätte wohl einen anderen Spieler als Beispiel wählen sollen." Zuletzt hatte bereits der bekannte US-Journalist Michael Wilbon Klinsmann wegen dessen Aussagen attackiert. Wilbon forderte den ehemaligen Bundestrainer in einer Polemik dazu auf, "zur Hölle nochmal" die USA zu verlassen: "Verschwinde aus Amerika". Klinsmann lebt seit 1998 in den Staaten.

Uruguay, Verletzung: Im "Alles-oder-Nichts"-Spiel gegen England am Donnerstag muss Uruguay auf Kapitän Diego Lugano verzichten. Der 33 Jahre alte Innenverteidiger vom englischen Erstligisten West Brom Albion leidet an Kniebeschwerden, die nach Verbandsangaben in den vergangenen Tagen immer schlimmer wurden. Lugano muss nach derzeitigem Stand aber nicht operiert werden. Uruguay hofft deshalb darauf, ihn im weiteren Turnierverlauf einsetzen zu können. Nach der überraschenden 1:3-Auftaktniederlage gegen Costa Rica brauchen die Südamerikaner gegen die zum Anfang ebenfalls geschlagenen Three Lions (1:2 gegen Italien) aber einen Sieg, um noch realistische Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale zu haben.

DFB, Kevin Großkreutz: Michael Zorc hat den Deutschen Fußball-Bund DFB wegen seines Umgangs mit Nationalspieler Kevin Großkreutz heftig kritisiert. Den Sportdirektor von Bundesligist Borussia Dortmund stört vor allem ein Interview mit dem BVB-Profi auf der DFB-Homepage drei Tage vor dem WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Montag gegen Portugal (4:0): "Das war eine komplett unnötige Aktion", sagte Zorc der Sport Bild.

In dem Interview war Großkreutz gefragt worden, ob er froh sei, dass es im deutschen WM-Quartier Campo Bahia keinen Dönerladen gebe. Das zielte auf den Vorfall, bei dem der 25-Jährige vor einigen Wochen nachts in Köln vor einem Imbiss mit einem anderen Gast aneinandergeraten war und einen Döner nach ihm geworfen haben soll. Auch die Pinkelaffäre nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale gegen Bayern München wurde in dem Interview thematisiert. "Das hat mich nicht nur überrascht, sondern auch extrem irritiert. Ich weiß nicht, warum man kurz vor einem WM-Auftaktspiel so etwas bei einem eigenen Medium wieder zum Thema macht", kritisierte Zorc.

Algerien, Vahid Halilhodzic: Nach der bitteren Auftaktpleite gegen Belgien (1:2) hat Algeriens Trainer Vahid Halilhodzic (61) seine Spieler scharf kritisiert und in Schiedsrichter Marco Rodriguez aus Mexiko den Hauptschuldigen für die Pleite ausgemacht. "Vor dem zweiten Gegentor habe ich ein Foul gesehen, der Schiedsrichter hat nicht gepfiffen. Sonst wäre das Spiel ganz anders verlaufen", sagte Halilhodzic wütend: "Das passiert kleinen Teams ja immer wieder. Wir hätten ein Unentschieden verdient gehabt." Vor dem Konter zum 2:1 für Belgien hatte Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg den Ball gegen Sofiane Feghouli allerdings regelgerecht erobert und so den Gegenstoß eingeleitet, den der eingewechselte Dries Mertens (80.) mit dem Siegtreffer abschloss. Den zwischenzeitlichen Führungstreffer durch Feghouli (25., Foulelfmeter) hatte Marouane Fellaini (70.) ausgeglichen.

Neben dem Schiedsrichter bekamen auch die algerischen Spieler von Halilhodzic ihr Fett weg. "Ich habe im Vorfeld vor den belgischen Kontern gewarnt", zürnte der Bosnier: "Wir hätten in der zweiten Hälfte mehr laufen müssen. Ich hätte gerne mehr Spieler gehabt, die sich den Kontern härter widersetzen. Neidisch blickte Halilhodzic auf die Möglichkeiten seines Kollegen Marc Wilmots: "Wir haben keinen Eden Hazard oder Dries Mertens in unserer Mannschaft - oder Spieler mit ähnlichem Talent."

WM, Übertragung: ARD und ZDF dürfen sich bei der WM in Brasilien über weiter steigende Marktanteile bei ihren Fußball-Übertragungen freuen. Nach Abschluss des ersten Vorrunden-Spieltages mit insgesamt 16 Begegnungen erreichten die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender einen durchschnittlichen Marktanteil von 45,93 Prozent. Bei der Endrunde 2010 in Südafrika lag der Marktanteil zu diesem Zeitpunkt bei 45,03 Prozent, beim "Sommermärchen" 2006 in Deutschland bei 40,91 Prozent. ARD und ZDF sollen für die 64 Spiele insgesamt zwischen 150 und 180 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband FIFA gezahlt haben.

