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DFB-Streit zwischen Zwanziger und Koch:Einvernehmliche Demontage

Der bizarre Machtkampf im Deutschen Fußball-Bund findet einen überraschenden Abschluss: Vize Rainer Koch entschuldigt sich bei Präsident Theo Zwanziger für ein Treffen mit dem umstrittenen Amerell - und übernimmt künftig ein anderes Ressort.

Der ehemalige evangelische Bischof Wolfgang Huber eröffnet seine Homepage mit einem Zitat des Kirchenreformators Johannes Calvin: "Freiheit gibt es nur bei einem guten und aufrechten Gewissen." Das ist eine recht hohe Messlatte, gemessen an dem doch recht verschlagenen Machtkampf, auf den sich der Kirchenmann Huber da eingelassen hat.

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Einigung im Streit mit Vizepräsident Rainer Koch: DFB-Präsident Theo Zwanziger.

(Foto: dapd)

Am Montag saß er mit zwei Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes am Tisch, mit Theo Zwanziger, dem Präsidenten, und Rainer Koch, seinem Vize. Die Lage ist gerade ziemlich ungemütlich im DFB: Gegen rund 70 aktuelle und ehemalige Schiedsrichter wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, es sind Schwarzgeldkonten in Liechtenstein und der Schweiz aufgetaucht. Seine Regelhüter, dieses Bild gibt der DFB gerade in der Öffentlichkeit ab, halten sich nicht an die Regeln. Eine Vertrauenskrise. Eine Gewissenskrise.

Darum ging es jetzt aber nicht.

Es ging, kein Witz, um die Frage: Durfte sich Rainer Koch vorvergangene Woche mit dem ehemaligen DFB-Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell treffen, ohne Zwanziger sofort darüber zu informieren? Oder, in einen größeren Zusammenhang gestellt: Darf ein DFB- Vizepräsident in seinem Amt selbstverantwortlich handeln - oder darf das im DFB am Ende nur einer: Zwanziger?

Am Montagmittag kam dann die Pressemitteilung zum Präsidiums-Gipfel. Und auch der Gewissensmensch Huber hat öffentlich keinen Einspruch dagegen erhoben, dass der weltgrößte Sportfachverband auch in seinem Namen kundtat, der "rund zweieinhalbstündige Meinungsaustausch" habe zu einem "einvernehmlichen" Ergebnis geführt. Zu einem Ergebnis, das Beobachter später unisono als Demontage Rainer Kochs werteten.

Bisher war der Chef des bayerischen Verbandes BFV im DFB für "Rechts- und Satzungsfragen" zuständig, nun übernimmt er das Aufgabengebiet "Prävention, Integration, Freizeit- und Breitensport". Das ist in etwa so, als würde Guido Westerwelle Minister für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Koch tauscht seine Zuständigkeiten ausgerechnet mit Rolf Hocke, jenem Präsidiums-Kollegen, den er kürzlich als Chef des süddeutschen Verbandes abgelöst hatte - was als Signal des Aufbruchs verkauft worden war. Nun hingegen die Mitteilung, Zwanziger und Koch seien "übereingekommen", dass die "vertrauensvolle Zusammenarbeit" im Präsidium durch den Tausch "erleichtert und wiederhergestellt werde". Der Jurist Koch gibt das Juristische ab - auf die Problemlösung muss man erst mal kommen.

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