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DFB-Team vor der Fußball-WM:Wovor Löw jetzt Angst hat

Deutschland - Aserbaidschan

Stolz, aber auch etwas in Sorge: Bundestrainer Joachim Löw in Kaiserslautern.

(Foto: dpa)

Es war nun am Ende des Abends nach diesem 5:1 gegen Aserbaidschan einfach nicht mehr zu leugnen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gerade die beste WM-Qualifikation in der Geschichte der WM-Qualifikationen gespielt hat. Zehn Spiele, zehn Siege - das haben die Spanier zwar auch mal geschafft (Quali zur WM 2010) aber die Deutschen haben nun das bessere Torverhältnis (43:4 schlägt 28:5) und sind damit so etwas wie WM-Qualifikations-Weltrekordler. Als sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel in Kaiserslautern zu diesem perfekten Ergebnis äußern sollte, meinte er: "Klar, es war gut." Und danach meinte er: "Wenn die Qualifikation zu Ende ist, fängt die Arbeit erst an."

Es gibt zwei Lesarten dieser Zehn-von-zehn-Quali und Joachim Löw hat sich für beide mit klarem Schwerpunkt entschieden. Die erste Lesart ist: Die deutsche Nationalmannschaft stolpert nicht mehr. Sie ist in der Lage, fußballerisch limitierte Gegner, die sich hinten reinstellen, locker zu beherrschen, ihre Abwehrreihen zu knacken und drei, vier Tore gegen solche Fußballverhinderer zu schießen. Das ist gar nicht so selbstverständlich, es gibt genug Spitzenmannschaften, die das nicht in dieser Konstanz können. Man möge nachfragen bei Argentinien (0:0 gegen Peru) oder auch Frankreich (vor ein paar Wochen 0:0 gegen Luxemburg).

Löw ist nett zu den limitierten Gegnern

Die zweite Lesart ist: Man hat in dieser Qualifikation eben hauptsächlich gegen fußballerisch limitierte Gegner gespielt. Es liegt durchaus der Verdacht nahe, dass eine Gruppe, in der Nordirland ohne Probleme Zweiter wird, nicht wirklich das höchste Niveau hat. Der Bundestrainer sieht das genauso. Er ist natürlich zu nett, um "limitierte Gegner" zu sagen, er sagt stattdessen, die Gegner seien "nicht der Maßstab". Denn obwohl es gerade im modernen Fußball eine nicht zu unterschätzende Qualität ist, kleine Teams souverän zu schlagen, hat noch nie jemand damit einen Pokal gewonnen. Den gewinnt man, indem man große Teams schlägt.

Aber weil sich die Nationalmannschaft die Gegner ja nicht aussuchen kann, kann man ihr halt nicht vorwerfen, sich gegen Aserbaidschan und Norwegen und nicht wie die Spanier gegen Italien für die WM qualifiziert zu haben. Löw versucht nur, gegen die Interpretation anzureden, wenn man alle Spiele gewinnt, sei alles gut.

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Wobei - ist nicht eigentlich gerade alles gut? Als diese WM-Qualifikation 2016 begann, hatten Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gerade ihren Abschied aus der Nationalmannschaft erklärt. Es gab in den ersten Spielen keinen echten Stürmer (Mario Götze gab die falsche Neun) und auf der Bank saßen noch die inzwischen nicht mehr eingeladenen Max Meyer und Kevin Volland. Es zog eine Saison und ein Confed Cup ins Land, das Test-Turnier in Russland bestritt Löw bekanntlich mit einer B-Mannschaft, die aber erstens den Pokal gewann und zweitens zahlreiche Alternativen für die A-Mannschaft brachte.

Stand jetzt hat sich die deutsche Nationalmannschaft seit dem EM-Halbfinal-Aus 2016 nochmals weiterentwickelt. Sie besteht aus einer gesunden Mischung aus etablierten Weltklasse-Spielern wie Toni Kroos, Manuel Neuer, Mesut Özil, Thomas Müller, Mats Hummels oder Jérôme Boateng. Sie hat junge Kraftpakete wie Joshua Kimmich oder Timo Werner. Und sie hat Spieler, die von der Bank maximalen Druck erzeugen wie Leon Goretzka oder Leroy Sané, falls die Weltklasse-Spieler sich eine schwache Saison leisten. Um eine Schwachstelle zu benennen, muss Löw schon anmerken, dass die Außenverteidigerpositionen ja nicht doppelt besetzt seien. Und dass andere Nationen auch starke Mannschaft haben ("Frankreich hat Dembélé und Mbappé"). Aber nach kurzem Studium der WM-Ergebnisse wird man feststellen, dass bei jedem Turnier mehrere Nationen gute Teams hatten.