Die Elf des Bundesliga-Spieltags:Badehosenträger aus der Muppet Show

Mario Gomez aus München agiert gegen Hannover wie ein Brasilianer aus Salvador de Bahia, Klaas-Jan Huntelaar inspiriert seinen Manager zu kernigen Sprüchen - und Simon Rolfes beschert TV-Experten einen kleinen Wutausbruch von Rudi Völler.

Die Elf des Spieltags

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Simon Jentzsch

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(Foto: dapd)

Bayerns Mario Gomez agiert gegen Hannover wie ein Brasilianer aus Salvador de Bahia, Klaas-Jan Huntelaar inspiriert seinen Manager zu kernigen Aussagen und Simon Rolfes beschert den Experten eines Fernsehsenders einen kleinen Wutausbruch von Rudi Völler. Die Elf des Spieltags. Simon Jentzsch: 89 Minuten waren in Bremen zwischen Werder und dem FC Augsburg gespielt, da tummelte sich plötzlich ein gelb gekleideter Riese an ungewohnter Stelle: FCA-Torwart Simon Jentzsch hielt es nicht mehr in seinem Kasten, sein Team lag 0:1 zurück - wer würde da nicht alles versuchen für den Ausgleich? Also rammte der 1,96-Meter-Kerl seinen wuchtigen Körper ins Getümmel und verwirrte die Bremer offenbar so sehr, dass sie vergaßen, richtig Fußball zu spielen. Nach einem Abpraller gingen sie nicht energisch genug zum Ball, was ein Foul am stürmenden Jentzsch zur Folge hatte. Der anschließende Freistoß segelte in den Strafraum und plötzlich stand es 1:1, weil Paul Verhaegh im Gewühl getroffen hatte. Und Jentzsch? Der sorgte mit seinem funkelnden Torwarttrikot für einen Farbtupfer in der Augsburger Jubeltraube. Texte: Jonas Beckenkamp

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Shinji Kagawa

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Shinji Kagawa: Ob man sich einfach an Shinji Kagawas Pirouetten, Tempodribblings und leichtfüßige Ballbehandlung gewöhnen sollte? So wie an unpünktliche Züge in Deutschland oder an den Stau auf der A 9? Vielleicht, dann müsste man nicht mehr ständig staunen und ehrfürchtig seine Fußballkünste bewundern. Dann würden besondere Ereignisse wie die beiden Treffer des Japaners gegen Köln zur Normalität, zum täglich Brot - ach was: zur faden Routine. Aber wollen wir das? Nein. Wir wollen Kagawas außergewöhnlichem Können weiter huldigen, denn er ist derzeit wohl der einzige Bundesliga-Spieler, der dem Argentinier Lionel Messi zumindest ein wenig ähnelt.

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Adrian Ramos

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(Foto: REUTERS)

Adrian Ramos: Es war schon ein ganzes Weilchen her, dass Hertha-Angreifer Adrian Ramos sich richtig freuen durfte. Seit mehreren Monaten hatte der begabte Ecuadorianer nicht mehr getroffen - doch dann kam die Mainzer Defensive. Die öffnete Ramos an diesem Spieltag freundlicherweise alle Türen, so dass der Berliner ungestört zwei Tore erzielen konnte. Erst ließ ihn die Hintermannschaft des FSV in aller Ruhe im Strafraum gewähren und mit links abziehen, dann verdaddelte Jan Kirchhoff in einem Laufduell mit dem Hertha-Mann den Ball, was Ramos mit einem geschickten Heber und anschließendem Grätsch-Einsatz zu seinem zweiten Treffer nutzte. Zu schade für Ramos, dass es bis zum nächsten Spiel gegen Mainz ein wenig dauern wird. 

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Rodnei

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Rodnei: Wenn es eines Pars pro Toto der Kaiserslauterer Misere bedürfte, dann wäre dies nach diesem Spieltag Abwehrmann Rodnei. Lediglich acht Minuten waren gespielt, da vertendelte der Brasilianer gegen Freiburg vor dem eigenen Sechzehner den Ball auf groteske Weise - und musste zusehen, wie das 0:1 fiel. Wieder lag der FCK zurück, wieder geriet der erste Sieg nach gefühlten 90 Spielen in weite Ferne - und das alles zum großen Schock des neuen Trainers Krassimir Balakow. Wie die Pfälzer mit solchen Abwehrfehlern und ihrer Harmlosigkeit im Angriff den Abstieg noch verhindern wollen, weiß keiner. Schon gar nicht Rodnei.

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Krassimir Balakow

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(Foto: dpa)

Krassimir Balakow: Der Mann, der einst in Stuttgart das "Magische Dreieck" glänzen ließ, erlebte bei seinem Debüt als FCK-Trainer nur wenig Zauberhaftes. Krassimir Balakow wirkte nach dem 0:2 seiner Lauterer gegen Freiburg beinahe irritiert, als habe er sich seine Aufgabe nicht so schwierig vorgestellt. Was er gesehen hatte, kann ihm kaum gefallen haben: Seine Elf agierte fehlerhaft (Rodnei beim 0:1), unkonzentriert (Torhüter Tobias Sippel beim 0:2) und viel zu harmlos (Stürmer Julian Derstroff), was in der Summe eine weitere ziemlich trostlose Vorstellung des FCK ergab. Ob der Trainerwechsel in der Pfalz überhaupt etwas ändert? "Wen will man rauswerfen? Zehn Spieler? Wer steht dann auf dem Platz?" fragte sich deshalb schon Kapitän Christian Tiffert - Balakow zumindest käme nicht mehr in Frage. 

