DFB-Torschütze Marco Reus:Schlenzer mit dem Innenrist?

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Löw beteuerte stets, das sei kein Problem, dieser Reus werde selbstverständlich wieder kommen. Doch wer des Bundestrainers Vorliebe für erprobte Kräfte kennt, der weiß, warum Reus in Danzig bei seinem siebten Länderspiel seinen ersten Pflichtspieleinsatz von Beginn an hatte. Gerade gegen die Gruppen-Kaliber Portugal und Niederlande schreckte Löw vor Experimenten zurück und brachte die gewohnten Müller und Lukas Podolski. Nicht so dieses Mal.

"Dieser Plan ist schon länger im Kopf rumgegeistert. Mit drei Siegen in drei Spielen waren wir keineswegs unzufrieden, aber heute war der Tag der Veränderungen - wir mussten heute unberechenbar sein in der Offensivem," erklärte der Bundestrainer später seine Rochade.

Löw hatte während der gesamten EM-Mission betont, dass für ihn das Motto Alf Ramseys nicht gelte. Englands Weltmeister-Trainer von 1966 hatte den Spruch eingeführt: "Never change a winning team" - verändere nie eine Siegerelf. Vor jeder Partie lobte Löw die Ersatzspieler, namentlich Reus, André Schürrle, Miroslav Klose oder Per Mertesacker. Sie würden noch gebraucht werden in diesem Turnier, ganz sicher.

Doch bis zum Viertelfinale waren das nicht mehr als leere Worte für die Ersatzspieler. Sie trainierten fleißig, sie tollten in den Halbzeitpausen auf dem Feld herum und führten Kunststückchen mit dem Ball auf, die sie in den Sportinternaten gelernt hatten. Doch würde es wirklich noch ernst für sie werden? Es wurde ernst.

Die letzten 60 Minuten im Spiel gegen Dänemark hatten dem Bundestrainer-Team merklich missfallen, zu statisch und langsam war das Offensivspiel. Mit Reus und Schürrle brachte Löw nun zwei Hochgeschwindigkeitsfußballer, die das starre Korsett der Griechen durcheinanderbringen sollten. Dabei trieb ihn vielleicht auch ein wenig an, dem Rest der Welt zu zeigen, welche Perlen dieser deutsche Kader noch zu bieten hat.

"Wir brauchten heute andere Spielertypen, die zwischen den Linien agieren können, Reus hat sehr gut gespielt, Schürrle auch - und Klose hat sein Tor gemacht. Heute war der Schlüssel zum Sieg, dass wir vorne viel tun," sagte Löw voll des Lobes.

Reus und Schürrle zeigten, wie schnell und technisch versiert deutsche Ersatzspieler heutzutage sind. Allein die Verwertung ihrer teils wunderbar herausgespielten Chancen blieb lange mangelhaft und machte die Deutschen im Stadion nervös.

In der 74. Minute war dieser Makel getilgt: Reus knallte einen Abpraller des griechischen Torwarts Sifakis spektakulär zum 4:1 unter die Latte. Es hätte auch ein Schlenzer mit dem Innenrist gereicht, denn das Tor war leer. Doch wer in der Hierarchie auf dem Platz so schnell so weit nach oben rutscht, darf auch mal knallen.

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