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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Kehls richtige Meisterschaft

Der Dortmunder Mittelfeldspieler darf sich zum ersten Mal als Anführer einer Dortmunder Meistermannschaft feiern lassen, Bayern-Verteidiger Holger Badstuber spricht von einer "Scheiß-Woche" und bemüht ein altes Bonmot von Oliver Kahn. Und Lauterns Vorstandschef Stefan Kuntz erlebt die schlimmsten Stunden seiner Karriere.

Die Elf des Spieltags.

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Simon Jentzsch

VfL Wolfsburg - FC Augsburg

Quelle: dpa

Der Dortmunder Mittelfeldspieler darf sich zum ersten Mal als Anführer einer Dortmunder Meistermannschaft feiern lassen, Bayern-Verteidiger Holger Badstuber spricht von einer "Scheiß-Woche" und bemüht ein altes Bonmot von Oliver Kahn. Und Lauterns Vorstandschef Stefan Kuntz erlebt die schlimmsten Stunden seiner Karriere. Die Elf des Spieltags.

Simon Jentzsch: Kenner der eingeschworenen Bundesliga-Gemeinde wissen: Man trifft sich eben doch immer zweimal. Dass der uralte Spruch nicht nur im normalen Leben, sondern auch im Fußball nach wie vor Gültigkeit hat, würde Augsburgs Torwart Simon Jentzsch wohl sofort unterschreiben. Bei seinem letzten Spiel für den VfL Wolfsburg am 1. Dezember 2007 hatte Felix Magath ihn zur Halbzeit ausgewechselt, später degradierte er ihn komplett und ließ Jentzsch im alten VfL-Stadion am Elsterweg alleine Runden laufen.

Bei seiner Rückkehr nach Wolfsburg rächte sich Jentzsch, mittlerweile in Diensten des FC Augsburg, auf seine ganz persönliche Art: Er hielt - mit einer Ausnahme - jeden Ball, der auf seinen Kasten kam. Und selbst Magath musste nach dem Spiel zugeben: "Aus der Entfernung denke ich, dass Simon Jentzsch gut gehalten hat." Der Gelobte beschränkte sich auf eine ganz kleine Spitze gegen seinen ehemaligen Trainer. Auf die Frage, ob ihm Magath die Hand gegeben habe, antwortete Jentzsch nach dem Spiel: "Bisher nicht. Ich warte, ob er noch zum Bus kommt." (mkoh)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Alexander Madlung

VfL Wolfsburg v FC Augsburg  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Alexander Madlung: Wie schon in der Causa Jentzsch hatte Wolfsburg-Coach Felix Magath auch zum ersten Treffer des FC Augsburg einen pragmatischen Kommentar auf Lager: "Eine Unaufmerksamkeit hat uns in Rückstand gebracht." Eine "Unaufmerksamkeit" also: 13 Minuten waren gespielt in Wolfsburg, als Verteidiger Alexander Madlung den Ball vom eigenen Torwart ohne jegliche Bedrängnis zugespielt bekam.

Madlung suchte nach einer Anspielstation, drehte sich einmal um die eigene Achse und entschied sich schließlich mangels Alternative für die Variante "hoch und weit". Dumm nur, dass er dabei genau auf den Augsburger Torsten Oehrl zielte, von dessen Bein der Ball per formschöner Bogenlampe über VfL-Torwart Benaglio ins eigene Tor plumpste. Immerhin macht die Historie Madlung ein wenig Mut: Wie Jentzsch war auch er schon einmal von Magath aussortiert worden. Wenn also alles glatt läuft, findet Madlung bald sein Glück in Augsburg. (mkoh)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Lewan Kobiaschwili

Bayer 04 Leverkusen - Hertha BSC

Quelle: dapd

Lewan Kobiaschwili: Auf der Zielgeraden fängt er scheinbar an, sich selbst zu sabotieren. Lewan Kobiaschwili war in der laufenden Saison auf dem besten Weg, Zé Roberto als Ausländer mit den meisten Bundesligaspielen abzulösen. 336 Mal war der Brasilianer in Deutschlands höchster Spielklasse aktiv, Kobiaschwili hätte - wenn alles nach Plan gelaufen wäre - gegen Leverkusen ebenfalls sein 336. Bundesligaspiel absolviert. Ja, wenn.

Der Georgier sah jedoch bereits im Spiel gegen den 1. FC Köln Gelb-Rot, was das Erreichen der Bestmarke nur etwas hinausgezögert hätte. Dass er sich nach einer Notbremse gegen Leverkusen jetzt seine allererste rote Karte in der Bundesliga abgeholt hat, ist diesbezüglich jedoch etwas problematischer. Wie lang Kobiaschwili gesperrt wird und ob die Hertha im Zweifelsfall nächste Saison überhaupt noch erstklassig spielt, ist zurzeit gleichsam unsicher. Ob Zé Roberto auf seinen Rekord viel Wert legt, ließ sich kurzfristig übrigens nicht recherchieren. (mkoh)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Stefan Kuntz

1. FC Kaiserslautern v 1. FC Nuernberg  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Stefan Kuntz: Dieser Mann hat in seiner langen Karriere im Fußballgeschäft schon so einiges erlebt: Stefan Kuntz trug jahrenlang einen schmucken Kickerschnauzer, er war Torschützenkönig der Bundesliga und schüttelte als Europameister der Queen in Wembley die Hand. Doch was derzeit in Kaiserslautern abgeht, übertrifft wohl alles. Als Vorstandschef des FCK muss Kuntz den Abstieg seines Herzensklubs durchmachen - das schmerzt: "Das ist emotional das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe," sagte der 49-Jährige nach der 0:2-Pleite gegen Nürnberg. 

