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Die Täuscher des Spieltags:Außerirdisch? Doch nicht die Bayern!

Bei den Münchnern fliegt der Schwindel der Saison auf. Marwin Hitz wird kurz zum Bad Boy. Und ein Mainzer foppt den HSV. Die Täuscher des Spieltags.

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FC Bayern

Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München

Quelle: dpa

Ja, is denn scho Weihnachten? Nein, es war erst der Tag des Nikolauses. Der kommt bei den Kindern auch immer als Heiliger daher, nicht von dieser Welt. Und wird irgendwann als verkleideter Hausmeister entlarvt. Das droht den Spielern des FC Bayern wohl nicht. Die Bekenntnisse nach der ersten Pleite im 15. Saisonspiel in Mönchengladbach ließen dennoch vom Glauben abfallen:

"Die Niederlage tut nicht gut, aber sie zeigt, dass unsere Mannschaft von diesem Planeten ist und menschlich agiert." Das war Sportchef Matthias Sammer. Gladbachs Kapitän Granit Xhaka wurde noch deutlicher: "Auch die Bayern haben nur zwei Beine und zwei Hände."

Die Bayern spielen mit Menschen? Das war zuvor so nicht bekannt gewesen. Flog hier die Täuschung der Saison auf?

(hum)

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André Schubert

Borussia Moenchengladbach v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Vor dem 3:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach hatte keiner was von diesen bayerischen Menschen gewusst, deshalb hatten sich alle Gegner zuvor vor den Außerirdischen in den eigenen Strafraum verkrochen. Trainer André Schubert aber stellte rotzfrech eine Dreier-Abwehrkette auf den Platz. Dazu drei 19-Jährige in der Startelf. Das hatte noch keiner gewagt. Mit diesem Manöver entzauberte er den Trainer-Heiligen Guardiola.

"Wir mussten eine Idee entwickeln", sollte Schubert später sagen. Mit dieser Idee gerieten die Gladbacher zu Beginn zwar arg in die Defensive. Doch dann: drei Tore in 14 Minuten. "Ganz Gladbach feiert, man hat heute schon fast Heiligabend", kommentierte Berti Vogts. Also doch.

(hum)

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Roman Bürki

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund

Quelle: dpa

Tja, da war Bast Dost total verwirrt. Da geht der Torwart schon freiwillig aus dem Weg und dann trifft der Wolfsburger Stürmer trotzdem nicht! "Ich muss zu einhundert Prozent das Eins-zu-Eins machen. Den muss ich einfach hart rein schießen, das kann ich", sollte Dost später sagen. Was er nicht wusste: Er war Opfer einer heimtückischen Finte geworden.

Roman Bürki, der Dortmunder Torwart, passte in der 60. Minute irrlichternd zu Dost, der so mit dem Ball alleine auf ihn zulief. Offenbar war dem Schweizer Bürki nun alles egal - er hüpfte einfach aus dem Tor heraus, spekulierte auf einen Querpass. Damit irritierte er Bas Dost so sehr, dass dieser zu spät und zu lasch ins leere Eck schoss. Bürki hüpfte zurück und hielt.

(hum)

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Marwin Hitz

1. FC Koeln v FC Augsburg - Bundesliga

Quelle: Mika Volkmann/Getty Images

Es gibt ja nette Männer, die wären gerne ihr Leben lang ein Bad Boy. So ein finsterer Typ, der im Film stets Geld, Frauen und Yachten abkriegt. Doch es will nie klappen. Nett bleibt nett.

Marwin Hitz, der ausgesprochen freundliche Torwart des FC Augsburg hat es nun vorgemacht. Als der 1. FC Köln einen (unberechtigten) Elfmeter erhalten hatte, ging er im allgemeinen Tumult zum Elfmeterpunkt und grub mit seinen Stollenschuhen so lange herum, bis die Stelle neben dem Punkt ein Erdloch war. In genau dies stieg Anthony Modeste beim Schuss hinein, rutschte aus und Hitz hielt.

So wurde Hitz zum Bad Boy des Spieltags. "Grobe Unsportlichkeit" hieß das Urteil der Kommentatoren. Doch der Schweizer verwandelte sich schnell zurück. "Ganz bestimmt würde ich das so nicht nochmal machen. Wenn man das so sieht, dann bin das nicht ich."

(hum)

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Dominik Kohr

Fußball: Europa League, FC Augsburg - Athletic Bilbao

Quelle: dpa

Durch den freiwilligen Abflug des Kölners Philipp Hosiner und das Erdloch-Graben von Hitz ging der freiwillige Abflug von Dominik Kohr fast unter. Der Augsburger sank aus nicht sichtbaren Gründen zu Boden, den fälschlich gepfiffenen Freistoß schoss Raúl Bobadilla wunderbar zum 1:0 in Köln ins Tor.

Kohr hatte wie zuvor Hosiner den Schiedsrichter arglistig getäuscht, war zur Schwalbe mutiert, zum Diver. Seine Erklärung: "In der Situation hatte ich gedacht, dass ein Kontakt kommt. Aber vielleicht war auch kein Kontakt da." Und schwor: "Ich bin ein fairer Sportsmann." Nun ja. (Archivbild)

(hum)

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Jairo Samperio

Hamburger SV v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Was natürlich auch geht: Den Gegner täuschen, indem man sich einfach auf den Boden legt und so tut, als sei man nicht da. So oder so ähnlich kam der Mainzer Jairo Samperio beim 3:1 in Hamburg zu einem seiner Tore, was HSV-Trainer Bruno Labbadia fast den Verstand kostete: "In unserer besten Drangphase macht Mainz ein Tor, das sie wahrscheinlich in einer Million Jahren nicht mehr machen werden", sagte der Coach. Wobei dazu angemerkt sei: In "stabiler Seitenlage" auf dem Rasen einen solchen Treffer zu erzielen - dazu gehört schon jede Menge spanisches Draufgängertum. "So ein Tor habe ich noch nie geschossen", stammelte der Mainzer hinterher halb auf Englisch, halb auf Spanisch. Aber ein solches Tor spricht ja seine eigene Sprache.

(jbe)

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1899 Hoffenheim

FC Ingolstadt v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Es ist viel geschrieben worden in dieser Saison über Mannschaften, die gegen den übermächtigen FC Bayern am liebsten ihren Mannschaftsbus vor das eigene Tor stellen würden, um Gegentreffer zu verhindern. 1899 Hoffenheim parkte beim Aufsteiger FC Ingolstadt nicht einmal seinen Bus im Strafraum - die Badener waren auf dem Rasen gar nicht zu sehen. Das ist in gewisser Weise ja die perfideste aller Täuschungen. Bis zur sechsten Minute der Nachspielzeit: von der TSG keine Spur. Dann tauchte plötzlich Mark Uth im gegnerischen Strafraum auf und schoss einfach ins Tor zum 1:1. Doch diese überraschende Taktik war sogar Hoffenheims Trainer Huub Stevens zu unheimlich. Der Niederländer fand: "Das war viel zu wenig. Bundesliga-Fußball sieht anders aus." Aber zumindest erfolgreich war die Täuschung seiner Spieler.

(schma)

© sz.de/schma/jobr
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