Name der Nationalelf Die DFB-Elf darf gerne "Die Mannschaft" heißen

Thomas Müller und Maskottchen Paule nähern sich den Fans.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Markenname kann nichts dafür, dass die echte Mannschaft bei der WM keine war. Der DFB sollte lieber daran arbeiten, dass die Nationalelf zurück zu den Fans findet.

Kommentar von Christof Kneer

Das erste Fußball-Länderspiel im Jahr 2019 wird im März in Wolfsburg stattfinden, der Gegner steht noch nicht fest. Es könnte sich theoretisch also ebenso um die Socceroos wie um die Blauen Samurai handeln, auch die Tre Kronor und die Bafana Bafana sind noch in der Verlosung. Der Trainer Löw würde sein Team zwar am liebsten dauernd gegen die Seleção, die Équipe Tricolore oder La Furia Roja spielen lassen, aber gut, die haben halt auch ihre Termine. Vielleicht können die an dem Datum zum Beispiel gar nicht, weil sie ihrerseits gegen die Superadler, die Wüstenfüchse oder die unzähmbaren Löwen spielen.

(Folgende Nationalteams kommen im ersten Absatz vor, in der Reihenfolge ihres Auftretens: das australische, das japanische, das schwedische, das südafrikanische, das brasilianische, das französische, das spanische, das nigerianische, das algerische sowie das aus Kamerun. Nicht vor kommen dagegen die Teams aus Dänemark, Russland oder Kolumbien, die Danish Dynamite, Sbornaja sowie Los Cafeteros heißen.)

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Die DFB-Elf übrigens heißt weiterhin "Die Mannschaft", wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Freitag erklärte. Man habe nach der WM "vieles hinterfragt, auch die Marke ,Die Mannschaft'", allerdings hätten "Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung" den DFB "darin bestärkt, weiter an diesem Namen festzuhalten". Die DFB-Elf wird im März also als "Mannschaft" in ein Stadion einlaufen, in dem ansonsten "Die Wölfe" spielen. Das ist übrigens ein Argument, das für "Die Mannschaft" als Markennamen spricht: Wenn sogar eine Mannschaft aus Wolfsburg unter einem Kosenamen Fußball spielt, dann ist nicht einzusehen, warum die Nationalelf nicht auch einen haben sollte.

Sehr zu Unrecht ist "Die Mannschaft" zuletzt für vieles verantwortlich gemacht worden, was bei der WM missraten ist. Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hat den Bundestrainer im Amt gelassen, dafür wollte er unbedingt diesen Namen entlassen. Der Begriff werde an der Basis als "sehr künstlich empfunden", man müsse ihn "auf den Prüfstand stellen" - ein klassischer Grindel, dessen populistische Reflexe möglicherweise auch mal jemand auf den Prüfstand stellen sollte.

Denn es ist ja so: Der Name "Die Mannschaft" kann nichts dafür, dass die echte Mannschaft keine war. Das Etikett trifft keine Schuld, wenn die Flasche leer ist. Und man kann diesem Etikett auch nicht anlasten, dass halt auch andere Etikette im Umlauf waren, die man eher von Herzen albern finden darf. "#Zsmmn" oder "best never rest": Das ist kalkuliert und unauthentisch - "Die Mannschaft" dagegen ist klar und einfach und passt gut zu den anderen Nationalteams und deren Kosenamen, die übersetzt oft ebenfalls nur "Mannschaft", "Auswahl" oder "Jungs, Jungs" (Bafana Bafana) heißen. Die ebenfalls häufigen Farb- und Tierbezüge scheiden beim DFB zudem eher aus, denn wer möchte einer Elf zusehen, die "Die Schwarz-Weißen" heißt? Und Tiere? Das DFB-Maskottchen ist ein Adler, der Paule heißt, aber wie ein beschwipster Pinguin aussieht. Und Three Lions, wie die Engländer? Deutschland hat nur einen Löw, was wahrscheinlich auch genügt.

Grindels DFB sollte seine Energie nicht für die Abschaffung des Etiketts verwenden, sondern dafür, die Flasche zu füllen. Länderspiele zu familienfreundlichen Eintrittspreisen und Uhrzeiten, Trainingseinheiten, in denen man Spieler aus Fleisch und Blut zu sehen bekommt: Ein bisschen davon hat der DFB nun in Angriff genommen, und eine Mannschaft, die für so etwas steht, darf gerne auch "Die Mannschaft" heißen. Und sollte Löw den Umbruch mit jungen Spielern tatsächlich fortsetzen, könnte man sogar über "Jogis Jungs-Jungs" nachdenken.

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