Zuschauer im Stadion:Der Trend geht zum Flickenteppich

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Coronavirus - Mönchengladbach

Lustige Aktion, aber der Fußball sehnt sich nach echten Fans: hier die Pappfiguren-Zuschauer von Borussia Mönchengladbach.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Auch nach der DFL-Tagung herrscht große Unsicherheit, wie viele Fans zum Bundesligastart ins Stadion können. Liga-Boss Seifert sieht die vielen standortbedingten Lösungen nicht als Wettbewerbsverzerrung.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Ein paar Entscheidungen haben die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga treffen können, als sie sich am Donnerstagmittag zu ihrer saisonvorbereitenden Mitgliederversammlung zusammenschalteten. So wird es vorerst dabei bleiben, dass die Klubs in einem Spiel fünf- statt dreimal wechseln können. Auch ist verankert, dass es bei Verstößen gegen das Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu Sanktionen kommen kann; aber nur, wenn die Verstöße den Spielbetrieb betreffen, und nicht, wenn es um das private Umfeld eines Spielers geht. Und auch das Lizenzierungsverfahren wurde angepasst, um die Klubs in dieser ungewöhnlichen Spielzeit zu entlasten.

"Man muss kein Philosoph und kein Prophet sein, um die Aussage zu treffen, dass dies die anspruchsvollste und schwierigste Spielzeit des professionellen Fußballs in Deutschland wird", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Donnerstag.

Bei einer entscheidenden Frage für diese besondere Spielzeit aber herrscht auch zwei Wochen vor dem Start noch eine große Ungewissheit: nämlich bei der Frage, wie es mit Zuschauern im Stadion aussieht. Seifert versuchte es bei der Pressekonferenz nach der Mitgliederversammlung noch einmal mit einem deutlichen Appell.

"Die Frage, ob Menschen in Bundesligastadien das falsche Zeichen sind, ist absolut berechtigt", sagte er - und ergänzte: "Vielleicht hat aber eine andere Perspektive auch ihre Berechtigung. Nämlich, dass es ein wichtiges Zeichen ist. Ein Zeichen, dass sich Tausende Menschen an Verhaltensregeln halten wollen und können." Die Angst vor möglichen Folgen dürfe nicht lähmen. Mit den vielen Unsicherheiten in dieser Corona-Zeit müsse man "offensiv und bedacht umgehen". Zudem versuchen die Profiklubs damit zu punkten, dass sie sich an vier verschiedenen wissenschaftlichen Studien zum Corona-Thema beteiligen wollen.

In Mainz, Kiel, Berlin und Leipzig sind wohl Fans im Stadion erlaubt

Es ist ein erstaunliches Ringen, das gerade stattfindet. Erst vor einer Woche lautete nach einem Treffen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ministerpräsidenten der Beschluss, dass die Staatskanzleichefs der Länder bis Ende Oktober ein Konzept für eine bundeseinheitliche Regel vorlegen sollen. Von manchen Politikern kommen auch weiter skeptische Töne. Erst am Morgen der DFL-Sitzung wiederholte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) via PNP noch einmal sein neuestes Mantra, dass Fußballspiele mit Fans "ein schlechtes Signal" seien.

Aber zugleich machen sich quer durch die Republik die Klubs daran, mit der Rückkehr von Zuschauern zu experimentieren, weil eine Erlaubnis im Zweifel eben Sache der Länder und der Gesundheitsbehörden vor Ort ist. Mönchengladbach und Schalke absolvierten schon Testkicks vor ein paar Hundert Zuschauern; andere planen dies.

Die Lage dürfte sich noch verschärfen

Mainz hat die Zusage, dass beim Pokalspiel am übernächsten Wochenende 1000 Besucher ins Stadion dürfen. Union Berlin will es testweise mit 5000 probieren. Und RB Leipzig hat die Genehmigung, dass zum Bundesliga-Start gegen Mainz 8500 Zuschauer erlaubt sind - wenngleich unter dem Vorbehalt, dass sich das Infektionsgeschehen nicht verschärft. Bei den meisten anderen Klubs, wie zum Beispiel beim Rekordmeister FC Bayern, sind zwar die jeweiligen Hygienekonzepte ausgearbeitet, haben die lokalen Behörden aber noch keinen positiven Bescheid gegeben. Diese Unterschiede liegen nicht zuletzt am regional unterschiedlichen Infektionsgeschehen.

Ein ziemlicher Flickenteppich ist also entstanden, und das dürfte sich vor den ersten Pflichtspiel-Wochenenden der Saison - zunächst DFB-Pokal (11. bis 14. September), eine Woche später Bundesliga (18. bis 20. September) - noch verschärfen. Einige Klub-Vertreter warnten deswegen in den vergangenen Wochen schon vor einer Wettbewerbsverzerrung, weil es einen Unterschied mache, wenn der eine Verein seine Heimspiele vor fast fünfstelliger Kulisse austragen darf und der andere weiter in der Geister-Atmosphäre spielen muss.

DFL-Geschäftsführer Seifert sagte am Donnerstag, dass dies in der Mitgliederversammlung kein Thema gewesen sei. Er betonte, dass die DFL für bundeseinheitliche Lösungen sei, verwahrte sich aber gegen eine Klassifizierung des nun avisierten Zustands als Wettbewerbsverzerrung. Das sei "viel zu hoch geschossen" und treffe "nicht den Kern, weil der Wettbewerb immer noch unter so außergewöhnlichen Voraussetzungen stattfindet". Anders würde es vielleicht aussehen, wenn irgendwann im Laufe der Saison dauerhaft ein Klub 50 000 Zuschauer haben könne und ein anderer gar keine.

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