DFB-Sieg gegen Algerien:Die deutsche Abwehr wackelt

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Einmal hatte der Torwart keine Chance, aber da stand Slimani im Abseits. Sonst hechtete er teilweise waghalsig aus dem Tor und besserte etliche Male die Versäumnisse seiner Vorderleute aus. Und die waren zahlreich.

Nach dem kurzfristigen, grippebedingten Ausfall von Mats Hummels wackelte die Abwehr im algerischen Sturm wie an diesem herbstlichen Tag ein Zweimaster im Rio Guaíba vor Porto Alegre. Benedikt Höwedes war den Dribblings des großartigen Sofiane Feghouli vom FC Valencia ausgesetzt, Per Mertesacker musste sich wie schon gegen Ghana in aussichtslosen Laufduellen bloßstellen lassen und Shkodran Mustafi sah die Gegenspieler rechts an sich vorbeischnellen. Der Verteidiger von Sampdoria Genua zog sich später einen Muskelbündelriss zu, für ihn ist die WM beendet. Löw zog Philipp Lahm zurück. Der zeigte sogleich, wie ein guter Außenverteidiger spielt.

Jérôme Boateng steigerte sich nach unsicherem Beginn und rettete in der Verlängerung einmal geschickt gegen den durchgestarteten Slimani. "Wir haben zu viele Ballverluste gehabt. Da mussten wir immer 30, 40, 60 Meter zurückmarschieren. Das darf uns einfach nicht passieren", folgerte Flick nach der Partie. Dass die Deutschen in der Halbzeit nicht zurücklagen, war glücklich.

Nach dem Spiel hatten sie immerhin Grund, sich an ihrer Steigerung festzuhalten. Und daran, weiterhin im Turnier zu sein. Mit André Schürrle kam zur Pause endlich der neben Thomas Müller zweite Spieler, der mal mit Tempo Richtung gegnerischen Strafraum lief. Die Geschwindigkeit der Angriffe erhöhte sich mächtig und so kam die nicht gerade hochdekorierte algerische Abwehr bisweilen in Verlegenheit.

In der Schlussphase vergaben Müller und Schweinsteiger große Chancen, die Verlängerung zu vermeiden. Doch das Tor fiel erst in der 92. Minute. Schürrle verlängerte mit der Hacke eine Müller-Flanke. Die Treffer von Mesut Özil (120.) und Abdelmoumene Djabou (121.) hoben zwar die Stimmung, änderten aber nichts mehr am Ausgang.

"Solche Spiele gibt es bei einem Turnier, wo man sich durchkämpfen muss. Auch andere Mannschaften wie Brasilien haben sich schwergetan, das ist kein Spaziergang", erklärte Löw.

Hummels krank, Podolski verletzt, WM-Aus für Mustafi, Schweinsteiger mit Krämpfen raus - der Ausflug ins kühle Porto Alegre hinterließ Spuren. Obwohl bei Per Mertesacker später die Wut über unwirsche Fragesteller verraucht war, wirkte er reichlich erschöpft. Zum Viertelfinale gegen Frankreich in Rio de Janeiro sagte er: "Ich hab gedacht, wir spielen erst Samstag, jetzt werde ich von der Realität eingeholt und wir spielen schon Freitag. Das ist ein normaler Rhythmus, aber am Ende der Saison nicht so einfach."

Manuel Neuer befürchtete bereits einen Nachteil: "Es ist ein bisschen ärgerlich, wenn man sieht, dass Frankreich 2:0 gewonnen hat, in regulärer Zeit, und wir über 120 Minuten gehen mussten." Die kommenden Tage werden die Deutschen wohl nutzen, um sich von diesem überraschend anstrengenden Abend im Beiro-Rio zu erholen.

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