Kevin Großkreutz gegen den BVB:Sein Fußball, seine Familie, sein Dortmund

Bayern Muenchen II v KFC Uerdingen - 3. Liga

Kevin Großkreutz im Trikot des KFC Uerdingen.

(Foto: Getty Images for DFB)
  • Kevin Großkreutz war erst BVB-Fan, dann wurde er Profi und gewann mit Borussia Dortmund die zwei Meisterschaften und den Pokal.
  • Doch mittlerweile ist die Karriere des Weltmeisters von 2014 ins Straucheln geraten, er spielt jetzt in der 3. Liga bei Uerdingen.
  • Am Freitag trifft er im Pokal auf seine große Liebe aus Dortmund - es ist ein besonderes Spiel für ihn.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Kevin Großkreutz sagt: "Ich bin seit meiner Kindheit Fan von Borussia Dortmund, aber für diese 90 Minuten kenne ich keine Freunde." Man könnte das als Drohung verstehen, wenn man beobachtet hat, wie der Fußballer jüngst im Drittligaspiel seines KFC Uerdingen dem Großaspacher Dimitry Imbongo Boele abseits des Ballgeschehens von hinten gegen die Wade trat. Am Mittwoch wurde Großkreutz deshalb vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds zu einer Sperre von vier Spielen plus zwei auf Bewährung verurteilt. Die Strafe gilt aber nur für die dritte Liga. Das Erstrundenspiel im DFB-Pokal am Freitagabend gegen Dortmund darf er mitmachen. Glück für Großkreutz. "Das wird ein geiles Spiel", sagt er.

Man darf natürlich nicht davon ausgehen, dass der lebenslange BVB-Fan Großkreutz irgendeinem BVB-Fußballer vorsätzlich Schaden zufügen wird. Das wäre für den 31-Jährigen wie ein Stich ins eigene Herz, und er müsste um seine Beliebtheit fürchten in seiner Heimatstadt. "Als wir den BVB zugelost bekommen haben, bin ich durchgedreht und hatte innerhalb von zwei Minuten 200 Whatsapp-Nachrichten auf dem Handy", berichtet Großkreutz. Für den 2014er-Weltmeister, der seit einem Jahr beim Drittligisten Uerdingen spielt, ist die Partie gegen Dortmund der Höhepunkt des Fußballjahres. Im Düsseldorfer Stadion werden mehr als 30 000 Zuschauer erwartet.

Großkreutz hat früher offensiv gespielt, in Krefeld ist er jetzt Verteidiger. Das Verteidigen ist aber sowieso ein bisschen zu einer Lebensaufgabe geworden, denn in den vergangenen Jahren sind ihm immer wieder Malheure passiert, bei denen aufgeregtere Medien von Skandalen sprechen. 2014 hat er nach dem verlorenen Pokalfinale mit dem BVB gegen Bayern München nächtens in die Lobby eines Berliner Luxushotels uriniert, im selben Jahr soll er in seiner Freizeit einem pöbelnden Fan einen Döner hinterhergeschleudert haben. Der britische Guardian hat Großkreutz damals in eine Liste der zehn unfairsten Sportler des Jahres gewählt. 2017 mit einer nächtlichen Prügelei im Stuttgarter Rotlichtviertel bewarb sich Großkreutz noch einmal, allerdings vergeblich, um die Aufnahme in eine solche Liste. Als er im vergangenen Mai am Rande eines Kreisligaspiels in Dortmund-Kemminghausen wieder in Scharmützel verstrickt war, lautete die einhellige mediale Resonanz indes, er sei von einer grantigen Gruppe verdroschen worden.

Für sein Tattoo vom Weltmeisterpokal wird Großkreutz verspottet

Großkreutz führt ein ganz schön körperliches Leben, was bei einem impulsiven Fußballprofi aber auch nachvollziehbarer erscheint als bei einem braven Buchhalter. Offenbar transferiert Großkreutz reichlich Adrenalin aus dem Fußball ins bürgerliche Leben. Und er hat viel Emotionales erlebt. Seine Erfolge rühren aus jener Zeit, als er zwischen 2009 und 2015 für Borussia Dortmund gespielt hat. Er wurde 2011 und 2012 mit dem BVB Meister und 2012 zusätzlich Pokalsieger. 2014 wurde er sogar Weltmeister, wenn auch ohne eine einzige Minute mitgespielt zu haben. Dass er sich hinterher neben dem DFB-Pokal und der Meisterschale auch den Weltpokal auf die hintere linke Schulter tätowieren ließ, hat ihm nochmals Spott eingebrockt.

Mit diesem Gefühl kommt Großkreutz aber ganz gut zurecht. Sein Fußball, seine Familie und sein Dortmund prägen seine Gefühlswelt. In Großkreutz steckt mehr Dortmund als in den meisten gegenwärtigen BVB-Fußballern. Er wurde in dieser Stadt geboren, ist BVB-Mitglied, trägt ein Tattoo der Dortmunder Skyline auf der rechten Wade, ist in der Stadt Mitbesitzer eines Schnitzelrestaurants und überdies ehrenamtlicher Co-Trainer bei seinem Dortmunder Kindheitsklub VfL Kemminghausen in der Bezirksliga.

Gegen den BVB hat Großkreutz erst ein Mal gespielt, das war im Februar 2016 und auch schon im Pokal, als er mit seinem damaligen Klub VfB Stuttgart im Viertelfinale 1:3 unterlag. Der sonst so aufbrausende Spieler hat sich damals sehr anständig benommen, niemandem etwas zuleide getan und die Niederlage tapfer ertragen. Auch diesmal dürfte man von ihm eher die Schokoladenseite zu sehen bekommen, zumal sein Ziel ist, nach dem Abpfiff das Trikot seines Freundes Marco Reus zu holen. Vorher, sagt er aber, "wollen wir den BVB noch richtig ärgern".

© SZ vom 08.08.2019/kfre
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