DFB: Schiedsrichter-Affäre DFB in der Defensive

Widersprüchliche Angaben: Nur langsam kommt Licht in die Affäre um den zurückgetretenen Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell. Immer mehr Referees melden sich zu Wort.

Von T. Kistner

Der Deutsche Fußball-Bund steht im Fall Manfred Amerell, dem er sexuelle Belästigungen in mehreren Fällen anlastet, weiterhin unter Druck. Generalsekretär DFB-Wolfgang Niersbach sagte am Sonntag im Deutschen Sportfernsehen, das Verfahren gegen Amerell sei zu dem Zeitpunkt eingestellt worden, als sich dieser dem "Zugriff der Sportgerichtsbarkeit durch Rücktritt von seinen Ämtern entzogen hatte. Es war seine eigene Entscheidung". Daraufhin seien die DFB-Vernehmungen beendet worden.

Wolfgang Niersbach

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Gegen diese These vom Abtauchen vor der Sportgerichtsbarkeit spricht jedoch, dass Amerell das Münchner Landgericht angerufen hat, das die Vorwürfe in einer öffentlichen Verhandlung untersuchen wird. Auch wurde Amerell vom DFB selbst zum Rücktritt geraten, nachdem ihn Verbandspräsident Theo Zwanziger, Niersbach und DFB-Personalchef Stefan Hans am 1. Februar angehört hatten.

Dies bestätigt DFB-Vizepräsident Rolf Hocke, der Amerell eigens aus der Präsidiumssitzung am 4.Februar angerufen und ihm einen Rücktritt nahegelegt hatte; auf Bitten Zwanzigers, sagte Hocke der SZ. Amerell ließ daraufhin seine Funktion im Schiedsrichterausschuss ruhen. Von allen Ämtern zurück trat er erst am 12.Februar, als sein Name bereits durch alle Medien gegangen war. Zugleich stellte sich Niersbach vor Volker Roth. Der Schiedsrichterchef des DFB hatte die Vorwürfe gegen Amerell, die ihm Fifa-Referee Michael Kempter bereits am 17.Dezember vortrug, wochenlang liegen lassen und beide zum Rückrundenstart Mitte Januar eingesetzt.

Festhalten an Roth

Wegen Roths zögerlichem Agieren in der Affäre gab der nicht eingeweihte DFB Vize Koch seine Zuständigkeit fürs Schiedsrichterwesen ab. Und dass sich seither "unaufgefordert" (Niersbach) immer mehr Referees beim DFB meldeten, zeugt nicht davon, dass Roth seinen Bereich im Griff hatte. Dieser Bereich soll nun stark reformiert werden. Trotzdem, so Niersbach ohne nähere Begründung, sei eine Trennung von Roth "zu platt".

Das Festhalten an Roth, politisch Verantwortlicher des Gesamtgeschehens, erscheint weiter unerklärlich. Das könnte den Eindruck nähren, dass der DFB ein Thema begraben wollte, das früher bekannt und Dimensionen über den aktuellen Fall hinaus besitzen könnte. Nun behauptet Peter Gabor, ein früherer Berliner Referee, in der ARD-Sportschau, angebliche Treffen Amerells mit Schiedsrichtern seien schon länger bekannt: "Ich habe Informationen über mehrere Jahre, dass da irgendetwas ist. Die Dinge sind beim DFB nicht so unbekannt."

Der Termin beim Landgericht Anfang März dürfte Beachtung finden. Zu dieser Zeit weilt die Fachpresse ohnehin in München, wegen des Länderspiels gegen Argentinien (3. März).