DFB-Pokal:Nullnummer verhindern

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DFB-Pokal: Wird sie rechtzeitig fit? Jovana Damnjanovic (links) hat im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland erst zwei Tore erzielt - und sich dann verletzt.

Wird sie rechtzeitig fit? Jovana Damnjanovic (links) hat im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland erst zwei Tore erzielt - und sich dann verletzt.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Das Halbfinale gegen Titelverteidiger Wolfsburg markiert für die Fußballerinnen des FC Bayern das nun wichtigste Saisonspiel. Ein Erfolg ist entscheidend für die Bilanz und als Bestätigung des eigenen Selbstverständnisses.

Von Anna Dreher

Gewisse Szenen dieses WM-Qualifikationsspiels gegen Serbien dürften insbesondere die Münchner Mitglieder des deutschen Nationalteams mit gemischten Gefühlen beobachtet haben. Jene Szenen, an denen Jovana Damnjanovic beteiligt war, üblicherweise geschätzte Mitspielerin beim FC Bayern, am Dienstag kaum zu bändigende Gegnerin. Sie sahen, wie die Serbinnen die Defensive der DFB-Frauen düpierten und wie Damnjanovic clever zwei Tore zum überraschenden 3:2-Sieg beisteuerte. Die Vereinsspielerin in ihnen jedoch dürfte davon begeistert gewesen sein. Denn genau diese Durchschlagskraft und Gewitztheit wird am Sonntag (12.30 Uhr, ARD) gebraucht, wenn sie im Pokalhalbfinale auf den VfL Wolfsburg treffen.

Für die Fußballerinnen des FC Bayern ist dieses Spiel nun erstmal zum wichtigsten dieser Saison geworden. Der DFB-Pokal ist der einzige Wettbewerb, in dem sie noch eine Trophäe überreicht bekommen können - und das hatten sie sich schon anders vorgestellt.

In diese Runde war der amtierende Meister mit dem obersten Ziel der Titelverteidigung und sicherlich auch der Hoffnung auf mehr gegangen. Das Selbstvertrauen ist gewachsen, Erfolge gehören zum Selbstverständnis. Doch nachdem die Wolfsburgerinnen die Bayern vor zwei Wochen mit 6:0 überrannten und die Tabelle bei drei verbleibenden Bundesliga-Partien nun mit vier Punkten Vorsprung anführen, gilt die Schale 2022 als vergeben. Da waren drei Niederlagen - zwei gegen den VfL, eine gegen Frankfurt - und ein Unentschieden gegen Potsdam zu viel. "Wir wissen, dass wir zu 100 Prozent an unsere Leistungsgrenze kommen müssen, vielleicht auch 101 Prozent, um diesen Gegner zu schlagen", sagt Bayerns Trainer Jens Scheuer. "Ich weiß aber auch, dass wir das können."

Das Problem des FC Bayern ist das aktuell besonders große Selbstvertrauen der Wolfsburgerinnen

Für die Frauen des FC Bayern gestaltet sich die Lage nun ein wenig so, wie bei den Männern des FC Bayern, denen allein der Meistertitel bleibt und wo Fragen zur Qualität des Kaders und der Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann aufkommen. Diese Fragen ploppen bei den Frauen in dieser Form zwar nicht auf, weil die letztlich entscheidende Liga-Niederlage gegen Wolfsburg und das Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris Saint-Germain auch auf viele Corona-Infektionen im Kader zurückzuführen waren. Um die Bewertung dieser Saison und daraus zu ziehende Schlüsse geht es aber durchaus. Und da ist es erheblich, ob das Team weiter auf einen zweiten Pokalsieg nach 2012 hoffen kann.

DFB-Pokal: Welchem Trainer gelingt die bessere Vorbereitung? Wolfsburgs Tommy Stroot (links) und Bayerns Jens Scheuer treffen mit ihren Teams im Pokalhalbfinale aufeinander.

Welchem Trainer gelingt die bessere Vorbereitung? Wolfsburgs Tommy Stroot (links) und Bayerns Jens Scheuer treffen mit ihren Teams im Pokalhalbfinale aufeinander.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

"Wir wollen zeigen, dass wir nicht die Mannschaft sind, die vor zwei Wochen in Wolfsburg aufgetreten ist", sagt Scheuer. Es wird allein deshalb eine andere sein, weil alle zuvor isolierten Spielerinnen zurückkehren. Dafür fallen auf beiden Seiten Torhüterinnen aus. Beim FC Bayern laboriert Laura Benkarth an einer Knieverletzung, Cecilia Runarsdottir hat sich im Training die Hand gebrochen. Der VfL muss wohl auf Almuth Schult (Schulterzerrung) und Katarzyna Kiedrzynek (Schulter) sowie sicher auf Lisa Weiß (gebrochener Finger) verzichten.

Aber auch ein Einsatz der vierten Keeperin Julia Kassen, 19, in einer so wichtigen Partie kratzt nicht am Selbstvertrauen der Wolfsburgerinnen. Zu Platz eins in der Liga kommt das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona hinzu. Das Hinspiel im Camp Nou ist ausverkauft, es könnten also mehr als 96 000 Zuschauer kommen. Für den VfL ist das zweite Triple nach 2013 möglich, und das, obwohl es mit dem neuen Trainerteam um Tommy Stroot und einigen Wechseln einen Umbruch gab. Den Pokal hat der Klub zudem die vergangenen sieben Jahre in Serie gewonnen. "Das ist schon ein Vorteil", sagt Stroot. "Hinzu kommt, dass meine Gruppe genau in diesen Spielen immer funktioniert und immer geliefert hat."

Für die Wolfsburgerinnen geht es darum, eine Saison, in die sie ohne konkretes Ziel gestartet waren, weiter zu einer besonderen machen zu können. Für die Münchnerinnen um das Verhindern einer Nullnummer. Da wäre die Offensivpower von Jovana Damnjanovic erst recht wichtig. Blöderweise gab es am Dienstag noch eine Szene, die Bayerns Nationalspielerinnen mit gemischten Gefühlen beobachteten: Damnjanovic verletzte sich am Sprunggelenk. Es sieht so aus, als könnte sie spielen, heißt es, sicher aber ist es nicht.

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