In der Gesamtzahl der TV-Zuschauer gab es nicht zuletzt wegen der bislang sechs Spiele, die aufgrund der Zeitverschiebung von fünf Stunden frühestens ab Mitternacht begannen, einen leichten Rückgang. Insgesamt wurden 141,93 Millionen Zuschauer vor den Geräten registriert. Das waren rund zwei Millionen weniger als vor vier Jahren (143,98). Die meisten Fans hatten beim deutschen Auftaktspiel gegen Portugal zugeschaltet. 26,36 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 81,8 Prozent.

Kroatien, Luka Modric: Nach überstandener Fußverletzung ist Kroatiens Nationalspieler Luka Modric im zweiten WM-Gruppenspiel am Mittwoch in Manaus gegen Kamerun einsatzfähig. "Luka ist wieder zu 100 Prozent fit. Er hat Montag und Dienstag gut trainiert", sagte Trainer Niko Kovac am Dienstag nach dem Abschlusstraining in der Arena Amazonia über den Mittelfeldspieler von Real Madrid. Große Hoffnungen knüpft der frühere Bundesligaprofi Kovac auch an die Rückkehr von Mario Mandzukic. Der abwanderungswillige Stürmer von Bayern München musste im WM-Auftaktspiel der Kroaten gegen Brasilien (1:3) wegen einer Sperre aussetzen. "Er ist ein Weltklassespieler und wird uns Energie geben. Ich hoffe, er führt uns zum Sieg", sagte der 42-jährige Kovac. Torjäger Mandzukic (28) meinte vor dem ersten WM-Spiel seiner Karriere: "Ich kann es kaum erwarten, dass es auch für mich losgeht. Wir wollen der Welt beweisen, wer wir sind."

Deutschland, Müller: Für Gerd Müller wird Thomas Müller der nächste Rekordtorjäger von Fußball-Weltmeisterschaften. "Ich bin mir sicher, dass sich Thomas Müller den WM-Torrekord holt, denn er hat ja noch zwei bis drei weitere Weltmeisterschaften vor sich", sagte Gerd Müller der Sport Bild. Thomas Müller war mit fünf Treffern bester WM-Torschütze vor vier Jahren und erzielte am Montag drei Tore beim deutschen 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal. Mit 15 Treffern liegt Brasiliens Ronaldo in der ewigen WM-Torschützenliste vor den Deutschen Miroslav Klose und Gerd Müller (beide 14).

Italien, Del Piero: Der frühere Nationalspieler Alessandro Del Piero traut Italien bei der Fußball-WM in Brasilien eine entscheidende Rolle zu. "Italien hat einen ausgezeichneten Eindruck gemacht, Entschlossenheit, Spielfreude, Persönlichkeit", sagte der 39-Jährige am Mittwoch über das Team von Trainer Cesare Prandelli. "Ich wünsche mir, dass Italien bis ins Finale kommt, aber man darf jetzt nicht zu viel Druck auf Prandelli und die Spieler aufbauen, lassen wir den Trainer in Ruhe arbeiten", forderte Del Piero, der mit Italien 2006 Weltmeister geworden war. Die Azzurri hatten ihr erstes Spiel gegen England mit 2:1 gewonnen und treten am Freitag gegen Costa Rica an.

Fifa, Schiedsrichter: Mit der Benennung der Schiedsrichter Pedro Proença aus Portugal für das WM-Spiel Kamerun gegen Kroatien und Carlos Velasco aus Spanien für die Partie zwischen Uruguay und England bricht die Fifa ein eigenes ungeschriebenes Gesetz. Üblicherweise waren Referees seit der Fußball-WM 2010 nicht mehr für Spiele mit Mannschaften aus ihrer eigenen Konföderation eingesetzt worden. Einzige Ausnahme waren Spiele zwischen zwei Teams vom gleichen Kontinent wie zum Beispiel zwischen Deutschland und Portugal am Montag in Salvador mit dem Serben Milorad Mazic als Referee.

"Das entscheidende Kriterium ist die Qualität der Schiedsrichter", sagte Fifa-Sprecherin Delia Fischer am Dienstag in Rio de Janeiro. Zweite in den WM-Regularien schriftlich festgehaltene Prämisse ist, dass der Referee nicht aus einem Land kommen darf, das in der gleichen WM-Gruppe spielt wie die beteiligten Teams. Dies besagt Artikel 10.1. der WM-Regularien. Die Kontinent-Klausel galt nur als Common Sense und war bei der WM 2010 in Südafrika strikt eingehalten worden. Einen Zusammenhang mit der öffentlichen Kritik nach dem Elfmeter-Fehlpfiff des Japaners Yuichi Nishimura im Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien (2:1) gebe es nicht, hieß es von der Fifa.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/ebc/ska
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