Besonders hart traf Kuntz aber die Art und Weise der erneuten Niederlage: "Das war bitter, ganz furchtbar. Es geht ja schon nicht mehr um Ergebnisse, sondern um das, was die Fans und auch ich erwarten. Bei drei Spielern war was zu erkennen, sonst war da nichts. Sowas macht mich bekloppt." Nicht auszuschließen, dass der FCK-Boss bald graue Haare bekommt. (jbe)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Martin Harnik

VfB Stuttgart - SV Werder Bremen

Quelle: dpa

Martin Harnik: Quizfrage: Wer ist der treffsicherste Stürmer der Bundesliga-Rückrunde? Nein, es ist nicht der Schalker Klaas-Jan Huntelaar, der bis vor kurzem gefühlt in jedem Spiel jubeln durfte. Und es ist auch nicht Mario Gomez, jener kühle Torroboter aus München. Tatsächlich dreht es sich beim erfolgreichsten Schützen dieses Jahres um Martin Harnik. Elfmal traf der 24-jährige Stuttgarter allein in den vergangenen elf Partien - an diesem Spieltag gelangen ihm ausgerechnet gegen seine ehemaligen Kollegen aus Bremen zwei Tore. 

Als Belohnung dafür bekam er nach dem 4:1 des VfB ein Mikrofon in die Hand gedrückt. Harnik kletterte auf den Zaun der Fankurve und heizte einen ohnehin schon ohrenbetäubenden Jubel noch weiter an. Eine persönliche Genugtuung, nachdem es für ihn bei Werder nicht geklappt hatte? Eher nicht, wenn man Harnik glaubt: "Ich bin nicht schadenfroh", sagte er. "Ich bin jetzt drei Jahre älter. Als ich Bremen verließ, war ich noch nicht soweit." Nun, mit insgesamt 17 Saisontoren dürften sich solche Zweifel erledigt haben. (jbe)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Sebastian Kehl

FC Schalke 04 - Borussia Dortmund

Quelle: dpa

Sebastian Kehl: Mit 32 Jahren steht Sebastian Kehl vor seiner ersten richtigen Meisterschaft. Als er den Titel 2002 feierte, war er erst ein halbes Jahr in Dortmund. Und 2011? Hatte er gerade sechs Einsätze in der Bundesliga gehabt, da war noch Nuri Sahin im defensiven Mittelfeld der Regent. In dieser Saison übernahm dann Kehl, er leitete die jungen Mitspieler an, spielte eine sehr starke Runde. Mit dem Höhepunkt auf Schalke. Zuerst zeigt er seinen Mannschaftgeist, murrt keineswegs, als ihm Sven Bender vorgezogen wird. "Ich war schon überrascht, aber wir sind eine Mannschaft, da muss man das akzeptieren", meinte Kehl.

Dann kommt er rein und erzielt den Siegtreffer zum 2:1. Trainer Jürgen Klopp lobte anschließend den Fußballer und Menschen Sebastian Kehl überschwänglich. Doch fast noch wichtiger: Auch seinen fünfjährigen Sohn Luis hat er zufrieden gestellt: "Er hat mich unter Druck gesetzt, weil ich zu wenig Tore schieße. Hoffentlich hat er das Spiel gesehen." (hum)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Jürgen Klopp

Coach Juergen Klopp of Borussia Dortmund celebrates after their German first division Bundesliga soccer match against Schalke 04 in Gelsenkirchen

Quelle: REUTERS

Jürgen Klopp: Drei Spiele noch, acht Punkte Vorsprung. Kann da noch was schiefgehen? Herr Klopp, ist die Meisterschaft entschieden? Wenig überraschende Antwort: "Nein, nichts ist entschieden." Klar, Herr Klopp. Schließlich saß drei Meter neben ihm bei der Pressekonferenz Huub Stevens, der 2001 in der 95. Minute noch die Meisterschaft gegen den FC Bayern verlor. Aber mal im Ernst: Fußball-Deutschland gratuliert dem Trainer Jürgen Klopp schon jetzt zu seiner zweiten Deutschen Meisterschaft, auch wenn der die Glückwünsche partout öffentlich nicht annehmen will.

