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Diego Maradona bei der WM:Er habe nur Nackenschmerzen verspürt

Dort hatte er ein Lächeln auf die Menschen auf den Tribünen gezaubert, als er vor der Partie eine Frau mit nigerianischem Trikot eingeladen hatte, mit ihm eine Cumbia zu tanzen. Später, beim Tor Messis, breitete er die Arme aus und dankte Gott, was nicht weiter selbstreferenziell gemeint war. Dann der erwähnte Kollaps: Er habe Nackenschmerzen verspürt und Medikamente bekommen, die ihn außer Kraft setzten, hieß es nachher. Nun kann die Kombination aus Alkohol und Medikamenten - lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker - schon mal eine ungeheuerliche Wirkung entfalten.

Andererseits lallte Diego seiner Rocío zu ("verbreite das überall!"), dass "kein Alkohol oder andere Geschichten" im Spiel gewesen seien: "Sei ganz beruhigt, meine Liebe." Gleichwohl habe man ihm nahegelegt, das Stadion zu verlassen. Vielleicht, weil sich jemand aus seiner Entourage daran erinnerte, dass er im Januar 2000 in der uruguayischen Stadt Punta del Este einen Herzinfarkt erlitten hatte und dem Tod näher war als dem Leben. Doch er wollte bleiben.

Fußball-WM Zu dramatisch für Maradonas Kreislauf
Fußball-WM

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Der 2:1-Sieg der Argentinier hinterlässt beim Fußball-Idol Spuren. Erst reckt Diego Maradona beide Mittelfinger Richtung Spielfeld - dann muss er sich von Sanitätern behandeln lassen.

Damals, in Punta del Este, hatte er ein Rückspiel bekommen. Was er nicht bekam: ein Leben, ohne ein Konsumprodukt zu sein, auch ein mediales. Er trug das Seinige dazu bei, er tut es immer noch und wird es wohl immer tun. Er wirkt und verkauft sich noch immer gut, als Populist, Demagoge, Genie, als Reminiszenz an eine glorreiche Zeit.

"Eines Tages wird Diego vom unvergleichlichen Balkon seiner Erinnerung auf sich selbst schauen und sich mit Gelassenheit der einfachen Leute erinnern, die ihn liebten, aber auch der Schleimer, die ihn benutzten, und der Verräter, die ihn einen Moment lang liebten und kurz darauf töteten", schrieb Jorge Valdano, Teamkollege Maradonas in der Weltmeistermannschaft von 1986, in einem Artikel, der voller Selbstvorwürfe war, weil alle dazu beigetragen hatten, Maradona zu dem zu machen, was er ist: ein kaputtes Spielzeug, wie Valdano suggerierte. "Wir hätten ihm die ganze Wahrheit sagen sollen", schrieb Valdano: "'Schau Diego, Du spielst wie ein Gott, doch Du bist nur ein Mensch'". Das war 1996. Doch wie man in St. Petersburg sah, krankt Maradona noch immer daran, D10s zu sein.

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