DFB-Sieg gegen Schottland:Dank Müllers Herz und Haxen

Scotland v Germany - UEFA Euro 2016 Qualifying Group D

Der Entertainer lebt auf: Für Thomas Müller (Nummer 13) war das Spiel in Glasgow ganz nach seinem Geschmack.

(Foto: REUTERS)
  • Gegen kampfstarke Schotten gewinnt die deutsche Elf 3:2 und macht einen entscheidenden Schritt zur EM 2016.
  • Für den Sieg braucht es jedoch nicht nur feine Füße, sondern ein großes Herz.
  • Zu den Ergebnissen der EM-Qualifikation geht es hier.

Die aktuelle Generation der deutschen Nationalspieler ist so jung, dass viele von ihnen am 7. Juni 2003 noch gar nicht Fußball gucken durften. Im Fernsehen kam das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Schottland, und wer zusehen durfte, bekam Spieler namens Ballack, Frings oder Ramelow zu sehen, Linksverteidiger spielte ein Mensch namens Tobias Rau. Fredi Bobic schoss ein Tor für Deutschland, das Spiel endete 1:1, vielleicht haben die Väter der heutigen Nationalspieler ein paar Witze über Berti Vogts gemacht, den Trainer der Schotten. Die Stimmung war damals großartig im Glasgower Hampden Park, das ist sie immer, und das war sie natürlich auch zwölf Jahre später, am 7. September 2015.

Er sei noch nie in Schottland gewesen, das gebe hoffentlich einen Länderpunkt, hat Torwart Manuel Neuer vor dem Spiel gesagt, aber weil der europäische Verband Uefa in seinen Qualifikationstabellen keine Länderpunkte gutschreibt, waren die Deutschen gezwungen, für drei echte Punkte hart zu erarbeiten. Es kam ja genau so, wie es den Nationalspielern damals von ihren Vätern und heute von den DFB-Scouts erzählt wurde: Die Schotten sind keine filigranen Fußballer, aber wer sie besiegen will, braucht nicht nur feine Füße, sondern auch ein riesengroßes Herz. So eines wie Thomas Müller, der mit zwei Toren und einer Vorlage zu einem verdienten 3:2-Sieg gegen leidenschaftliche Schotten beitrug, mit dem Deutschen ihre Tabellenführung in der Gruppe D festigten. Wie schon am Freitag gegen Polen mussten die deutschen Weltmeister in einem ebenso kuriosen wie unterhaltsamen zeigen, dass sie gegen zähe Gegner nicht nur spielen, sondern auch kämpfen können.

"Die Schotten haben fürs Offensivspiel nicht viel getan und vor allem auf Standardsituationen gesetzt", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der "ein intensives und schweres Spiel" erlebt hatte. Schwer machte es sich seine Mannschaft aber vor allem selbst, "weil wir bei Standards zweimal Fehler gemacht haben", wie Torwart Manuel Neuer später einräumte. "Das ärgert uns, aber wir haben heute trotzdem ein gutes Spiel gemacht."

Geschlafen bei den Standards

Im Vergleich zum 3:1 gegen Polen hatte Löw seine Elf auf einer Position verändert, wobei man eher sagen muss, dass die Elf sich von selbst verändert hat. Ilkay Gündogan hatte nach seiner Einwechslung gegen Polen derart aufgetrumpft, dass Löw gar nicht anders konnte, als ihn von Anfang aufs Feld zu schicken. Dafür musste Karim Bellarabi weichen, eher eine hierarchisch motivierte Entscheidung, denn der Leverkusener hat im DFB-Hemd bisher weniger Treue- und Länderpunkte gesammelt als etwa Mesut Özil, der seinen Platz in der Startelf behielt, aber nach links rückte.

Durch Gündogans Hereinnahme versammelten sich in der Mitte gleich drei fähige Passspieler, gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos kontrollierte der Dortmunder die zentralen Räume im Mittelfeld, an denen die Schotten aber gar nicht interessiert waren. Sie hatten sich für einen kuriosen, sehr unbequemen Spielstil entschieden. Entweder sie liefen die deutschen Verteidiger so weit vorne an, als würden sie vom Pressingprediger Ralf Rangnick trainiert; oder sie zogen sich so weit vor den eigenen Strafraum zurück, als wären sie ein Fünftligist im DFB-Pokal. So konnten die Deutschen im Zentrum zwar ihre feinen Füße zum Einsatz bringen, aber es fiel ihnen schwer, die feinen Füßen vorne zu finden. Hin und her passten sie, es waren Ideen und gute Kombinationen dabei, aber es waren sehr, sehr dicke Bretter, die die feinen Füße bohren mussten.

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