DFB-Pokal:Revierpfleger Großkreutz trifft die alte Liebe

Kevin Großkreutz

In Dortmund aus dem System gefallen, in Stuttgart mitentscheidend für den Aufschwung: Rechtsverteidiger Kevin Großkreutz.

(Foto: dpa)

Von Frieder Pfeiffer, Stuttgart

Kevin Großkreutz ballte die Faust, einmal, zweimal. Dann machte er sich auf den Weg, feixend, wie einer, dem ein großer Sieg gelungen war. Bei Kevin Großkreutz ziehen sich in solchen Momenten die Schultern nach oben, der Kopf neigt sich leicht nach vorne - lausbubenhafte Freude gepaart mit großem Willen.

Großkreutz ging ein paar Schritte und warf den Ball zu Przemyslaw Tyton. Sein Torhüter sollte den Freistoß an der eigenen Eckfahne ausführen, den er, Großkreutz, gerade gegen zwei Frankfurter herausgeholt hatte. Großkreutz grinste weiter, die Faust noch leicht geballt. Es war ein Statement: Dort, rechts hinten, im lange so anfälligen Abwehrverbund des VfB Stuttgart, hat der 27-Jährige wieder einmal sein neues Revier verteidigt. Und wenn ein Bundesligaspieler weiß, wie Revierpflege funktioniert, dann Kevin Großkreutz, der leidenschaftliche Revierpfleger aus dem Pott; der Dortmunder Jung, der irgendwann fort musste.

In jeder Minute der Rückrunde, drei komplette Spiele, hat Großkreutz seit seinem Wechsel in der Winterpause für die Stuttgarter die rechte Seite verteidigt, auch am vergangenen Wochenende beim 4:2 in Frankfurt, dem dritten Sieg in diesem Jahr. Großkreutz hat in diesen 270 Minuten fußballerisch keine Wunderdinge vollbracht. Er hat viele Grätschen gezeigt, viele Sprints, geballte Fäuste und ein paar schöne Flanken, wie sie ein Rechtsverteidiger beim VfB zuletzt vor mehr als zehn Jahren geschlagen hatte.

Kein Meister der Imagepflege

Damals war das Andreas Hinkel, ein Stuttgarter Junge, heute Assistenztrainer bei der U23. Hinkel wurde in Stuttgart zum Nationalspieler. Großkreutz war keiner mehr, als er nach Stuttgart kam. Er war ein Weltmeister, dem so manche Flause den Ruf ramponiert hatte, der in der Hinrunde Galatasaray Istanbul gehörte, dort jedoch kein Spiel machen durfte aufgrund verspätet eingereichter Transferunterlagen. Irgendwann war er mehr in der Heimat als bei seinem Verein. Großkreutz, der Revierpfleger, ist kein Meister der Imagepflege.

Die Stuttgarter Verantwortlichen nahmen die vielen unrühmlichen Geschichten nicht so wichtig. Sie sahen einen Weltmeister, der in der Winterpause für rund zwei Millionen Euro zu haben war, einen emotionalen Kicker, der dankbar war, dass er noch einmal eine Chance bekam, vielleicht seine letzte. Sie wussten: Die Positionen, die Großkreutz spielen kann, sind bei uns eigentlich gut besetzt. Aber dieser Spieler bringt etwas mit, das der talentierte Kader mehr braucht als den nächsten feinen Fußballer: die Hingabe bis zur Selbstaufgabe. Diese Mentalität habe man gesucht, sagte Trainer Jürgen Kramny: "Sie tut uns gut." Was so viel heißt, wie: Ohne ihn waren wir doch ein wenig zu ruhig.

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