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Dirk Nowitzki:Zurück bei den Mavericks

Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki hielt 2019 seine bewegende Abschiedsrede. Nun arbeitet er wieder für die Mavericks. Diesmal aber im Anzug.

(Foto: Philipp Hülsmann/dpa)

Dirk Nowitzki steigt beim NBA-Team aus Dallas als Berater ein - und steht gleich vor schweren Aufgaben: Der Klub befindet sich mitten im Umbruch.

Von Jonas Beckenkamp, Dallas/München

Als Dirk Nowitzki vor mehr als zwei Jahren seine Karriere als Basketballer beendete, lag Dallas in Tränen. 21 Spielzeiten beim selben Verein, seinen Mavericks, endlose Rekorde, der NBA-Titel 2011, all die Erinnerungen - das mussten die Menschen in Texas erst einmal verdauen. Der Würzburger war damals 40 Jahre alt, er fand, dass es nun gut ist mit Körbe werfen. Es sei Zeit für etwas anderes, für ein Leben abseits von Umkleidekabinen und Hotellobbys.

Was er aber stets betonte: Er werde bestimmt irgendwann in anderer Funktion zum Team zurückkehren. Und dieser Moment ist gekommen. Der Vater dreier Kinder, soeben 43 Jahre alt geworden, fungiert künftig als Berater seines Herzensklubs. Er steht gleich vor einer großen Aufgabe: Er soll die Franchise bei den anstehenden Personalentscheidungen unterstützen, wie die Mavericks mitteilten. Es sind keine Kleinigkeiten, die auf Nowitzki zukommen: Dallas befindet sich im Umbruch.

Der ewige Teambesitzer Mark Cuban, ein enger Vertrauter Nowitzkis, hatte seinen ehemaligen Kapitän direkt angesprochen und um Hilfe gebeten. "Er ist an mich wegen einer Rolle als Sonderberater herangetreten, und ich bin froh, die Mavs zu unterstützen", sagte Nowitzki in einem Statement. Von ihm sind nun Auge und Fingerspitzengefühl gefragt. Aktuell muss nicht nur ein neuer Trainer her - sondern auch ein Manager.

Seine offizielle Position: "Special Advisor"

Nachdem die Mavericks seit zehn Jahren keine Playoff-Serie mehr gewinnen konnten, muss sich einiges ändern. Zuletzt verabschiedete sich einigermaßen überraschend Meistercoach Rick Carlisle, 61. Er ging nach 13 durchaus erfolgreichen Jahren von sich aus. Dabei hatte Cuban noch vor wenigen Wochen erklärt, dass es überhaupt keinen Grund für einen Trainerwechsel gebe.

Zuvor hatte der sportliche Leiter Donnie Nelson seinen Abschied bekanntgegeben. Auch er teilt mit Nowitzki einen langen Weg, schließlich war der 58-Jährige einer derjenigen, die ihn nach seiner Ankunft in der NBA in ganz jungen Jahren ins harte Geschäft der US-Profiliga einführten. "Donnie Nelson und Rick Carlisle waren beide Mentoren für mich", sie hätten große Rollen in seiner Karriere und für das Team gespielt, "und ich werde sie vermissen", so beschrieb es Nowitzki nun.

Er kehrt aus alter Verbundenheit zurück - und nicht, weil ihm langweilig ist. Zuletzt hatte Nowitzki viel Zeit mit seiner Familie verbracht, er machte Urlaub in Schweden, der Heimat seiner Frau. Und er trat als Losfee für die Basketball-EM 2022 auf. Er hatte nach den vielen Jahren als Profi einiges an Privatleben nachzuholen, doch in den Playoffs war er schon wieder in der Halle, als die Mavs in der ersten Runde gegen die LA Clippers ausschieden.

Als Zuschauer - und, wie es jetzt erscheint, auch als Gesprächspartner. Trotzdem überrascht es, dass er so abrupt als Funktionär in Erscheinung tritt. Zwar heißt es, dass seine neue Position kein Job mit regulärem Tagesablauf und eigenem Büro ist, aber als "Special Advisor" dürfte er bei allen großen Weichenstellungen ein Wort mitreden.

Nowitzki muss einen profilierten Coach finden

Die Not in Dallas muss groß gewesen sein, die Führungslosigkeit plagt den Traditionsklub. So obliegt es nun unter anderem der Einschätzung Nowitzkis, einen profilierten Coach für den Klub zu finden, der mit Luka Doncic klar kommt. Der beste Akteur seit Nowitzkis Abschied ist mit seinen 22 Jahren schon jetzt unangefochtener Anführer des Teams. Er organisiert das Spiel, ist für Punkte zuständig, doch mitunter versucht er noch zu viel in Eigenregie - anders als Nowitzki in seiner besten Zeit, der stets ein Teamplayer war. Zwischen Doncic und Carlisle soll es auf dem Feld deshalb Spannungen gegeben haben.

Zunächst sieht sich der Deutsche aber als Helfer des Klubchefs. "Ich bin glücklich, die Mavs zu unterstützen", sagt er, "es ist wichtig für mich, Mark beizustehen und einen größtmöglichen Beitrag zu leisten, damit wir nach vorne schauen können." Die Zukunft in Dallas, sie beginnt jetzt. Mit Nowitzki.

© SZ/klef/lib
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