"Dirty Games" Nach 800 Spielen schlug dann das FBI zu

"Dirty Games" legt das Blendwerk offen. Franz Beckenbauer behauptet, er habe "nie einen Sklaven in Katar" gesehen. Im Film berichten die nepalesischen Arbeiter, dass der Krankenwagen "ohne Sirene kommt", wenn ein Toter abgeholt wird. Die Scheindebatte um Katar, in der sich Mitverdiener aus dem Sport sogar als subtile Weltverbesserer gerieren, ist indes nur ein Teil der Betrugsbereiche, die der Film beleuchtet. Nur die strukturelle Dopingproblematik bleibt ausgeklammert, ansonsten geht es ins Zentrum der Show.

Da spricht Bonita Mersiades über Lügen und Finanztricks, die sie als Managerin des WM-Bewerbers Australien erlebte. Da ist der Bar-Betreiber in Rio de Janeiro, der sich bis zuletzt gegen den Abriss seines Wohnviertels gewehrt hat und am Ende als Gefangener im eigenen Haus saß, ohne Wasser, Strom, Schutz vor Eindringlingen. Das Viertel sollte einem Parkplatz für die WM 2014 weichen; heute ist es eine Brache für Drogenjunkies. Ähnliches passiert nun beim urbanen Revirement für die Sommerspiele in diesem Sommer in dem Land.

Da ist Charles Farrell, Boxmanager, der "Hunderte" Profikämpfe in den USA manipuliert hatte, bis ihn die Mafia zum Ausstieg zwang. Er schildert bestechliche Ringrichter und die Codes, die für Kampf- absprachen von den Parteien benutzt werden. Er erzählt, wie Mike Tysons Comeback 1995 nach seiner Haftstrafe gegen Peter McNeeley so spektakulär verschoben worden sei, dass der Markt sofort entflammte: In 90 Sekunden sollte die Nummer durch sein, nach 89 Sekunden flog das Handtuch aus McNeeleys Ringecke. "Verlierer kassieren manchmal mehr als Gewinner", sagt Farrell. Heute hat er einen Namen als Jazz-Pianist.

Ruhige Bilder transportieren Bewegendes

Oder Tim Donaghy. Der pfiff 13 Jahre als Profischiedsrichter in der US-Basketball-Liga. Nach 800 NBA-Spielen schlug das FBI zu, Donaghy hatte auf eigene Partien gewettet und sie passend gestaltet. Er beschreibt strukturelle Manipulation in der ewigen Glitzer-League: Wie NBA-Offizielle die Play-off-Runden so manipulieren, dass Duelle über die volle Sieben-Matches-Distanz gehen, das bringt mehr Geld aus dem TV- und Ticketgeschäft. Oder dass die Referees gehalten seien, Superstars der NBA und speziell den Superklub L. A. Lakers zu bevorteilen. Donaghy schrieb sogar ein Buch darüber, verklagt wurde er nie.

Fußball darf hier nicht fehlen. Ruhige Bilder transportieren Bewegendes: Die feste Front der Fans in der Türkei, die nach der von Fenerbahce Istanbul manipulierten Saison 2010/11 bis heute auf die vorgesehene Bestrafung des Topklubs durch die Europa-Union Uefa drängen. Ob Fenerbahce die Macht der Politik und des Geldes schützt? Die europäische Fußball-Union Uefa beklagt jedenfalls kein Defizit an türkischen Sponsoren. Und sieht zu, wie Samstag für Samstag in türkischen Städten protestiert wird, auf Istanbuls Taksim-Platz stand jüngst die 199. Demonstration an. Gianni Infantino, Uefa-Generalsekretär, hat Wichtigeres zu tun. Er düst per Learjet um die Welt und wirbt mit Transparenz-Versprechen um den Fifa-Thron, der am 26. Februar neu besetzt wird.

Bests Film darf den medialen Mainstream nicht erreichen. Er könnte Nachahmer finden, die den Sport Zug um Zug als das entlarven, was er ist: Die größte Bewusstseinstäuschung unserer Zeit. Wahrhaftig, ein Märchen.