DFB-Pokal Jenseits von Stefan Effenberg

Ben Zolinski feiert sein Tor im Pokalspiel gegen Ingolstadt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der SC Paderborn trifft im DFB-Pokal auf den FC Bayern. Weil der Drittligist gern im eigenen Stadion spielen wollte, verzichtet der Verein auf Einnahmen und ein Live-Spiel in der ARD.
  • Der Klub hat eine erstaunliche Geschichte hinter sich. Nur dank des Absturzes des TSV 1860 München blieb der Klub in der dritten Liga.
  • Nun ist der SC Tabellenführer - und setzt auf offensiven Fußball.
Von Ulrich Hartmann, Paderborn

Die Paderborner haben auch ihren Stolz. Sie hätten nach Bielefeld umziehen können oder nach Dortmund, um den FC Bayern München an diesem Dienstag vor ganz großer Kulisse zu empfangen und ihr Pokal-Viertelfinalspiel öffentlich-rechtlich in Millionen deutscher Haushalte übertragen zu lassen. Aber sie wollten das nicht. Sie bleiben lieber daheim in ihrer schnuckeligen 15 000-Zuschauer-Arena, in der stets um 22 Uhr die Musik und das Licht aus sein müssen, weil Anwohner das vor Gericht so eingeklagt haben. Deshalb beginnt das Spiel gegen die Bayern schon um 18.30 Uhr und deshalb gibt es auch keine Live-Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen. Die Paderborner stört das nicht. "Wir wollen unseren Fans den FC Bayern in unserem Wohnzimmer präsentieren", sagt Sportdirektor Markus Krösche. Im August 2001 hat er selbst mitgespielt, als man das bislang einzige Pokalduell mit den Bayern 1:5 verlor - wofür man damals nach Bielefeld umgezogen war.

Nach der Auslosung witzelte SC-Sportchef Krösche: "Freilos!"

Krösche saß im Publikum, als vor vier Wochen im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund das Viertelfinale ausgelost wurde. Als Horst Hrubesch den Paderbornern das Bayern-Los beschert hatte, witzelte Krösche: "Freilos!" Sie haben nämlich nichts zu verlieren. "Uns kann ja gar nichts passieren", sagt auch Trainer Steffen Baumgart. Der Verein hat von 2014 bis 2017 einen derart beispiellosen Absturz hingelegt, dass sie sich zurzeit sowieso fühlen wie im siebten Himmel: Tabellenführer in der dritten Liga und Pokal-Viertelfinalist. In den ersten drei Pokalrunden haben sie die Zweitligisten St. Pauli (2:1), Bochum (2:0) und Ingolstadt (1:0) eliminiert. Erkennbar ist in dieser Reihenfolge ein Nord-Süd-Gefälle, das geografisch jetzt mit dem FC Bayern dann sein Ende für die Paderborner finden sollte. Aber die Ostwestfalen sind gefährlich.

Sie haben unter Baumgart wieder den erforderlichen Biss - nach den vier aufregendsten Jahren des Vereins: 2014 Aufstieg in die Bundesliga, 2015 Abstieg, dann fünf wilde Monate mit Trainer Stefan Effenberg, und nachdem der wieder fort war: 2016 Abstieg in die dritte Liga und 2017 in die vierte. Drei Abstiege in Serie waren zuvor noch keinem Klub widerfahren. Bloß weil 1860 München keine Lizenz bekam, durften die Paderborner in jener dritten Liga bleiben, in der sie jetzt Tabellenführer sind. Die sportliche Wende ist Baumgart, 45, zu verdanken. Der Rostocker, als Mittelstürmer einst 225 Mal für Energie Cottbus, Hansa Rostock und den VfL Wolfsburg in der Bundesliga im Einsatz, reüssiert in Ostwestfalen als Trainer und könnte nach früheren Entdeckungen wie Jos Luhukay, Roger Schmidt und André Breitenreiter dort als Nächster eine größere Trainerkarriere beginnen. Sein Vertrag wurde soeben bis 2020 verlängert. Anfragen für Baumgart gab es laut Verein noch keine.

Dass der Trainer momentan der wichtigste Mann im Verein ist, zeigt sich daran, dass er nach den erfolglosen Übungsleitern Markus Gellhaus, Stefan Effenberg, René Müller und Stefan Emmerling den sich seit 2015 vollziehenden Absturz stoppen konnte. "Steffen Baumgart ist ehrgeizig, authentisch und bescheiden - er vermittelt seinen Fußball sehr gut und versteht es, die Jungs zu packen", schwelgt Sportchef Krösche. 55 Tore in 23 Ligaspielen zeugen von bedingungslosem Offensivfußball. Paderborn presst weit in der gegnerischen Hälfte und favorisiert ein schnelles Kurzpassspiel. Das hohe Laufpensum wird im Training akribisch geübt. Auf "115 bis 120 Kilometer pro Spiel" schätzt Krösche die Laufleistung der Mannschaft. Am Dienstagabend wolle man an der Strategie nicht rütteln, sagt der Sportdirektor. "Das ist unsere klare Philosophie - und die ändern wir auch gegen die Bayern nicht."

Obwohl die Paderborner mit ihren drei Heimsiegen bislang knapp drei Millionen Euro im Pokal verdient haben, droht ihnen im Sommer ein Schuldenstand von mehr als sechs Millionen Euro. So hohe Verbindlichkeiten hatten sie seit sieben Jahren nicht mehr. Drei Abstiege kosten ein Vermögen. Auch deshalb haben sie in der Winterpause ihren besten Angreifer Dennis Srbeny (neun Tore, elf Assists) für 1,5 Millionen Euro an den englischen Zweitligisten Norwich City verkauft. Man ist überzeugt, dass der Kader den Fortgang des treffsicheren Spielers kompensieren kann. Vier Punkte und sechs Tore in den ersten beiden Spielen nach Srbenys Wechsel stimmen die Paderborner zuversichtlich.

Gegen die Bayern droht rund ums Stadion endlich mal wieder ein zünftiges Verkehrschaos. Erst ein Mal hatten die Münchner beim SCP auch wirklich in Paderborn gespielt, im Februar 2015, als eine von Pep Guardiola trainierte Mannschaft das Bundesligaduell 6:0 gewann und Paderborns damaliger Trainer André Breitenreiter zu Guardiola sagte: "Vielen Dank für das tolle Erlebnis!"

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