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DFL:Warten und prüfen

Von der Politik wird das Konzept der Deutschen Fußball-Liga für eine Rückkehr der Zuschauer grundsätzlich begrüßt. Die Signale aus den Ländern sind angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen allerdings nicht eindeutig.

Das Konzept der Deutschen Fußball-Liga zur Rückkehr von Zuschauern in die Stadien ist von der Bundesregierung mit vorsichtiger Zustimmung bedacht worden. Es komme "entscheidend darauf an", wie sich die Umsetzung der Beschlüsse der 36 Erst- und Zweitligisten mit den Behörden vor Ort gestalte, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Signale aus den Ländern sind angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen aber alles andere als eindeutig.

"Auf dem Papier lässt sich vieles darstellen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Ob dies dann auch in der Praxis so durchzuhalten sei, "das wird erst noch sehr genau zu prüfen sein, auch wenn ich mir es als Fußballfan wünschen würde", erklärte Weil. Die Gesundheitsminister der Länder wollen am Montag über das DFL-Konzept beraten.

Die DFL-Mitgliederversammlung hat am Dienstag mehrheitlich ein Alkohol- und Sitzplatzverbot für den Fall der Rückkehr des zahlenden Publikums auf die Tribünen bis zum 31. Oktober beschlossen; bis Jahresende dürfen keine Gästekarten verkauft werden, der Ticketverkauf muss zudem eine Nachverfolgung von Infektionsketten möglich machen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bat darum, aus den Maßnahmen keine Grundsatzdiskussion "über die Bedeutung von Stehplätzen oder Fans im Allgemeinen" abzuleiten: "Es geht immer noch darum, einem Infektionsgeschehen Rechnung zu tragen, das man nicht unterschätzen darf." Ein Sprecher des Innenministeriums bezeichnete die DFL-Vereinbarung am Mittwoch als "begrüßenswerten Schritt". Priorität hätten das Wirtschaftsleben und Bildungseinrichtungen, betonte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer, "erst daran anknüpfend gilt es natürlich, den Freizeitsektor zu betrachten".

Saisonauftakt in der Bundesliga ist am 18. September, eine Woche zuvor steht bereits die erste Runde im DFB-Pokal an. Dass schon dann wieder Zuschauer zugelassen sind, erscheint fraglich. Skepsis äußerte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der wegen der Polizeikostendebatte im Streit mit der DFL liegt: "Niemand kann im Augenblick absehen, wo wir im September stehen werden und mit welchen Herausforderungen wir umzugehen haben werden", sagte er im Weser-Kurier.

Seifert hatte am Dienstag betont, dass der Fußball keinesfalls Forderungen stelle, sondern nur für den Fall der Fälle vorbereitet sein will. Aus den Reihen der Vereine meldete sich nach der Versammlung vor allem der 1. FC Union Berlin mit Kritik. Der Klub, so Präsident Dirk Zingler, sei "mit dem Vorgehen grundsätzlich nicht einverstanden" gewesen und habe gegen die Anträge zu Gästefans, Stehplätzen und Alkoholausschank gestimmt.

© SZ vom 06.08.2020 / dpa

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