DFB-Präsident Grindels Manöver und die Zweifel

DFB-Präsident Reinhard Grindel

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Boss des DFB versucht, die Özil-Affäre zu beruhigen und kämpft um seinen Job. Dabei stellt er die Beziehung zwischen der Nationalelf und den Fans in Frage - aber auch die Vermarktung.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Reinhard Grindel beginnt, um seinen Job zu kämpfen. Davon, ob er den DFB wieder in die Spur, ob er ihn zurück in die Mitte der Gesellschaft bringt, hängt am Ende ab, ob er weiterhin im Amt bleiben kann. Nach sommerlicher Bedenkzeit versucht der Präsident jetzt, die fahrlässig auch von ihm dynamisierte Mesut-Özil-Affäre zu beruhigen. Und er versucht, die Nationalelf enger an den Verband zu koppeln, wobei es offenbar in erster Linie um die neue Definition der Zuständigkeiten von Oliver Bierhoff geht, dem Teammanager seit 2004.

Das alles klingt nach großem Manöver. Dass es mehr wird als ein Scheingefecht, muss nach Lektüre eines Bild-am-Sonntag-Interviews angezweifelt werden. Beschäftigt sich Grindel darin doch im Kern damit, ob die deutsche Auswahl ihren Markennamen behalten, ob sie weiter als "Die Mannschaft" auf Tournee gehen darf. Dieses Logo wurde 2015 in der Folge des WM-Triumphes von Rio von Bierhoff und seinem Kreativteam eingeführt - jetzt soll es offenbar zum Sammelbegriff für die Entfremdung von Team und Fans erklärt werden. "Ich nehme auch wahr, dass an der Basis der Begriff ,Die Mannschaft' als sehr künstlich empfunden wird", sagte Grindel.

Frankreichs Weltmeister sind traditionell bekannt als "Les Bleus", die Blauen, an derselben Farbe orientieren sich die Italiener ("Squadra Azzurra"). Die Spanier werden als "Die Roten" ("La Roja") respektiert, Ägypter sind "Die Pharaonen", Marokkaner "Die Löwen". Die Deutschen haben ihr Etikett nicht einmal weltexklusiv: Auch Schweizer ("Nati"), Brasilianer ("Seleçao") oder Russen ("Sbornaja") berufen sich auf den Teamgeist. Gehen Deutschlands Kicker künftig nur noch als Individuen auf Tour? Als Herr Müller? Herr Werner? Herr Goretzka?

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Als "Die Mannschaft", wie es auf dem Teambus steht, lassen sich alle wenigstens als Gruppe zentral vermarkten. Und es ist bekanntlich nicht wenig Geld, das der DFB gerade zusammenkratzen muss. Den nicht billigen Personalwechsel im Stab von Bundestrainer Löw will Grindel noch im August verkünden; das auf 150 Millionen Euro geschätzte neue Hauptquartier in Frankfurt ist zu bauen; zudem wurde dem Verband in der schwelenden WM-Affäre 2006 eine Steuerforderung von 19,2 Millionen Euro hinterbracht.

Viel Holz für eine gemeinnützige Organisation. In einem Finanzengpass aber könnte ein etablierter Markenname, für den die Autofirma oder der Getränkekonzern pauschal bezahlt, noch sehr nützlich sein. Gestört hat ja weniger der Name, gestört haben viele daran geknüpfte Inhalte. Schickt man "Die Mannschaft" wie geschehen mit dem Spezialauftrag "Best never rest!" (Die Besten ruhen nie!) zur WM nach Russland, so klingt das streberhaft, vermessen, also: typisch deutsch. Auch von Volksnähe samt Spaß war im Marketingkonzept zuletzt nur noch wenig zu erkennen: Bei Länderspielen wirkten die Ticketpreise oft horrend hoch; im WM-Trainingslager in Südtirol ließ Löw fast nur hinter hohen Zäunen üben. Doch was?

"Mannschaft" - dies ist ein deutscher Kulturbegriff, von dem es heißt, der Duden führe ihn seit 1880 im Programm. Wenigstens also ihre Hülle, ihren Namen sollte Grindel der Nationalelf lassen, wenn er jetzt im Fanvolk populär zu punkten versucht. Sonst bleibt da nicht mehr viel.

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