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DFB-Team bezieht EM-Quartier:Wir sind Herberger

Fußball ist ein Spiel - bei der Frage, wo die besten Fußballer der Nation vor wichtigen Spielen schlafen, hört der Spaß jedoch auf. Wenn die deutsche Nationalmannschaft heute ihr EM-Quartier in Danzig bezieht, ist alles längst akribisch geplant. Denn seit Jahren gilt: Wie sie sich betten, so kicken sie auch. Ein bisschen.

Im Danziger Stadtteil Oliwa wurde am Wochenende noch heftig gewerkelt. Im Nieselregen spannten Arbeiter Tarnnetze als Sichtschutz rund um den "Dwór Oliwski", den Olivenhof. Am Eingang des Fünf-Sterne-Hotels wurde eine rechteckige Säule errichtet, die sich von innen beleuchten lässt und die neben den Porträts der 23 deutschen EM-Spieler einige programmatische Botschaften trägt: "Wir sind Teamgeist - Wir sind Begeisterung - Wir sind Spielfreude - Wir sind Siegeswille: Wir sind bereit."

An diesem Montag wird die deutsche EM-Auswahl ihre Herberge beziehen. Sicherheitshalber geblockt aber ist die bereits seit Samstag. Seitdem sind auch schon alle Zufahrten gesperrt.

Fußball ist ein Spiel. Aber an einem Punkt hört der Spaß auf, zumindest hierzulande: Bei der Frage, wo die besten Fußballer der Nation vor wichtigen Spielen schlafen. Wenn die Repräsentanten der Reiseweltmeister losziehen, dann tun sie das mit einem fast heiligen Ernst. Die Quartiersuche wird akribisch betrieben. Abgeschieden soll es bitteschön sein, aber nicht abgelegen. Heimelig, aber nicht spießig. Schön zum Raus- und schlecht zum Reinschauen.

Als gelungen gelten die Ausflüge 1954 unter Bundestrainer Sepp Herberger ins Hotel Belvédère am Thunersee, wo der Geist von Spiez reifte, und 1974 unter Helmut Schön in die Sportschule Malente, wo sich ein ähnliches Gemeinschaftsgefühl einstellte, das die Elf bis zum WM-Titel trug.

Als weniger rühmlich ist der Ausflug 1982 an den Schluchsee bei St. Blasien in Erinnerung. Wegen einigem, was die Spieler von Jupp Derwall damals als Vorbereitung auf die WM in Spanien unternahmen, ist die Talsperre im Schwarzwald heute auch als "Schlucksee" bekannt.

Unter Jürgen Klinsmann bekam die Herbergssuche noch eine politische Dimension: Wir müssen nach Berlin! In die Hauptstadt! Zu den Menschen! Das beschied ausgerechnet der Schwabe, den es selbst immer so gerne in die Ferne gezogen hatte bei der Heim-WM 2006. Ein Schlosshotel wurde bezogen und mit Lounge-Möbeln dekoriert. Mitten- drin und doch ruhig, ehrwürdig und gleichzeitig modern - das Heim trug seinen Teil dazu bei, dass die Gruppe mit dem Adler auf der Brust plötzlich wieder ein frischeres Image umgab.

Spätestens seitdem gilt: Wie sie sich betten, so kicken sie auch ein bisschen. Und damit das auch so bleibt, wird früh gebucht. Sehr früh sogar. Den Olivenhof hätten auch die Spanier und die Franzosen gerne gebucht. Als sie anfragten, lagen aber schon schwarz-rot-goldene Handtücher am Pool.

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