DFB-Team gegen Portugal Löws erste Vierzehn

Hat seine Startelf genau im Kopf: Bundestrainer Joachim Löw

(Foto: REUTERS)

Wer darf gegen Portugal beginnen? Bundestrainer Löw verrät seine Startelf nicht, als er erstmals in Brasilien vor die Presse tritt. Doch er deutet an, dass Lahm im Mittelfeld spielt. Fragezeichen gibt es hinter Schweinsteiger und Klose.

Von Christof Kneer, Santo André

Und jetzt die Aufstellung: Neuer im Tor, eine Abwehrkette mit Boateng, Mertesacker, Hummels und Höwedes, davor ein zentrales Mittelfeld mit Lahm, Khedira und Kroos und davor eine flexible Dreieroffensive, bestehend aus Özil, Müller und Podolski. Mit dieser Formation wird die DFB-Elf am Montag ihr Auftaktspiel gegen Portugal bestreiten, das hat Bundestrainer Löw am Donnerstag. . . nun ja, gesagt hat er es nicht, jedenfalls nicht direkt. Aber er hat es gemeint.

Joachim Löw war bedenklich gut gelaunt, als er erstmals in Brasilien vor die Presse trat. Es war seine Art, sich gegen das Geraune zu positionieren, das er natürlich auch in Südamerika mitbekommen hatte; über Endzeitstimmung war da und dort geflüstert worden, Löw sei nicht gut drauf, habe keine Lust, sich zu erklären. Also ging Löw her und erklärte sein WM-Projekt.

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Podolski oder Schürrle in der Startelf?

Unter anderem hat er tief wie selten in sein Personaltableau blicken lassen; manches hat er direkt verraten ("Ich bin ziemlich sicher, dass Philipp Lahm im Mittelfeld die Lösung sein wird"), manches indirekt, etwa durch eine neuerliche Özil-Hymne, die Özil als Starterlaubnis fürs Auftaktspiel werten darf. Aus Löws Aussagen lässt sich oben genannte Startelf rekonstruieren, mit zwei, drei Fragezeichen; offen ist, ob Podolski beginnt und vom Joker Schürrle abgelöst wird oder umgekehrt; und natürlich sind Schweinsteiger und Klose Spieler, denen Löw normalerweise vertraut.

Allerdings - das war Löws Kernaussage - wird keiner der 14 Genannten traurig sein müssen, falls es gegen "den Weltmeister im Konterspiel" (Portugal) nicht für die Startelf reicht. "Ich habe keine Stammspieler, ich habe WM-Teilnehmer", hat Löw gesagt und drei bis vier Ausrufezeichen mitgesprochen. "Die Einsicht, dass wir eine erste Vierzehn haben, ist fundamental." Eine erste Vierzehn. Keine erste Elf.

Zweierlei hat Löw im Sinn mit diesem mathematischen Kunstgriff. Er will alle Spieler "jederzeit in Alarmbereitschaft" halten, er braucht bei einem Turnier motivierte Reservisten; und er ist davon überzeugt, dass die Einwechselspieler bei diesen klimatischen Bedingungen den Unterschied ausmachen können. "Es ist keine Strafe, wenn man nicht von der ersten Minute auf dem Platz steht", sagte er, es sei "vielleicht sogar ein Vorteil reinzukommen, wenn der Gegner müde ist". Drei bis vier Ausrufezeichen.