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DFB-Pokal:Saarbrückens Träume zerschellen an Leverkusen

DFB Cup - Semi Final - 1.FC Saarbruecken v Bayer Leverkusen

Bayer Leverkusens Paulinho (li.) prüft Saarbrückens Daniel Batz

(Foto: REUTERS)

Die Siegesserie des Viertligisten reißt im Halbfinale: Bayer Leverkusen zieht souverän mit 3:0 ins Endspiel des DFB-Pokals ein. Der 1. FC Saarbrücken kann sich trotzdem freuen.

Die Verantwortlichen des 1. FC Saarbrücken hatten vor der deutlichen 0:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen alles getan, um im menschenleeren Völklinger Stadion so etwas wie Heimspielatmosphäre zu schaffen. Neben jeder Menge aufmunternder Musik wurden Grußbotschaften zahlreicher Fans eingespielt, die beim wohl wichtigsten Spiel der vergangenen Jahrzehnte nicht im Stadion sein konnten. Und selbst wenn deren Wünsche ("Leverkusen als Verlierer an den Niederrhein zurückschicken") geographisch nicht immer ganz korrekt waren, die Motivation der Saarbrücker Spieler dürften sie nicht gemindert haben.

Als echter Stimmungskiller erwies sich dann allerdings recht schnell der Spielverlauf, denn Leverkusen ging schon früh in Führung. Nach Zuspiel von Kerem Demirbay kam Moussa Diaby zum Abschluss und überwand FCS-Keeper Daniel Batz aus kurzer Distanz (11.). Dass die Rheinländer gar nicht erst die Hoffnung aufkommen lassen wollten, dass sie den Gegner unterschätzen könnten, blieb auch nach der frühen Führung offensichtlich.

Und die Leverkusener Ernsthaftigkeit trug weitere Früchte. Schon in der 19. Minute fiel das 0:2: FCS-Verteidiger Manuel Zeitz und Keeper Daniel Batz irritierten sich wechselseitig beim Versuch, eine Flanke von Demirbay zu klären, den Abpraller nutzte Lucas Alario zum zweiten Leverkusener Treffer.

Im ersten Durchgang hatte der Gast 84 Prozent Ballbesitz, spielte seine fußballerische Überlegenheit konzentriert aus und hätte auch deutlich höher führen können. Nach schöner Vorarbeit von Wendell verfehlte ein Schuss von Paulinho nur knapp das Tor (28.), kurz darauf wäre ein Demirbay-Kopfball fast im Saarbrücker Gehäuse gelandet (31.). Saarbrücken hingegen schaffte es kaum einmal, den Ball über zwei, drei Stationen in den eigenen Reihen zu halten.

Dabei hatte das Bundesliga-Gründungsmitglied vor der Partie eifrig auf der Underdog-Klaviatur gespielt. Aus gutem Grund natürlich, denn selbst ein gut ausgestatteter Regionalligist wie der FCS, der in seiner Liga ein ziemlicher Krösus ist, ist natürlich im Vergleich zu einem Champions-League-Aspiranten wie Leverkusen ein armer Schlucker. Sportlich waren die Rollen also klar verteilt. Allerdings hatte die Partie vor Anpfiff auch wegen der unterschiedlichen Situation in beiden Ligen als ein wenig unberechenbar gegolten. Denn während der FCS am 7. März sein letztes Pflichtspiel bestreiten durfte, hatte Leverkusen, das Kapitän Kai Havertz in Saarbrücken schonte, bereits fünf Geisterspiele absolviert und dem Gegner damit genügend Gelegenheiten gegeben, sich mit seiner Spielweise auseinanderzusetzen - umsonst, wie sich am Dienstagabend schnell herausstellte.

5,4 Millionen Euro durch den Pokal

Zwar wurde Saarbrücken im zweiten Durchgang zunächst stärker und agierte deutlich offensiver als noch in den ersten 45 Minuten. Doch spätestens, als Karim Bellarabi das 0:3 für Leverkusen erzielte (58.). Die Gastgeber ließen dennoch nicht die Köpfe hängen und taten ihr Möglichstes, um die Partie offen zu gestalten. "Weiter" und "alles geben", rief Keeper Batz, nachdem er mit einer Fußabwehr gegen Paulinho gerettet hatte (77.). Erst in der Nachspielzeit hatte der FCS eine gute Chance, doch Markus Mendler vergab knapp (90.+2.).

Am Ende blieb es trotz der guten kämpferischen Leistung des Regionalligisten beim 0:3 und damit einem Ergebnis, das die drückende Überlegenheit der Gäste nur bedingt widerspiegelte. Im Finale trifft die Werkself nun auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt. "Wir wollten alle Waffen ziehen und haben mit Wattebällchen geworfen. Es hätte alles zusammenkommen müssen", sagte Saarbrückens Lukas Kwasniok nach der Partie, während Leverkusens Trainer Peter Bosz mit den Gedanken schon in der Zukunft war. "Man spielt ein Finale, um es zu gewinnen. Das wird der nächste Auftrag", sagte Bosz beim TV-Sender Sky.

Für die Saarländer, die mit Regensburg, Köln, Karlsruhe und Düsseldorf zuvor je zwei Erst- und zwei Zweitligisten aus dem Pokal geworfen hatten, endete die Siegesserie nun also im Halbfinale. Selbst dorthin hatte es in der Geschichte des DFB-Pokals noch kein Viertligist vor den Saarbrückern geschafft. Nach der ersten Enttäuschung darüber, dass man nun nicht im Berliner Finale stehen wird, dürfte man sich beim FCS allerdings schon bald über eine rundum gelungene Saison freuen. Die bescherte ihnen als Tabellenerstem den Aufstieg in die Dritte Liga. Und 5,4 Millionen Euro, die ihnen allein der Pokalwettbewerb einbrachte. Allein das dürfte genug sein, um in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft in die beiden Derbys gegen Kaiserslautern zu schicken.

© SZ.de/ska
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