DFB-Pokal:Kölner Déjà-vu am Punkt der Wahrheit

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DFB-Pokal: Enttäuschung pur: Kölner Spieler nach dem Pokal-Aus in Regensburg.

Enttäuschung pur: Kölner Spieler nach dem Pokal-Aus in Regensburg.

(Foto: Heike Feiner/Eibner/imago)

Wieder an Jahn Regensburg gescheitert, wieder im Elfmeterschießen: Das frühe Aus beim Tabellenführer der zweiten Liga ist für den Bundesligisten schmerzhaft - aus sportlichen und wirtschaftlichen Gründen.

Von Christoph Leischwitz, Regensburg

Eine Besonderheit im Stadion des SSV Jahn Regensburg ist, dass Trainer und Ersatzspieler gegenüber der Kabinen Platz nehmen, also jedes Mal quer übers Feld gehen müssen. Steffen Baumgart hatte in der Halbzeitpause offensichtlich viel zu besprechen gehabt, denn der Trainer des 1.FC Köln erschien erst zum Anpfiff der zweiten 45 Minuten wieder im Innenraum. Er musste also um das Spielfeld herumlaufen, als die Partie schon wieder lief, freundlich begrüßt von den eigenen Fans, die die Nähe zum beliebten Trainer nutzten, um Stimmung zu machen. Das Bild war aber auch ein Stückweit Sinnbild für das Ausscheiden der Kölner in der ersten DFB-Pokalrunde: Der Favorit hatte sich zunächst einige zusätzliche Meter aufzwingen lassen, und als es dann etwas besser lief, war es irgendwie zu spät.

Wie schon im Februar 2021 scheiterten die Geißböcke in der Oberpfalz, mit exakt dem gleichen Ergebnis nach 90 Minuten (2:2) sowie im Elfmeterschießen (3:4). "Heute haben wir Euros liegenlassen, die uns gutgetan hätten. Es fühlt sich richtig scheiße an", ärgerte sich Christian Keller, der neue Sportchef der finanziell klammen Kölner, der vom FC im Frühjahr in die Bundesliga geholt wurde, weil er nachweislich sehr gut wirtschaften kann. Keller, 43, hatte zuvor ja mit relativ wenig Geld genau jene Regensburger Mannschaft acht Jahre lang mit aufgebaut, gegen die Köln jetzt ausgeschieden ist. "Keller raus", dieses Spruchband hatten sie zu Beginn der Partie in der Regensburger Kurve hochgehalten - war das vielleicht sogar als Kompliment gemeint, weil man Keller zurückhaben möchte? Ein zweites Spruchband wenig später gab die Antwort: "... aus dem Pokal". Die Jahn-Fans sollten Recht behalten.

Der Unterschied zum letzten Aufeinandertreffen: Vor anderthalb Jahren hatten sich die Kölner nach einer 2:0-Führung in Regensburg noch die Butter vom Brot nehmen lassen. Diesmal mussten sie eine Woche vor dem ersten Bundesliga-Spieltag nach einem frühen 0:2-Rückstand (18. und 26. Minute) eine anstrengende Aufholjagd starten. Der Bundesligist präsentierte sich beim aktuellen Tabellenführer der zweiten Liga noch nicht eingespielt genug, zumindest zu Beginn. "Wir haben das Zentrum nicht zubekommen", analysierte Baumgart später die Anfangsphase, er habe deswegen auf eine Doppelsechs umstellen müssen. Kein gutes Zeichen, wenn man gezwungen ist, gegen einen niederklassigen Gegner das System zu wechseln.

Die Auswahl der fünf Kölner Schützen wirft Fragen auf

Es ist allerdings nicht so, dass die Kölner den Gegner unterschätzt hatten, davor dürfte allein schon Keller eindringlich gewarnt haben. "Wir haben uns vor dem Tor nicht so gut angestellt", beklagte Kölns Torwart Timo Horn vielmehr die Chancenverwertung auf der anderen Seite des Spielfeldes. Dennoch folgte zunächst zügig der Anschlusstreffer - durch einen herrlichen Fernschuss von Mark Uth (28.). Und abgesehen von einer kurzen Phase nach der Pause hatte Köln "das Spiel in den Griff bekommen", wie Baumgart fand. Der Ausgleich durch Dejan Ljubicic fiel früh genug, nach 63 Minuten, um innerhalb von 90 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen - zumal dieses 2:2 in seiner Entstehung bereits offenbarte, dass den Gastgebern die Kräfte schwanden. Zudem hatte die Doppeleinwechslung von Jonas Hector und Jan Thielmann (57.) dem Spiel der Kölner nach vorne gutgetan.

Danach hätten alle Regensburger Spieler "Krämpfe an jeder Körperstelle" gehabt, fand Keller. Das Problem für den FC: Uth (86.) und Anthony Modeste (90.+2) vergaben beste Möglichkeiten zum Sieg, und so halste sich der Favorit eine unnötige Verlängerung auf, in der personelle Probleme zum Frust über das Ausscheiden hinzukamen: Torjäger Modeste humpelte angeschlagen vom Platz (94.), was dem FC-Spiel nach vorne überhaupt nicht guttat. Auch Sturmpartner Uth und Verteidiger Timo Hübers waren im Anschluss an die Verlängerung lädiert. Was das für den Ligastart am nächsten Sonntag gegen Schalke 04 bedeutet, ist noch nicht absehbar.

Das Elfmeterschießen verpatzte den Kölner Pokaltag dann vollends, weil die Verteidiger Chabot und Ehiziboue an Jahn-Torwart Stojanovic scheiterten. Später mussten die FC-Verantwortlichen erklären, wer denn die fünf Schützen ausgewählt habe. Dies seien die Spieler selbst gewesen, gab unter anderem Trainer Baumgart zu Protokoll. Er wollte jedenfalls den ungewöhnlichen Umstand nicht überbewerten, dass fast ausschließlich Abwehrspieler zum Punkt gegangen waren, Elfmeterschießen sei nun mal immer eine Lotterie. Sportchef Keller glaubte allerdings gesehen zu haben, dass die Regensburger "mehr Zutrauen in ihre Abschlüsse" gehabt hätten.

Deutlich wurde, dass Baumgart keine Lust hatte, eine Fehlstart-Stimmung aufkommen zu lassen. Natürlich seien alle verärgert, sagte er, aber: "Die Leistung der Mannschaft fand ich in Ordnung, auch wie sie zurückgekommen ist." Der Fehlstart hatte so gesehen nur in der ersten halben Stunde stattgefunden, und das hatte der Trainer ein Stückweit auf seine eigene Kappe genommen.

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