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DFB:Spiel auf Zeit

Das Misstrauensvotum der Amateure gegen die DFB-Spitze ist eindeutig: Aber Präsident Keller schweigt - und General Curtius stellt Konsequenzen nur in Aussicht.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

27.09.2019 GER, Frankfurt am Main, Messe Congresscenter DFB-Bundestag 2019 - Der neue DFB-Präsident Friedrich Fritz Walt

DFB-Präsident Fritz Keller, Generalsekretär Friedrich Curtius und Vizepräsident Rainer Koch beim Bundestag 2019.

(Foto: Peter Hartenfelser/Imago)

Nach dem Misstrauensvotum der Amateurvertreter gegen die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheinen die beiden Führungskräfte des Verbandes auf Zeit zu spielen: Präsident Fritz Keller, 63, äußerte sich bis Montagnachmittag nicht zu dem Ergebnis. Bei Generalsekretär Friedrich Curtius, 44, ergibt sich aus einer ersten Stellungnahme, dass er unmittelbar keine persönlichen Konsequenzen aus dem frappierenden Abstimmungsergebnis zieht, sondern diese nur in Aussicht stellt. "Ich respektiere das Votum der Konferenz der Regional- und Landesverbände und nehme dieses sehr ernst", sagte er in einer am Montag vom DFB veröffentlichten Mitteilung: "Ich stehe für Gespräche zu konstruktiven Lösungen für den DFB jederzeit zur Verfügung, dies umfasst selbstverständlich auch meine Funktion."

Auf einer Klausur am Wochenende hatte die Amateurkonferenz in dem schon seit Monaten schwelenden Machtkampf einen radikalen Schnitt gefordert. Generalsekretär Curtius entzog sie das Vertrauen, Präsident Keller forderte sie nach dessen Nazi-Entgleisung gegenüber Vize Rainer Koch zum Rücktritt auf (26 Ja, neun Nein, zwei Enthaltungen). Keller will vor einer Stellungnahme offenkundig abwarten, wie es die Ethikkommission des Verbandes bewertet, dass er Koch in einer internen Sitzung vor anderthalb Wochen als "Freisler" bezeichnete - in Anlehnung an den Nazi-Richter Roland Freisler. Am Montagabend wurde bekannt, dass die Kommission den Fall vor das verbandsinterne Sportgericht bringen wird.

Keller und Curtius bekämpfen sich seit Monaten. Machtpolitisch ist die Lage für Curtius dabei noch aussichtsloser, weil er die Mehrheit der Amateure und die Profis gegen sich hat; allerdings ist er hauptamtlich tätig beim DFB, sein Vertrag müsste aufgelöst werden. Keller wusste zuletzt stets die Vertreter der Liga auf seiner Seite. Diese könnten ihm im nun entscheidenden Gremium, dem DFB-Vorstand, sogar eine knappe Mehrheit verschaffen. Allerdings erscheint nicht vorstellbar, wie er mittelfristig im Amt bleiben kann.

Zugleich geht es nicht nur um die Zukunft von Keller und Curtius, sondern auch um die von Schatzmeister Stephan Osnabrügge und insbesondere die von Vize Koch. Beiden sprach die Amateurkonferenz zwar das Vertrauen aus, aber nur knapp; zudem standen Koch selbst in seinen Funktionen als Chef des bayerischen und des süddeutschen Verbandes vier Stimmen zu. Curtius, Osnabrügge und Koch sind im Machtkampf seit Monaten wegen eines ominösen Vertrages mit einem Kommunikationsberater, zu dem immer neue Fragen auftauchen, in der Kritik. Zuletzt fällte sogar der interne Prüfungsausschuss dazu ein vernichtendes Zwischenfazit.

© SZ/fse/and
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