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Dirk Nowitzki:Nowitzki erzielt die ersten zehn Punkte

Das war tatsächlich notwendig, weil die Mavericks nicht nur Masken und Shirts verteilten und in jeder Auszeit die grandiosesten Momente der Karriere zeigten, sondern weil sie auch so ziemlich jeden eingeladen hatten, der irgendwie mit Nowitzkis Karriere zu tun hatte: Charles Barkley und Scottie Pippen zum Beispiel erzählten noch einmal die Geschichte, wie sie Nowitzki einst als Teenager schwindelig gespielt habe - und Barkley bot ihm gleich einen Job als Experte an: "Ich kann dafür sorgen, dass Shaq gefeuert wird." Nowitzkis Vorbild Larry Bird war da, sein bester Basketball-Freund Steve Nash, sein ehemaliger Vereinskollege Michael Finley.

Als Nowitzki in die Halle kam - grauer Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte -, da standen die Mitarbeiter Spalier, jeder wollte noch einmal persönlich von ihm abgeklatscht werden. Nowitzki machte fröhlich lächelnd mit, es schien ihm nun doch nicht mehr ganz so peinlich zu sein - nein, er genoss es regelrecht. Er wärmte sich auf, drückte jede in seine Richtung ausgestreckte Hand, und dann zeigte er innerhalb der ersten drei Minuten noch einmal das komplette Repertoire seiner Spielkunst.

Einen Typen wie ihn hat es in der NBA noch nicht gegeben

Sprungwurf, Dreier, einbeiniger Fade-Away-Jumper, Dreier. Er erzielte die ersten zehn Punkte seiner Mannschaft, am Ende wurden es 30 Zähler, so viele wie noch nie in seiner letzten Spielzeit - und irgendwann, da forderten die Fans in der Arena nicht mehr noch ein weiteres Jahr, sie riefen einfach nur noch: "Thank You, Dirk!"

Das ist die Strahlkraft, die Nowitzki aufgrund seiner sportlichen Leistungen (31 540 Punkte und 11 479 Rebounds in 1521 Partien), seiner 21 Jahre währenden Treue zu diesem einen Verein und vor allem auch aufgrund seines Verhaltens abseits des Parketts besitzt. Einen Typen wie ihn hat es in dieser Liga noch nicht gegeben, so einen wird es wohl nicht mehr geben, und dieser Dienstagabend ist der Beweis dafür, was das mit den Leuten anstellt, wenn sie so einen Typen mehr als zwei Jahrzehnte lang erleben haben dürfen.

"Ich habe euch auf eine wilde Achterbahnfahrt genommen, ihr habt mich immer unterstützt", sagte Nowitzki, und dann ergänzte er in Anlehnung an John F. Kennedy: "Ich bin vor mehr als 20 Jahren als Deutscher hierher gekommen. Jetzt bin ich ein Texaner."

© SZ.de/ebc
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