Seit zwei Jahren dominiert Klopp mit Borussia Dortmund die Bundesliga, immer Vollgas, immer am Limit, immer sprachgewandt. Nach dem 2:1 auf Schalke verwies er sogleich auf die Leistung seiner Mannschaft: "Ich kann mein Glück kaum fassen, dass ich als Trainer mit solch einer Mannschaft arbeiten darf." Schon am kommenden Samstag kann er bei einem Sieg gegen Mönchengladbach endlich feiern und alle sind gespannt, ob er wieder seine Riesen-Sonnenbrille vom vergangenen Jahr aus der Schublade zieht. (hum)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Jupp Heynckes

FC Bayern Muenchen v FSV Mainz 05  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Jupp Heynckes: Bayerns Trainer tat sich nach dem Sieg der Dortmunder im Revierderby gegen Schalke gleich zweimal als Gratulant hervor. Vor dem Heimspiel seiner Mannschaft gegen Mainz erklärte er den BVB vor den Kameras des TV-Senders Sky zunächst zum "verdienten Meister", die Dortmunder seien nun "fast durch". Das offizielle Glückwunschschreiben aus München folgte dann auch noch: die Mannschaftsaufstellung. Heynckes verzichtete auf Ribéry, Gomez und Lahm, auch Gustavo und Kroos durften sich für das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid schonen - Rotation hin oder her, die Meisterschaft hatten die Bayern offensichtlich abgeschrieben.

Mit zunehmender Spieldauer wurde dem Bayern-Trainer dann doch ein bisschen mulmig beim Gedanken an ein peinliches Remis gegen den Karnevalsverein. Er brachte Ribéry, Gomez kam ins Spiel - und schließlich durfte sich auch Toni Kroos noch versuchen. Aber das nützte alles nichts mehr - immerhin hatte Heynckes seine voreiligen Glückwünsche zu recht verteilt. (bero)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Holger Badstuber

Holger Badstuber,Adam Szalai

Quelle: AP

Holger Badstuber: Der Bayern-Verteidiger ist noch jemand, der seine Gedanken auch mit einem Mikrofon vor der Nase nicht ganz verheimlichen kann. Was also, Herr Badstuber, war das für eine Woche für den FC Bayern, fragten die Reporter den Nationalspieler nach der Nullnummer gegen Mainz. "Wenn man verliert und unentschieden spielt und kein Tor macht, dann ist es ne Scheiß-Woche. Aber was willst du machen, du musst weitermachen."

Diesem Klassiker aus Oliver Kahns Motivationswortschatz muss nichts hinzugefügt werden. Außer vielleicht: Weitermachen müssen der Innenverteidiger Badstuber und der FC Bayern München nun am Dienstag gegen Real Madrid - und daran können die Münchner ab sofort ihre Gedanken verschwenden. (hum)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Real Madrid

Real Madrid CF v Real Sporting de Gijon  - Liga BBVA

Quelle: Getty Images

Real Madrid: Gegen die Spanier könnte Holger Badstuber einiges zu tun bekommen. Ausnahmsweise erhält ein ganzer ausländischer Klub einen Platz in der Elf des Spieltags. Nicht nur, weil Real Madrid am Dienstag nach München zum Champions-League-Halbfinale kommt. Sondern weil die Mannschaft von Trainer José Mourinho in ihrer Heimat dabei ist, einen neuen Tor-Rekord in der Primera Division aufzustellen. Nach dem 3:1-Sieg gegen Sporting Gijon hat Real nun sagenhafte 107 Treffer erzielt, genau so viel wie das Real der Saison 1989/90. Allerdings hat die heutige Mannschaft noch sechs Partien vor sich.

Das Bedenkliche aus Münchner Sicht noch mal zusammengefasst: Real Madrid schießt in der Liga 3,24 Tore im Schnitt. Cristiano Ronaldo steht bei 41 Saisontoren, Gonzalo Higuain bei 20, Karim Benzema bei 17. Eine gute Nachricht? Das Real der Saison 1989/90 schied im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister aus. (bero)

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Die Elf des 31. Bundesliga-Spieltags:Stefan Kießling

Bayer 04 Leverkusen - Hertha BSC

Quelle: dpa

Stefan Kießling: Bekannt wurde der Fußballspieler Stefan Kießling mit seinem Torriecher, seiner etwas schlaksigen Art und seinem jugendlichen Wuschelkopf. Was man von ihm bisher weniger kannte, sind grazile Alleingänge über den halben Platz. Umso mehr überraschte es in der Partie zwischen Leverkusen und Hertha, als eben jener Kießling plötzlich zum Slalomläufer avancierte. Beim Stand von 1:0 für Bayer schnappte sich der frühere Nürnberger den Ball und dribbelte los. 

Die Berliner Abwehrspieler schienen Kießlings Vorstoß nicht besonders ernst zu nehmen, anders ließe sich ihre höfliche Beobachterrolle kaum erklären. Und so schoss der Stürmer den Ball einfach ins Tor - während sich alle wunderten. Kießling? Ein Tor der Marke Lionel Messi? Aber ja doch! Es sollte nicht sein einziger Treffer bleiben. Das 3:3 erzielte wieder Kießling - diesmal schmucklos per Kopf. So kennt man ihn. (jbe)

© Süddeutsche.de/hum/jbe

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