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Dirk Nowitzki:Die Mumie weicht den Jüngeren

Mavericks-Zugang DeAndre Jordan (6) mit Dirk Nowitzki (41), Harrison Barnes (40), Luka Doncic (77) und Dennis Smith Jr. (1).

(Foto: Jim Cowsert/AP)
  • Dirk Nowitzki wird bei den Dallas Mavericks künftig Ersatzspieler sein.
  • "Die Zeiten, wo er 36 Minuten pro Partie gespielt hat, sind vorbei", sagt Trainer Rick Carlisle. Für Nowitzki ist das in Ordnung.
  • Der neue Center wird DeAndre Jordan. Der hatte schon vor drei Jahren sein Kommen zugesagt, dann aber doch noch seinen Vertrag bei den Los Angeles Clippers zu besseren Konditionen verlängert.

Der Basketballspieler Dirk Nowitzki arbeitet seit 20 Jahren für die Dallas Mavericks, er hat maßgeblich beigetragen zum Aufblühen des einst schlechtesten Klubs des gesamten amerikanischen Profisports, er war der entscheidende Mann bei der bis heute einzigen NBA-Meisterschaft des Teams 2011, und nun wird es Zeit, ihn zu befördern, findet Chefcoach Rick Carlisle - und zwar auf die Ersatzbank. "Er wird wahrscheinlich von der Bank aus ins Spiel kommen", kündigte Carlisle jedenfalls am Freitag an, zum Start in die Vorbereitung auf die Mitte Oktober beginnende Saison. Der Coach weiß, was das bedeutet: "Es wird extrem herausfordernd."

Der mittlerweile 40 Jahre alte Nowitzki war ja Zeit seiner Karriere in der nordamerikanischen Profiliga NBA stets Stammspieler, bis auf wenige Ausnahmen stand er bei seinen bislang fast 1500 Einsätzen immer zu Beginn der Partien auf dem Parkett. Dass er sich zum nahenden Ende seiner Laufbahn noch einmal umstellen und allmählich Platz machen muss für jüngere Leute, sei ihm klar gewesen, als der Klub im Juli den Center DeAndre Jordan, 30, engagierte, sagte Nowitzki. Der gelernte Power Forward war in den vergangenen Jahren ja schon auf die Center-Position ausgewichen, wegen seiner "Bewegungs-Einschränkungen, wie wir es nennen", erinnerte er am Freitag grinsend.

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Auch bei einem Ausnahmesportler wie Nowitzki lässt irgendwann die Schnelligkeit nach, die Spritzigkeit, die Mobilität, die gesamte Athletik halt. Der gebürtige Würzburger hat diesen Alterungsprozess mit großer Selbstironie begleitet und zum Beispiel den von seinen Teamkollegen in Umlauf gebrachten Spitznamen "Mumie" selbst weiterverbreitet. Die Mumie mag in der Defensive zwar kaum noch einem Gegenspieler hinterher kommen, aber in der Offensive bleibt sie gefährlich. "Er kann wegen seiner Größe immer noch einfach über die Leute drüber werfen", erinnert Harrison Barnes an die außerordentliche Fähigkeit des 2,13 Meter großen Nowitzki.

Der 26 Jahre alte und 2,03 Meter große Flügelspieler Barnes hat sich in der vergangenen Saison zum besten Mann der Mavericks entwickelt, um ihn herum will Carlisle seine Stammformation neu aufbauen und vor allem verjüngen: mit dem Spielmacher Dennis Smith jr., 20, und dem Liga-Neuling Luka Doncic, 19, hat er eine vielversprechende Combo auf den Guard-Positionen, die Defensive sollen die Routiniers Wesley Matthews, 31, und eben Jordan stärken. "Für mich ist das momentan das beste Team, mit dem wir die Partien beginnen können", erklärte der Coach. Und für Nowitzki bleibt da halt zunächst nur ein Platz auf der Bank.

"Dirk ist ein alter Mann, er vergisst schnell etwas", witzelt Nowitzkis Nachfolger

"Die Zeiten, wo er 36 Minuten pro Partie gespielt hat, sind vorbei", sagt Carlisle. Für Nowitzki ist das in Ordnung. "Ich habe immer gesagt, dass ich Teil eines erfolgreichen Teams sein will", bekräftigte er am Freitag. Glaubhaft gemacht hat er das ja schon häufig, indem er bei Vertragsverhandlungen auf Geld verzichtete, damit der Klub noch genug übrig hatte, um ihm stärkere Nebenleute zur Seite zu stellen.

In dieser Hinsicht entbehrt es nicht einer gewissen Pikanterie, dass der Publikumsliebling Nowitzki seinen Stammplatz nun ausgerechnet für Jordan räumen muss. Der gebürtige Texaner hatte schon vor drei Jahren sein Kommen zugesagt, dann aber doch noch einen Rückzieher gemacht und seinen Vertrag bei den Los Angeles Clippers noch einmal zu besseren Konditionen verlängert. Das hatten ihm damals viele Fans übel genommen. Am Freitag stellte sich DeAndre Jordan den versammelten Medien nun launig vor: "Der schwarze Dirk ist endlich hier, Leute."

Alle Beteiligten versicherten, dass die Geschichte aufgearbeitet sei und niemand dem Zugang etwas nachtrage. Auch Nowitzki äußerte Verständnis für Jordans damalige Entscheidung und bekundete, er habe die Sache bereits im Sommer 2015 abgehakt. Woraufhin Jordan am Freitag bemerkte: "Dirk ist ein alter Mann, er vergisst schnell etwas."

Nach zwei Jahren ohne Playoff-Teilnahme ist bei den Mavericks wieder eine Aufbruchsstimmung zu spüren; sie wird auch nur wenig getrübt durch das Ergebnis einer Ermittlung wegen Sexismus, das in der vergangenen Woche publik gemacht wurde. Auf der Geschäftsstelle der Mavericks waren drei inzwischen entlassene Männer übergriffig geworden, Teambesitzer Mark Cuban musste sich vorwerfen lassen, nicht aufmerksam genug gewesen zu sein. Immerhin griff er sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Februar ein und schuf neue Strukturen, um solche Vorfälle künftig zu verhindern; nun erklärte er sich bereit, zehn Millionen Dollar an gemeinnützige Frauen-Organisationen zu spenden. Die sportliche Seite der Mavericks war von den gesamten Vorwürfen nicht betroffen.

Die kommende Saison wird eine außergewöhnliche sein für Nowitzki und die NBA. 21 Jahre für den gleichen Klub zu spielen, das hat in der stärksten Liga der Welt noch keiner geschafft. Den Rekord hält vorläufig noch Kobe Bryant, der 20 Jahre für die Los Angeles Lakers aktiv gewesen ist. Ob Nowitzkis 21. Saison auch die letzte sein wird, ließ er am Freitag offen. "Daran denke ich im Moment nicht", sagte er und versprach: "Ich werde jede Partie so angehen, als gebe es danach kein Morgen." Coach Carlisle ist überzeugt: "Dirk wird sich eine Tür offen lassen, ich würde jedenfalls nicht gegen ihn wetten."

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