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Fußball:DFB-Präsident Keller tritt zurück und übt massive Kritik

Wie angekündigt stellt Fritz Keller sein Amt zur Verfügung. Er übernehme Verantwortung für seinen Nazi-Vergleich, mahnt in einer scharfen persönlichen Erklärung aber auch eine personelle Erneuerung an der Verbandsspitze an.

Fritz Keller ist vom Amt des DFB-Präsidenten zurückgetreten. Wie angekündigt stellt der 64-Jährige den Posten zur Verfügung. In einer langen persönlichen Erklärung schreibt Keller, er übernehme damit Verantwortung für seine Entgleisung in einer Präsidiumssitzung Ende April. Dort hatte Keller den Vizepräsidenten Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Freisler verglichen. Die sei der "traurige Tiefpunkt der desolaten Führungssituation" beim DFB gewesen, schreibt Keller selbst.

In der Erklärung mahnt Keller aber zusätzlich zu seinem Rücktritt tiefgreifende Veränderung beim Verband an. Es sei ihm nicht gelungen, "innerhalb der Gremien des DFB eine vertrauensvolle, verlässliche und kollegiale Zusammenarbeit" zu erreichen. Keller hält einen personellen Wechsel an der Spitze für notwendig.

Bis zu einem vorgezogenen Bundestag zu Beginn des kommenden Jahres sollen die beiden Vizepräsidenten Koch (Amateure) und Peter Peters (Profis) den krisengeplagten Verband interimsmäßig führen. Wer neuer Präsident werden soll, ist offen.

Am Ende war Keller nach dem Nazi-Vergleich nicht mehr tragbar

Ohne deren Namen zu nennen kritisierte Keller seine Widersacher, Generalsekretär Friedrich Curtius und Vizepräsident Rainer Koch. Keller forderte "eine personelle Erneuerung der Spitze des DFB, ohne die ein glaubwürdiger Neuanfang nicht möglich ist". Dabei müsse der Verband seine Unabhängigkeit gegenüber Personen, "die als Beschuldigte in unterschiedlichen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt werden", bewahren. "Der DFB muss sich verändern", schrieb er.

Im Gegensatz zu Keller und Curtius hatte Koch in der vergangenen Woche nicht seinen unmittelbaren Rücktritt angekündigt - im Gegenteil. Erst beim nächsten Bundestag Anfang 2022 will Koch nicht zur Wiederwahl in sein aktuelles Amt antreten. Mit Curtius verhandelt der DFB über eine Vertragsauflösung. Keller kritisierte am Montag, im Verband sei es "viel zu häufig" unter anderem "um das "Arbeiten" am eigenen Bild in der Öffentlichkeit" gegangen.

Am vergangenen Freitag hatte die Ethikkammer des Sportgerichts in der Sache verhandelt, ein Urteil wird für diese Woche erwartet. Einfluss auf die Rücktrittsentscheidung hat es nicht mehr. Keller ist nach Wolfgang Niersbach (70) im November 2015 und Reinhard Grindel (59) im April 2019 der dritte DFB-Präsident, der sein Amt innerhalb kurzer Zeit wegen eigener Verfehlungen räumen muss. "Als Präsident bin ich angetreten, weil der DFB bereits im Herbst 2019 ein Sanierungsfall war mit unzähligen ungelösten Themen und 'Baustellen'", schrieb Keller. Er sei immer wieder auf "Widerstände und Mauern" gestoßen.

Wer auf Keller folgt, ist völlig offen. Genannt wurden bereits unter anderem die Namen von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge (65) und Rio-Weltmeister Philipp Lahm (37), zuletzt wurde auch die frühere Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (42) ins Spiel gebracht. Keller war 2019 von einer Findungskommission des DFB und der Deutschen Fußball Liga vorgeschlagen worden.

© SZ/sid/schm
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