Horst Hrubesch ist alarmiert. Die ungemütliche Reise nach Island hat den Bundestrainer der DFB-Frauen vor der Abreise nach Hannover wachgerüttelt. „Vielleicht war es der richtige Warnschuss zur richtigen Zeit. Wenn wir nicht 100 Prozent auf die Platte bringen, wird es für uns gegen jeden Gegner schwer“, sagte der 73-Jährige. Der eiskalte isländische Wind hatte ihm deutlich weniger zu schaffen gemacht als die Leistung der deutschen Fußballerinnen: „Das, was wir gespielt haben, war einfach schlecht“, sagte Hrubesch nach dem 0:3, der höchsten Niederlage seit sechs Jahren.
13 Tage vor dem Olympia-Auftakt gegen Australien (25. Juli) war das ein Denkzettel für das Team: „Wir sind ganz klar in der Verpflichtung, das beim nächsten Spiel komplett zu verändern – und in Richtung Olympia natürlich auch“, so der Bundestrainer. Schon am Dienstag gibt es die Chance zur Wiedergutmachung, in Hannover sitzen 35 000 bis 40 000 Zuschauer auf den Tribünen, wenn die DFB-Frauen auf Österreich treffen: „Wir werden da ein anderes Gesicht zeigen.“
In Hannover verabschiedet sich Hrubesch, 73, vom deutschen Publikum
Die Ergebnisse der Olympia-Vorbereitung sind durch die bereits gesicherte Qualifikation für die EM in der Schweiz nicht relevant. „Wir haben nichts verloren“, betonte Verteidigerin Sarai Linder vom VfL Wolfsburg. In Hannover will sich das Team Rückhalt für die Sommerspiele holen. Die Atmosphäre könnte auch für Hrubesch besonders werden: Es ist sein letztes Spiel vor deutschem Publikum, denn der 73-Jährige übergibt nach Olympia sein Traineramt an Christian Wück, 51.
Nach dem Turnier in Frankreich kehrt Hrubesch zum Hamburger SV zurück, dort nimmt er seine derzeit ruhende Tätigkeit als Leiter der Nachwuchsabteilung wieder auf. Sein Vertrag bei den Hanseaten läuft noch bis 2025. Danach, so klang durch, dürfte Schluss sein. Er müsse anerkennen, nicht mehr 25, 30 oder 50 zu sein, sagte er.
Mit den DFB-Frauen will er zum Abschluss eine Olympiamedaille. Dafür gilt es zunächst die schwere Gruppe B mit dem WM-Vierten Australien (25. Juli), Rekordsieger USA (28. Juli) und Sambia (31. Juli) zu überstehen; gespielt wird in Marseille und Saint-Étienne. Das misslungene Spiel in Island soll nun eine Wende einleiten – der Alarm war nicht zu überhören.

