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Die Rebellen des Spieltages:Genial, hyperpragmatisch, narkotisiert

Ein Stürmer pfeift auf konventionelle Elfmeter, Lewis Holtby blökt gegen Ingolstadt und Frankfurt und Schalke kämpfen gegen den Unterhaltungsbetrieb Fußball. Die Rebellen des Spieltages.

Von Martin Schneider

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Sandro Wagner

Werder Bremen - SV Darmstadt 98

Quelle: dpa

Sieht mit seinem Bart wenigstens ein bisschen aus wie Guy Fawkes. Der wollte einst das britische Parlament sprengen und sein Gesicht ist, als stilisierte Maske, das Symbol der Hacker-Bewegung Anonymus geworden. Soweit bekannt ist, gibt es noch keine Sandro-Wagner-Masken zu kaufen, aber der Elfmeter gegen Bremen war schon ziemlich rebellisch. Statt ihn wie vorgeschrieben im Abstiegskampf direkt und kraftvoll zu versenken, fabrizierte Wagner einen flachen Panenka. Er lupfte den Ball nicht mal, sondern schob ihn flach an Felix Wiedwald vorbei. Hätte er den Werder-Torwart nicht verladen, Wagner wäre der Depp des Spieltages geworden.

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Lewis Holtby

Hamburger SV v FC Ingolstadt - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Hatte seine rebellische Phase direkt nach dem Spiel: "Das Spiel besteht daraus, dass sie herumblöken und sich fallen lassen. Das ist eine ekelhafte Mannschaft", sagte der HSV-Mann in Richtung FC Ingolstadt. Teamkollege Josip Drmic meinte: "Das Spiel war der Horror für den Bundesliga-Fußball. Bei so einem Spiel zuzuschauen, tut nur den Augen weh." Am Schluss hatte die Partie acht gelbe Karten und 27 Fouls zu bieten. 17 davon übrigens vom HSV an Ingolstadt. Beim Spiel Bremen gegen Darmstadt zählten die Statistiker 46 Fouls, ein Indiz dafür, dass der HSV eher auf die mittlerweile bekannten Strategie des FCI reinfiel. Oder wie Lukas Hinterseer zu den Vorwürfen sagte: "Bundesliga ist halt kein Honigschlecken."

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Martin Schmidt

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Quelle: AFP

Trainert die unauffälligste Überraschungsmannschaft der Liga. In der Rückrunde hat Mainz einfach mal so bereits gegen Gladbach, Schalke und nun gegen Leverkusen gewonnen. Der FSV hat drei Punkte Rückstand auf einen direkten Champions-League-Qualifikations-Platz und trotzdem ist noch nicht die große Aufregung ausgebrochen. Und rebellisch? Nur hyperpragmatisch. "Unser Gegner hatte unter der Woche ein schwieriges Europa-League-Spiel. Da war es für mich nicht schwer, einen Plan zu machen", sagte Schmidt. Scheint ihm alles zu leicht zu sein. Und jetzt trifft auch Yunus Malli - ab und zu, an und wann.

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Christian Schulz

VfB Stuttgart - Hannover 96

Quelle: dpa

Eigentlich war nach acht Niederlagen in Folge, dabei eine Heimpleite gegen den FC Augsburg am vergangenen Wochenende alles entschieden: Hannover 96 ist abgestiegen, plant ohne Rebellion für die zweite Liga. Denn was ist schon bei einem Auswärtsspiel bei der besten Rückrunden-Mannschaft, dem VfB Stuttgart, zu holen? Allerdings stand seit langem wieder die fähige Achse der Niedersachsen vollständig auf dem Platz, bestehend aus Torwart Ron-Robert Zieler, Spielmacher Hiroshi Kiyotake und eben Kapitän Christian Schulz. Der erlegte die total überlegenen Stuttgarter (17:1-Ecken) mit zwei Tore nach Standardsituationen. Noch lehnt sich Hannover gegen den eigenen Untergang auf.

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Pep Guardiola

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Quelle: AP

Kämpft ja im Prinzip seit seinem Amtsantritt gegen die deutsche Sprache. Hat das Kunststück fertig gebracht, in drei Jahren nicht besser, sondern fast schon schlechter Deutsch zu sprechen als nach seinen Kursen in New York. Was besonders auffällt, wenn er - wie unter der Woche geschehen - den Turiner Journalisten in fließendem Italienisch antwortet. Sagte nun zur Bilanz des FC Bayern (Zur Erinnerung: 62 von 69 möglichen Punkten, acht Zähler Vorsprung auf Dortmund): "Unser Punktekonto ist okay." Nunja. Rebellierte außerdem gegen Mario Götze, den er seit drei Spielen auf der Bank lässt, obwohl er ihm vor dem Spiel noch Einsatzminuten ("vielleicht 15, vielleicht 90") in Aussicht gestellt hatte.

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Sebastian Rudy

Borussia Dortmund v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

War der Ansicht, dass seine spielentscheidende Aktion zu hart bestraft wurde. "Meiner Meinung nach war das keine Rote Karte", widersprach Rudy nach dem Spiel fast schon zu rebellisch. "Ich wollte den Ball spielen und in dem Moment spitzt Aubameyang den Ball weg und ich komme zu spät von hinten." (siehe Foto). Schiedsrichter Peter Sippel greift erst zur Brusttasche und Gelb, entscheidet sich dann aber doch um. "Klar war es ein taktisches Foul, aber ich wollte nicht den Mann erwischen, sondern zum Ball gehen", meinte Rudy. Das war aber mindestens geflunkert, denn der Ball war nicht mal in der Nähe (siehe Foto). Sein Trainer sah es übrigens anders als der Nationalspieler. "Kann man schon geben", bekannte Julian Nagelsmann.

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Alle Spieler des Spiels Frankfurt gegen Schalke

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Quelle: AP

Das Spiel Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04 war wie ein verregneter Sonntag, an dem man seine Steuererklärung machen muss. Mit leerem Kühlschrank. Bei Stromausfall. Alleine. Faszinierend, wie man es in der höchsten deutschen Spielklasse mit 22 leidlich begabten Kickern hinbekommt, den Ball 90 Minuten lang so unkontrolliert zwischen den Mannschaftsteilen hin und her flippern zu lassen. Beide Teams leisteten insofern erfolgreich dem Unterhaltungsbetrieb Widerstand. "Das war kein schönes Spiel für die Zuschauer", sagte Schalke-Trainer André Breitenreiter. Nein. War es nicht. Die Fans, die im Stadion auch noch Geld dafür bezahlt haben, pfiffen noch nicht einmal nach der Partie. Sie gingen einfach narkotisiert nach Hause.

© Sz.de/schm/lala
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