Die Show vor dem Start:Robbie, Putin und Zabiwaka

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Die Eröffnungsfeier für die WM fällt untypisch bescheiden aus, ein paar politische Symbole bringen die Gastgeber aber doch unter.

Von Johannes Aumüller, Moskau

Es war eine bemerkenswerte Veranstaltung - die bis zu diesem Donnerstag letzte Eröffnungsfeier eines großen Sportevents in Russland. Am Vorabend der Winterspiele von Sotschi 2014 war das, eine glitzernd-pompöse Show gab es, einen Schnelldurchlauf durch Geschichte und Kultur des Landes - und einen denkwürdigen Umgang mit einer Panne. Der Plan war es gewesen, dass sich fünf riesige Schneeflocken in olympische Ringe verwandeln, doch bei einer klappte das nicht. Das war nicht weiter schlimm, aber der russische Fernsehzuschauer bekam das gar nicht mit, weil die Regie die kurze Zeitverzögerung zwischen Live-Event und Ausstrahlung nutzte, um die Aufnahme aus der Generalprobe auszuspielen - mitsamt sich perfekt öffnender fünfter Schneeflocke. Und die Verantwortlichen taten so, als sei das völlig normal.

Bei der Eröffnungsfeier an diesem Donnerstagabend lief, soweit bisher überschaubar, technisch alles glatt. Beim Fußball sind abendfüllende Shows ohnehin nicht Usus, diesmal war die Sache sogar in einer knappen halben Stunde durch, zwischen dem Warmmachen der Mannschaften und dem Anpfiff des Eröffnungsspiels. Technische Pannen gab es also keine, dafür aber Wirbel um Popstar Robbie Williams. Er sang wie üblich ein paar Lieder, doch dann reckte er plötzlich seinen Mittelfinger in die Kamera, was bei russischen Zuschauern zunächst offenbar für Verwirrung sorgte. Galt die Geste dem Gastgeberland? Wohl kaum, Williams hatte sich ja auf diesen Abend gefreut, was ihm aber im Westen und unter Musikerkollegen die Kritik einbrachte, er habe sich an ein diktatorisches Regime verkauft. Seine Geste begleitete Williams mit den Worten "I did this for free" (Ich habe das hier kostenlos getan). Ansonsten blieb diese Eröffnungsfeier weitgehend ohne konkrete Botschaft. Eine Menge Leute hüpften irgendwie über den Rasen, um eine Art Partystimmung vorzuleben, und so kam die Frage auf, warum es das alles kurz vor einer WM überhaupt braucht. Aber unter den russischen und saudi-arabischen Fans scheint der Ärger über die Kommerzialisierung des Fußballs zumindest noch nicht so fortgeschritten zu sein, dass sie es geschafft hätten, ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert anzustimmen, wie vor einem Jahr bei Helene Fischer in der Pause des deutschen Pokalfinales.

Zwischen den Musik-Einlagen brachten eine frühere Schönheitskönigin sowie das Maskottchen Zabiwaka den offiziellen Spielball, irgendwann kam auch Ex-Fußballer Ronaldo auf die Szenerie, und dann war schon wieder Schluss. Die 211 Kinder, die Fahnen schwenkten (für jedes Mitgliedsland des Weltverbandes eine), waren natürlich nicht irgendwelche Kinder, wie die Fifa im offiziellen Ablaufplan festhielt. Sondern Kinder aus einem Programm namens "Fußball für Freundschaft", das in seinem offiziellen Namen noch den Namen eines großen, umstrittenen und die Fifa sponsernden russischen Konzerns trägt. Und als der künstlerische Teil der Eröffnungsfeier vorbei war und die Mannschaften schon auf dem Rasen standen, da betrat der Mann der Bühne, der dieses Turnier so gerne zu einem großen Propagandafest machen möchte: Wladimir Putin. Ein paar Minuten redete der russische Staatspräsident aus seiner Loge, pries sein Land als offen und gastfreundlich - und durfte sich vom Publikum ausgiebig bejubeln lassen. Richtig, das war genau jener Putin, der am Vortag mitteilen ließ, er wolle die Fußball-WM aus der Politik heraushalten.

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