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DFB-Pokal: Windeck - München:Ein Abendspaziergang

Der FC Bayern überanstrengt sich nicht beim 4:0 im DFB-Pokal über den Fünftligisten Germania Windeck. Eine Ehrenrunde drehten nach dem Schlusspfiff nur die Windecker.

Philipp Selldorf, Köln

Köln - Die Invasion kam aus dem Osten rechts vom Rhein, und sie legte den Kölner Verkehr in kilometerlangen Staus bis in die westlichen Stadtteile lahm. Nervosität machte sich im wartenden Fahrbetrieb breit, die Zeit drängte: Es galt ja, pünktlich zu sein im Stadion in Müngersdorf, denn erwartungsgemäß sollte es doch nur wenige Minuten dauern, bis der FC Bayern den Gastgebern aus dem Dorf im östlichen Rhein-Sieg-Kreis die ersten Treffer verpassen würde.

TSV G. Windeck v Bayern Muenchen - DFB Cup

Ruhiger Abend ohne Glanz: Thomas Müller und Mario Gomez beim 4:0 in Windeck.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Profis haben dann aber höflich gewartet, bis auch der letzte Besucher eine Wurst gekauft und seinen Platz eingenommen hatte, und die Anhänger des TSV Germania Windeck bekamen sogar Gelegenheit, ein bisschen frech zu werden. Doch gerade in dem Moment, als sie das alte Lied von den Lederhosen anstimmten, die ihre Jungs den Bayern ausziehen sollten, machten die Münchner ernst: Miroslav Klose brach in der 44. Minute den Bann mit einem schnöden Treffer zum 1:0, es war der Anfang vom Ende für die Mannschaft aus der fünftklassigen NRW-Liga. Kaum eine Minute später schoss Franck Ribery das 2:0, schon war die Partie entschieden.

Am Schluss gewann der FC Bayern 4:0 und sicherte sich seinen Platz in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals. Es gab aber trotzdem noch Riesenjubel unter den Leuten vom Dorfklub: Als der Stadionsprecher kurz vor Schluss verkündete, dass 41.100 Zuschauer Eintrittsgeld bezahlt hatten, sprang der Vereinsmäzen Franz-Josef Wernze jubelnd von seinem Klappstuhl am Spielfeldrand auf, und auch Trainer Heiko Scholz ballte die Fäuste. So hatten beide Seiten erreicht, was sie brauchten: Die Bayern jagen dem nächsten Titel hinterher, die Windecker haben das Geld für ihre neue Tribüne beisammen.

Bis Klose eher unvermittelt nach Diego Contentos Hereingabe die Führung erzielte, durfte sich das heimische Publikum an der Vision erfreuen, dass ihr kleines Team den großen FC Bayern ins Stolpern bringen könnte. Und vorübergehend sah es sogar so aus, als würden die Windecker ihren Enkeln von diesem Spiel erzählen können. Jörg Butt im Bayern-Tor musste einen Schreckmoment überstehen, als Michael Kessel nach zwanzig Minuten allein auf ihn zusteuerte. Der 25-Jährige traf jedoch bei der Wahl zwischen langer und kurzer Ecke die falsche Entscheidung. Er suchte den kurzen Weg ins Tor - und schoss vorbei.

Louis van Gaal hatte für dieses erste seriöse Pflichtspiel der Saison seine aktuell beste Elf aufgeboten. Aber es blieb insgesamt bei einer recht müden Vorführung, die der Trainer später selbst "das schlechteste Spiel unserer Vorbereitung" nannte. Mark Van Bommel formierte mit Bastian Schweinsteiger die Münchner Vorherrschaft im Mittelfeld, Klose bildete im Angriff einen stillen Vorposten, Toni Kroos streunte gemächlich durchs vordere Gelände, und Holger Badstuber verteidigte im Zentrum solide an der Seite von Martin Demichelis.

Auf den argentinischen Manndecker war Verlass wie immer, er hat ja stets ein Herz für den Gegner, und so gestattete er nach ein paar Minuten dem Windecker Mittelstürmer Alexander Hettich freie Fahrt in den Strafraum. Das Publikum jauchzte erwartungsvoll, aber Hettich drehte eine Pirouette zu viel. Ein weiteres Gastgeschenk bereitete Demichelis nicht mehr. Nur Butt machte sich noch mal verdient um das Vergnügen der Besucher. Wieder hatte Kessel auf sein Tor geschossen - allerdings aus 45 Metern Entfernung. Butt sah das Fluggeschoss mit Sorge, aber im Netz landete dann lediglich der Torwart, der Ball verpasste das Ziel.

In der zweiten Halbzeit blieben solche Momente aus, die Münchner taten das Nötigste, die Windecker arbeiteten hart. Van Gaal schenkte Mario Gomez ein paar Einsatzminuten, der Stürmer bedankte sich mit einem eindrucksvollen Tor zum 4:0, zuvor hatte Kroos das Ergebnis verschönert. Eine Ehrenrunde aber drehten nach dem Schlusspfpiff nur die Windecker.

© SZ vom 17.08.2010/jüsc
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