Großkreutz gegen den BVB:Alles ein großer Spaß

Großkreutz gegen den BVB: Nach dem Spiel: Kevin Großkreutz, mit Tochter auf dem Arm, wird von den Dortmunder Fans gefeiert.

Nach dem Spiel: Kevin Großkreutz, mit Tochter auf dem Arm, wird von den Dortmunder Fans gefeiert.

(Foto: AFP)
  • Kevin Großkreutz verlebt ein aufregendes DFB-Pokal-Spiel gegen seine große Liebe, den BVB.
  • Sportlich gesehen verlieren der Weltmeister und sein Team Uerdingen mit 0:2 und scheiden aus.
  • Emotional ist die Partie ein Höhenflug für den gebürtigen Dortmunder - er wird davor und danach gefeiert.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Der Kevin-Großkreutz-Fanblock war voll besetzt. Karten für den Kevin-Großkreutz-Fanblock hatte es im Vorfeld nur direkt bei Kevin Großkreutz gegeben. "Ich habe meinen eigenen Fanblock", hatte der Abwehrspieler vom KFC Uerdingen noch gesagt vor jenem Erstrunden-Pokalspiel, das er mit seiner Krefelder Drittliga-Mannschaft gegen seinen Leib- und Magenklub Borussia Dortmund bestreiten durfte. Karteninhaber für den Kevin-Großkreutz-Fanblock kamen folglich zumeist aus Dortmund, weshalb der eingefleischte Dortmunder Großkreutz, weil er ja aber für Uerdingen spielt, grinsend angekündigt hatte, Dortmunder Jubel im Kevin-Großkreutz-Fanblock hernach strikt zu sanktionieren. "Wehe!", hatte er drohend gewitzelt.

Es war dies dann aber natürlich alles bloß ein großer Spaß gewesen, genauso wie das Pokalspiel gegen Dortmund, das Großkreutz und Uerdingen mit 0:2 (0:0) verloren. Schwamm drüber. "Wir können stolz sein", sagte Großkreutz später, da hatte er bereits das Spiel und mehrere Interviews absolviert, das letzte davon fürs BVB-Klub-TV sogar gemeinsam mit dem Dortmunder Marco Reus. Ihm folgte Großkreutz sodann auch noch in die BVB-Kabine, um sich dort dessen schwarz-gelbes Trikot aushändigen zu lassen. Ein Erinnerungsstück. "Heute Nacht werde ich nicht schlafen", sagte Großkreutz zum Abschied, und wer ihn kennt, weiß, das diese Schlaflosigkeit weder psychisch war noch jene eines Vaters zweier kleiner Kinder. Großkreutz hatte schlicht vor zu feiern.

Der 31-Jährige war von seiner kleinen Tochter und seinem noch kleineren Sohn aufs Spielfeld begleitet worden, wobei er seinen Sohn sogar tragen musste, weil dieser erst drei Monate alt ist. Als sich die Mannschaften begrüßten, tätschelten die Dortmunder Spieler die beiden Kinder liebevoll, man hatte fast den Eindruck, als handele es sich um ein Abschiedsspiel von Großkreutz. Und vielleicht fühlte es sich für ihn ja auch ein bisschen so an, denn nachdem er für eine Tätlichkeit am vergangenen Wochenende eine Sperre von vier Liga-Spielen bekommen hatte, darf er tatsächlich erst am 23. September wieder in der dritten Liga mitspielen.

Gegen seinen Herzensklub recht zahm

"Der Marco soll sich größere Schienbeinschoner anziehen", hatte Großkreutz vor dem Spiel gewitzelt und seinem Freund Marco Reus eine harte Gangart angekündigt, aber gegen seinen Herzensklub war Großkreutz dann natürlich ganz zahm. Er stand zusammen mit seinen neun Feldspielerkollegen recht weit hintendrin und profitierte zunächst davon, dass den individuell haushoch überlegenen Dortmundern 48 Minuten lang nichts einfiel. Auf seiner rechten Abwehrseite hatte Großkreutz mit Dortmunds zentralem Spielgestalter Reus aber gar nicht viel zu tun, eher mit Jadon Sancho und mit Dortmunds Neuen Thorgan Hazard und Nico Schulz. Doch in der 49. Minute, als ein hoher Ball in den Strafraum kam, da wollte sich Großkreutz in den fliegenden Ball hineindrehen, legte diesen Reus mit der Schulter unfreiwillig vor und knockte seinen Mitspieler Selim Gündüz mit dem Körper unfreiwillig aus. Großkreutz, dem deutschen Meister, dem Pokalsieger, dem Weltmeister, ist beim KFC Uerdingen wegen so etwas aber niemand böse. Er ist ein Held in der dritten Liga - wenn er nicht gerade einem Großaspacher Gegenspieler gemein in die Waden tritt wie am vergangenen Wochenende.

Als Dortmunds Paco Alcacer in der 70. Minute per Freistoß das 2:0 erzielte, stand Großkreutz nicht mit in der Mauer. Er musste das Gegentor ebenso machtlos mitansehen wie die letzliche Niederlage, aber kampflos wollte er sich aus diesem Spiel nicht verabschieden, und so trat er Dortmunds Nico Schulz in der zweiten Minute der Nachspielzeit im Mittelfeldnirgendwo im Laufduell noch derart auf den Fuß, dass es Schulz den Schuh auszog und Großkreutz Gelb sah. Auf seine ganz eigene Weise hatte Kevin Großkreutz in der allerletzten Minute dieses ihm so wichtigen Spiels noch einmal für Aufmerksamkeit gesorgt. Und sei es auch nur durch ein Foul.

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