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Klaas-Jan Huntelaar

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(Foto: AFP)

Klaas-Jan Huntelaar: Klaas-Jan Huntelaar muss das Gehäuse derzeit so groß wie ein Gewächshaus in seiner Heimat Gelderland vorkommen. Was immer der Holländer macht, es mündet meist in Gelsenkirchener Jubel-Lärm - so auch bei seinen beiden Toren gegen Leverkusen. 40 Mal traf der Nationalspieler in den vergangenen 38 Partien - eine Quote, die für den Ruhrpottklub viel Gutes hat und dennoch auch eine dunkle Seite offenbart: Je erfolgreicher Huntelaar spielt, desto teurer wird seine Vertragsverlängerung für Schalke (sofern überhaupt noch möglich). Angeblich besitzt der Niederländer eine Ausstiegsklausel, die ihm ein Engagement in zahlungskräftigen Zonen des Fußballs bescheren könnte. Für Schalke wäre das ein herber Verlust - zumal auch Raúls Verbleib unsicher ist. Immerhin behält Manager Horst Heldt seinen Humor: "Wir haben auch einiges zu bieten. Nicht jeder will nach Anschi oder Unschi des Geldes wegen, und ich weiß auch nicht, ob man mit Shanghai in der nächsten Saison Champions League spielen kann."

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Didier Ya Konan

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(Foto: dpa)

Didier Ya Konan: So langsam muss sich Hannovers Trainer Mirko Slomka ernsthaft Gedanken machen über seine Stürmer: Sie sind schlichtweg zu gut. Egal ob Schlaudraff, Abdellaoue, Diouf oder Didier Ya Konan - einer trifft fast immer. In München war es der Ivorer, der auf höchst ansehnliche Weise per Fallrückzieher zum 1:2 vollstreckte. Nach einem Anfall kollektiver Schläfrigkeit in der Bayern-Abwehr reagierte Ya Konan am schnellsten und kickte die Kugel so artistisch ins Tor, wie es in München schon lange keinem mehr gelang.

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Mario Gomez

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(Foto: REUTERS)

Mario Gomez: Mario Gomez kam aufs Feld und schritt gleich zur Arbeit: Weil die Bayern in der kommenden Woche Wichtigeres als "nur" ein Heimspiel gegen Hannover zu bewerkstelligen haben, hatte Trainer Jupp Heynckes seinen fähigsten Vollstrecker zunächst geschont. Hannover ist schließlich nicht Marseille - und so musste Gomez ein wenig warten, ehe er doch noch das tat, was er immer tut: Er schoss ein Tor. Lässig ließ er 96-Akteur Christian Pander aussteigen und ohne lange Bedenkzeit schob er die Kugel mit links elegant ins Gehäuse. Gomez! Der Mann, dem sie mitunter ankreiden, er wirke hölzern, nicht wendig genug und zu ungelenkig. Ein Witz ist das, muss man antworten. Dieser Mario Gomez spielte gegen Hannover brasilianischer als ein Badehosenträger in Salvador de Bahia. 

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Simon Rolfes

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(Foto: dpa)

Simon Rolfes: Unter den Rambos der Bundesliga suchte man Leverkusens Simon Rolfes bisher vergebens - vielmehr trägt der freundliche Blondschopf derzeit selbst einen schmucken Gesichtsschutz, weil er gegen Wolfsburg am Kopf getroffen wurde. Doch wie der Nationalspieler im Spiel gegen Schalke gegen Julian Draxler seinen Ellbogen an die Schläfe seines Gegners schwang, sah eigentlich nach einer lupenreinen roten Karte aus. So interpretierte auch die Sky-Expertenrunde um Ex-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Szene, weshalb Bayer-Sportdirektor Rudi Völler später sichtlich gereizt reagierte: "Viel mehr als die Aktion haben mich die drei von der Muppet Show geärgert, da bei Sky." Wenigstens trank dort keiner Weizenbier.

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Dennis Aogo

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dennis Aogo: Geknickt schlich Dennis Aogo am Freitagabend in Wolfsburg vom Platz - und ebenso enttäuscht stand er am Samstagmorgen vor den Kameras auf dem Trainingsgelände des HSV. Was war passiert? Wieder einmal hatten die Hamburger verloren, diesmal mit 1:2, was sie dem Abstieg noch ein Stückchen näher rücken ließ. Die Gründe für die erneute Pleite waren vielfältig, und doch wirkte Aogo wie derjenige, der alles allein zu verantworten hatte. Der Außenverteidiger hatte kurz vor Ende freistehend den Ausgleich vergeben, als er den Ball in den Himmel anstatt ins Tor gejagt hatte. "Ich habe schlecht geschlafen und bin immer wieder aufgewacht, weil mir diese Szene durch den Kopf geschossen ist," sagte Aogo tags danach. Man wollte ihn nur noch in den Arm nehmen.

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Christian Streich

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Christian Streich: Welchen Anteil Christian Streich am plötzlichen Freiburger Aufschwung besitzt, lässt sich erahnen, wenn man dem neuen SC-Coach einmal näher zuschaut: Er drückt und herzt seine Spieler, lobt sie in den höchsten Tönen (auch wenn sie verlieren) und wärmt sich sogar gemeinsam mit ihnen in Jeanshosen auf. Der 46-jährige Bauchmensch aus Weil am Rhein ist die perfekt funktionierende Version eines "Spieler-Trainers": Einer, der so nah an seinem Team ist, dass er fast selbst noch gerne mitspielen würde. Das beweisen treffende Kommentare wie dieser: "Ein Sieg ist schön und der Gewinn der Punkte. Alles andere - psychologisch - kannst du in die Tonne kicken, wenn du nächste und übernächste Woche verlierst."

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