DFB und Qatar Airways:Ein heikles Dementi

FILE PHOTO: Qatar Airways plane lands at the King Khalid International Airport, in Riyadh

Die Botschaft von Katar behauptet, der DFB wollte Verhandlungen mit der Fluglinie aufnehmen - die Fluglinie aber nicht mit dem DFB.

(Foto: Ahmed Yosri/Reuters)

Katar weist Interesse an einem Sponsoren-Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund zurück, bestätigt aber eine Anfrage des Verbands. Das macht die Angelegenheit für den DFB noch delikater.

Von Thomas Kistner

Eine Woche lang schwiegen der Deutsche Fußball-Bund und Qatar Airways zur anschwellenden politischen Debatte rund um eine mögliche Werbepartnerschaft zwischen dem DFB und dem Staatskonzern am Golf. Nun brach Katar das Schweigen, und es stellt sich konkret die Frage, von welcher Seite diese Liaison betrieben wurde. Zwar dementierte das Emirat am Freitag jedes Interesse an einem Sponsoring, dies sei auch nie mit dem DFB erörtert worden - darum gebeten hätten die deutschen Funktionäre aber schon.

"Entgegen der Presseberichterstattung hat es zu keinem Zeitpunkt Verhandlungen oder Gespräche zwischen Qatar Airways und dem DFB über ein Sponsoring oder sonstige Förderungen gegeben", hieß es in der Mitteilung das katarischen Botschafters in Berlin. Man ziehe auch "derzeit nicht in Betracht, entsprechende Verhandlungen aufzunehmen". Derzeit also nicht - aber bis zur WM Ende 2022 ist es noch eine Weile hin. Und auch 2021 ist für etwaige Sponsoring-Aktivitäten längst nicht vorüber.

Neben dem sehr späten Zeitpunkt dieses Dementis, im Zuge heftiger Debatten insbesondere im politischen Berlin, legen auch andere Umstände nahe, dass diese Geschäftsverbindung intensiver angedacht worden war. Zunächst hat der DFB die Thematik nie dementiert. Man kommentiere "generell keine Gespräche mit Partnern", tat die Marketing GmbH am vergangenen Freitag auf SZ-Anfrage kund, auch aus der DFB-Spitze gab es nur ein gewundenes Statement zu Gerüchten und Vertraulichkeiten. Aber kein Dementi. Und auch nach Katars Erklärung heißt es aus verbandsinternen Quellen: Schon vor Monaten soll auf Geschäftsführer-Ebene der DFB-Dienste zu diesem Thema berichtet worden sein. Umso interessanter, dass das Emirat nun eigene Ambitionen zurückweist - zugleich aber den Sachverhalt bestätigt: Es sei der DFB gewesen, der sich um diese Werbe-Ehe bemüht habe.

"Qatar Airways", heißt es am Freitag in der offiziellen Erklärung, "wurde zwar von Seiten des DFB mit einem derartigen Begehren kontaktiert, dies blieb aber bis zum heutigen Tag unbeantwortet."

Katar räumt also eine Anfrage des DFB ein. Es erklärt aber nicht, warum es auf dieses Begehr nie reagiert haben will - abgewiesen wurde es demnach nicht. Das macht die Vorgänge mysteriös, doch heikler werden sie nun für den Verband. Denn die Kritik hierzulande richtete sich ja nicht explizit gegen das Emirat, sondern gegen Pläne, das Image des deutschen Fußballs und seiner sieben Millionen DFB-Mitglieder in ein Land zu transferieren, das ob seiner Menschenrechtslage stark in der Kritik ist. Das Thema rückte diese Woche erneut international in den Fokus. Eine britische Menschenrechtsorganisation legte detaillierte Fälle von Zwangsarbeit in Hotels in Katar dar, monierte "Diskriminierung und Repressalien". Der Golfstaat hielt dagegen, man habe "eine Reihe wichtiger Reformen" zum Arbeiterschutz eingeführt.

Schon diese Aktualität zeigt: Das Thema bleibt heikel, wohl bis zur WM 2022. Vom DFB, dessen Interesse an einem Werbedeal mit Katar nun offiziell enthüllt wurde, war am Freitag (bis Redaktionsschluss) nichts zu vernehmen. Vom Tisch sein dürfte das Thema noch nicht. Mitglieder des Präsidiums hatten nach der Sitzung ihres Gremiums vergangene Woche bestätigt, dass ihnen dort der vorzeitige Ausstieg des bisherigen Flug-Partners Lufthansa mitgeteilt worden sei - dieser Vertrag war bis Ende 2022 datiert. Offiziell bestätigt ist auch das nicht.

© SZ/mok/schm
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