Nationalmannschaft:Thomas Müller meint es ernst

Euro 2020 - Germany Training

Die Rückkehrer im DFB-Team: Thomas Müller (rechts) neben Mats Hummels.

(Foto: Angelika Warmuth/Reuters)

Mehr als eine halbe Stunde on air, aber einfach kein Witz: Thomas Müllers erster Auftritt nach dem Comeback ist der eines reflektierten Führungsspielers. Ob er wirklich nur für ein Sechs-Wochen-Projekt zurückkehrt?

Von Christof Kneer

Vielleicht stand es falsch in der Programmvorschau, vielleicht haben sie beim Sender auch kurzfristig umgeplant. Auf "Radio Müller" wurde am Sonntag um 12.30 Uhr kein Comedyformat gesendet, obwohl der Senderchef, der bekennend lustige Thomas Müller, selbst am Mikrofon saß. Mehr als eine halbe Stunde war er on air, aber es kam einfach kein Witz. Stattdessen Sätze wie: "Ich will der Katalysator sein, der den Turbo der Mannschaft zünden kann."

Thomas Müller meint es ernst. Er ist nicht zur Nationalmannschaft zurückgekehrt, um noch mehr öffentliche Auftritte zu haben oder weil es ihm im Sommer sonst langweilig wäre. Müller, 31, war Weltmeister und WM-Torschützenkönig, aber mit Europameisterschaften ist er bisher noch nicht warm geworden. Er hat da noch eine Rechnung offen, und wenn die Europameisterschaft gut zugehört hat am Sonntagmittag, dann dürfte sie es mit der Angst zu tun bekommen: Der Müller, der will es wirklich wissen.

Eine "Gewinnermentalität" hatte Bundestrainer Löw tags zuvor eingefordert, er hätte auch "eine Müllermentalität" sagen können. Müller hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er sein DFB-Comeback als eine Fortsetzung des FC Bayern mit anderen Mitteln begreift. Er wolle "das einbringen, was mich in den letzten eineinhalb Jahren stark gemacht hat", sagte Müller - und meinte jene komplexe Rolle, die der Vereinstrainer Hansi Flick für ihn erfunden hat.

"Sprechen wir doch einfach mal über die nächsten sechs Wochen"

In dieser Rolle geht es nicht nur darum, in 32 Saisonspielen elf Tore und 21 Torvorlagen beizutragen, es geht darum, eine Art Erziehungsberechtigter für die jüngeren Kollegen zu sein. Er wolle "vorangehen", sagte Müller, aber es gehe nicht "ums Brüllen und um die Lautstärke", sondern darum, auf dem Feld "schnell Informationen auszutauschen". Müller soll die Kollegen anstacheln und gleichzeitig coachen, er will Vergnügungswart, Motivator und Spielertrainer sein, am besten alles gleichzeitig.

Ob er nach dem Turnier nicht Nationalspieler bleiben wolle, zumal sein ehemaliger Vereinstrainer Flick ja der neue Bundestrainer werde? Müller hat das demonstrativ offengelassen, die Zukunft sei "nullkommanull" in seinen Gedanken, sagte er. "Sprechen wir doch einfach mal über die nächsten sechs Wochen." So redet einer, der der Mannschaft auch deshalb so viel zutraut, weil er selbst ja wieder dabei ist. In sechs Wochen ist das EM-Finale.

© SZ/schma/ebc
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