DFL:Showdown im Milliardenstreit

DFL: Liga-Chef Christian Seifert.

Liga-Chef Christian Seifert.

(Foto: Boris Roessler / dpa)

Die DFL entscheidet, wie sie künftig das Fernsehgeld unter den Klubs verteilt. Revolutionäre Änderungen dürfte es nicht geben, eher sanfte Anpassungen.

Monatelang hat es im deutschen Profifußball einen heftigen Streit gegeben, nun fällt die Entscheidung. Wer bekommt künftig welchen Anteil am Fernsehgeld? Das ist die Frage, um die es geht - und die für viele Klubs so wichtig ist, weil die finanzielle Lage vielerorts aufgrund der Corona-Folgen angespannt ist und das TV-Geld selbst in normalen Zeiten den größten Einnahmeposten ausmacht. Am Montag will das neunköpfige Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um Geschäftsführer Christian Seifert auf einer Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Liga erklären, auf welche Formel es sich verständigt hat.

Dabei zeichnet sich ab, dass es keine revolutionären Veränderungen am vielkritisierten Verteilungsschlüssel geben wird, durch den der Branchenführer FC Bayern in den vergangenen Jahren bis zu 3,8 Mal so viel an TV-Geldern erhielt wie das jeweilige Bundesliga-Schlusslicht. In den vergangenen Monaten warben 14 Erst- und Zweitligisten für eine deutlich gleichmäßigere Aufteilung der Gelder, damit die wirtschaftliche Diskrepanz zwischen den Klubs kleiner wird und wieder ein größerer Wettbewerb möglich ist. Auch Fan-Vereinigungen unterstützten dieses Ansinnen. Doch die Großklubs um den FC Bayern wehrten sich gegen eine solche Reform. Aber selbst Holstein Kiels Präsident Steffen Schneekloth, im DFL-Präsidium eigentlich ein Vertreter der kleineren Klubs, sprach sich jüngst gegen eine "revolutionäre Umverteilung" aus: "Dieser Gedanke scheint zur Unzeit zu kommen", schrieb er in einem Gastbeitrag für den Kicker.

Insgesamt werden die TV-Einnahmen in den nächsten Jahren zurückgehen. In der laufenden Saison schüttet die DFL gemäß ihrer aktuellen Planungen zirka 1,45 Milliarden Euro aus. In den Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 werden es aus der sogenannten nationalen Vermarktung im Durchschnitt 1,1 Milliarden Euro sein, allerdings nicht gleichmäßig über die vier Jahre verteilt, sondern gestaffelt ansteigend. 2021/22 sind es geschätzt zirka 1,05 Milliarden Euro. Dazu dürften zirka 200 Millionen Euro pro Saison aus der internationalen Vermarktung der Bundesliga kommen - doch aufgrund der Corona-Folgen sind die Zahlen im internationalen Bereich ungewiss. Bei der DFL laufen daher auch schon Diskussionen über den Einstieg von Investoren in die Tochtergesellschaft Bundesliga International GmbH.

Beim Verteilerschlüssel gibt es einen großen Unterschied im Umgang mit den nationalen und den internationalen Einnahmen. Im nationalen Bereich, wo die Verteilung auf vier verschiedenen Säulen beruht, ist die Spreizung noch halbwegs überschaubar. So soll der FC Bayern in dieser Saison nach Kicker-Informationen zirka 74,3 Millionen bekommen und Arminia Bielefeld 31,9 Millionen - also ungefähr 2,3 Mal so viel. Bei der Verteilung der internationalen Einnahmen hingegen ist die Diskrepanz immens: 31,1 Millionen zu 2,4 Millionen Euro, ein Faktor von fast 13. Und dieser Abstand ist sogar noch vergleichsweise gering, weil in dieser Saison die Corona-Folgen die Einnahmen des internationalen Bereichs schon erheblich reduzierten, von ursprünglich geplant 250 Millionen Euro auf derzeit kalkuliert zirka 180 Millionen Euro. Aus dem Kreis der kleineren Klubs kam der Vorschlag, die nationalen und die internationalen Einnahmen in einen großen Topf zu packen. Doch allem Anschein nach wird das nicht passieren, sondern wird es nur zu sanften Anpassungen kommen.

Große Gräben haben sich im deutschen Profifußball in den vergangenen Monaten offenbart. Das Ganze gipfelte in einem vom Münchner Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge initiierten G15-Treffen am Frankfurter Flughafen - mit 14 Bundesligisten und dem Hamburger SV. Die vier Erstligisten, die sich für eine gleichmäßigere Verteilung ausgesprochen hatten, waren dazu demonstrativ nicht geladen worden. Der große Konflikt, er dürfte nach der Entscheidung über den neuen TV-Geld-Schlüssel eine Fortsetzung finden.

© SZ vom 05.12.2020 / SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB