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Jérôme Boateng:Er schüchtert die Gegner wieder ein

Fussball Bundesliga Saison 2019-2020 Spiel FC Bayern Muenchen - SC Freiburg BOATENG Jerome Team FC Bayern Muenchen Fussb; Jerome Boateng FC Bayern

Wieder in beachtlicher Form: Jérôme Boateng.

(Foto: Pressefoto Ulmer/Pool_Sportphoto)

Nach dem Pokalgewinn 2019 feierte Jérôme Boateng nicht mit der Mannschaft, Uli Hoeneß riet zum Vereinswechsel. Vor dem diesjährigen Finale ist er einer der wichtigsten Stabilisatoren.

Von Benedikt Warmbrunn

Das Ende, das dann doch ein Neuanfang war, begann am Frühstücksbuffet. Berlin, Ende Mai 2019, der FC Bayern hatte am Abend zuvor das Pokalfinale gegen Leipzig gewonnen und sich dadurch in der ersten, turbulenten Saison unter Trainer Niko Kovac das Double gesichert. Am nächsten Morgen traf sich ein Großteil der Münchner Delegation im Frühstückssaal ihres Hotels, auch Uli Hoeneß war da. Hoeneß, so erzählen das Vertraute, hatte aber nicht nur Hunger, er hatte auch eine wachsende Wut im Bauch. Dann sah er den, der ihn so wütend machte, und er wollte mit ihm reden. Aber Jérôme Boateng wollte nicht.

Und so sprach Hoeneß, damals noch Präsident des FC Bayern, ein paar Stunden später sich die schlechte Laune eben vor einem Fernsehmikrofon vom Magen.

"Ich würde ihm als Freund empfehlen, den Verein zu verlassen", sagte Hoeneß im Münchner Rathaus über Boateng. "Er braucht eine neue Herausforderung, er wirkt wie ein Fremdkörper." Es waren starke, unversöhnliche Worte. Dass Boateng gehen würde im Laufe des Sommers 2019, daran zweifelte damals niemand, erst recht nicht Hoeneß und Boateng.

Etwas mehr als 13 Monate später wird an diesem Samstag (20 Uhr) wieder ein Pokalfinale gespielt, die Bayern treten an gegen Leverkusen, im Stadion wird auch Hoeneß sitzen, inzwischen als Mitglied des Aufsichtsrates. Und einer der Spieler, die ganz besonders für das Wiedererstarken der Mannschaft unter Trainer Hansi Flick stehen, ist Boateng, der selbstverständlich in der Startelf stehen wird.

Hoeneß' Empfehlung wäre beinahe wahr geworden

Anfang November hat Flick die Mannschaft übernommen, er hat Thomas Müller das Gespür für dessen Schleichwege zurückgegeben, er hat Joshua Kimmich das Kommando im Zentrum übergeben, er hat David Alaba zum Innenverteidiger und dadurch zum Führungsspieler befördert. Doch den vielleicht größten Leistungssprung unter Flick hat der 31 Jahre alte Innenverteidiger Boateng gemacht.

Bei der vergangenen Finalreise hatte sich Hoeneß hauptsächlich aufgeregt, weil Boateng demonstrativ auf das Mitfeiern verzichtet hatte. Als die anderen Spieler sich nach dem 3:0 gegen Leipzig vor der eigenen Kurve positioniert hatten, war Boateng in die Kabine gesprintet. Schon in der Woche zuvor hatte er bei der Meisterfeier lieber mit seinen Töchtern gespielt, als sich zu seinen Mitspielern zu gesellen. Wenige Stunden vor dem Ende der Sommer-Transferperiode 2019 wäre Hoeneß' Empfehlung dann auch beinahe wahr geworden, Juventus Turin hatte Interesse. Doch der Wechsel platzte. Und so fand Boateng zwar nicht den Weg in die Fremde, dafür aber den zurück in den Körper aus seinen besten Jahren.

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