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Diego Maradona:Der Vertrag seines Lebens

Zwei Uhren, ein Stift: Diego Maradona besiegelt sein Engagement beim weißrussischen Klub Dinamo Brest.

(Foto: Twitter)
  • Diego Maradona zieht nach Weißrussland, um Präsident von Dinamo Brest zu werden.
  • Bei seinem neuen Engagement soll der ehemalige Fußballer sogar noch mehr verdienen als in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Man kann Diego Maradona jetzt mögen oder nicht mögen - die einen vergöttern ihn ja, die anderen halten den genialsten Fußballspieler der Ära vor Lionel Messi trotz seines eindeutig überirdischen Talents für mehr oder weniger durchgeknallt. Aber es kann wirklich kein vernünftiger Mensch behaupten, dass Maradona langweilig ist, das war er nie. Seine Biografie weist nur wenige größere Lücken auf, und er mag auch Ziele, die manchen Sportfreunden exotisch vorkommen. Deshalb gibt es wieder Neuigkeiten, mit denen nicht so ohne Weiteres zu rechnen war: Maradona zieht nach Weißrussland.

Noch zu Zeiten der Sowjetunion wurde im Westen dieses Landes Dinamo Brest gegründet, 1960 war das. In jenem gesegneten Jahr kam auch Diego Armando Maradona zur Welt und zwar in Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, Argentinien. Klub und Mensch sind derzeit ungefähr 58 Jahre alt, der Argentinier feiert im Oktober seinen Geburtstag. Selbstverständlich wurde es Zeit, dass sich diese Wege irgendwann kreuzen, nun ist es so weit.

"ICH bin der Präsident des Klubs Dinamo Brest. Danke für das Vertrauen"

"Yes, Diego is with us!", meldete der Verein zur Wochenmitte auf seiner glücklicherweise mehrsprachigen Website. Maradona habe einen Vertrag für drei Jahre als Chairman unterschrieben. "SOY el presidente del club Dinamo Brest", bestätigt Maradona auf Instagram: "ICH bin der Präsident des Klubs Dinamo Brest. Danke für das Vertrauen." Beide Seiten zeigen dasselbe Foto, da sitzt der Meister in schwarzem Shirt und schwarzen Shorts auf einem weißen Sofa mit der Flagge Weißrusslands (rot-grün und rot-weißes Muster) und unterzeichnet ein Papier, an jedem Handgelenk eine glänzende Uhr. Den Stift führt er mit rechts, seine Linke ist die Hand Gottes, mit der er im WM-Viertelfinale 1986 den Ball ins englische Tor boxte.

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Maradona werde die strategische Entwicklung inklusive der Nachwuchsabteilung von Dinamo Brest überwachen, heißt es. Beginnen soll das Abenteuer beim aktuellen Achten der weißrussischen Premier League nach der WM in Russland, das wäre etwa Mitte Juli. Einzelheiten soll das Publikum bei einer Pressekonferenz irgendwann im Emirates Palace in Abu Dhabi erfahren, das ergibt alles großen Sinn.

In Abu Dhabi hatte Maradona zu seinem 56. Geburtstag sein Lokal eingeweiht, das Café Diego. Falls jemand hin will: Es liegt an der Nation Galleria Mall an der West Corniche, Stühle gibt es offenbar in den Farben von Argentinien (himmelblau-weiß) sowie seiner alten Lieben Boca Juniors (goldgelb-blau) und Argentinos Juniors (rot-blau), an der Wand hängt ein Gemälde der ewigen Nummer 10 wie in den Straßen von La Boca in seiner Heimat. Serviert werden Steak und Pizza. Maradona hat die vergangenen acht Jahre in den Vereinigten Arabischen Emiraten verbracht, kürzlich wurde er wieder frei.

Künftiger Chairman alias Präsident alias Manager alias Supertrainer

2010 war der ehemalige Goldjunge aus Südamerika im Rahmen einer Sinnkrise an den Golf emigriert, man erinnert sich. Der Ortswechsel geschah nach der WM in Südafrika, als Trainer hatte Maradona im Viertelfinale mit Argentinien 0:4 gegen Deutschland verloren. Er betreute den Erstligisten Al Wasl in Dubai und zuletzt den Zweitligisten Al Fujairah, das Engagement endete im April, weil der Aufstieg in die UAE Arabian Gulf League misslang.

Die Gagen sollen überall sehr ordentlich gewesen sein, besonders im Reich der Ölscheichs. Kühle Rechner gehen deshalb davon aus, dass Maradona auch in Weißrussland standesgemäß entlohnt wird. Die Auswahl des Staates zwischen Polen und Russland wird in der Fifa-Weltrangliste auf Rang 79 geführt, und Dinamo Brest scheiterte in der Europa League 2017/18 in der Qualifikation am SCR Altach. Doch Geld scheint da zu sein, das argentinische Sportblatt Olé zeigt den künftigen Chairman alias Präsidenten alias Manager alias Supertrainer mit zwei Besitzern von Dinamo Brest und einem Etui mit zwei Uhren.

Die Zeitung La Nación hat gehört, dies sei der beste Vertrag seines Lebens. Er werde dreimal so viel verdienen wie bei Al Fujairah, nach Schätzung der Gazette so um die 20 Millionen Dollar. "Bei 40 Grad minus", wie in der Überschrift ergänzt wird, in Dubai waren es 40 Grad plus. Ja, es kann kalt werden in Weißrussland, wo Alexander Lukaschenko herrscht. Aber sein neuer Arbeitgeber will sich kümmern um Maradona und seine Entourage, Dinamo Brest sucht per Anzeige bereits "einen spanischsprachigen Fahrer und eine spanischsprachige Putzfrau".

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