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Fußball:Finger weg vom DFB-Pokal!

1. FC Saarbrücken - Fortuna Düsseldorf

Ein Viertligist, der es bis ins Halbfinale brachte: Das Beispiel des 1. FC Saarbrücken zeigt den Charme des Pokals.

(Foto: dpa)

Ja, der FC Bayern ist Dauergast im Finale. Doch der Pokal ist mit seiner herrlich altmodischen Wettbewerbsanordnung trotzdem ein Geschenk gegen die Eintönigkeit. Man möge ihn bitte nicht ändern.

Kommentar von Martin Schneider

Jedes Fußballspiel vor leeren Rängen ist ein trauriges, aber beim DFB-Pokalfinale war es besonders bitter. Es ist ja normalerweise der letzte Fußballtag einer langen Saison, meistens ist auch noch das Wetter super. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die schon einen Erfolg feiern können (das Erreichen des Endspiels) und auf einen noch größeren hoffen - was in Berlin am Alexanderplatz und an der Gedächtniskirche, wo sich die Anhänger treffen, eine immense, fast greifbare Vorfreude erzeugt.

Es ist im Stadion dann das einzige Spiel des Jahres, in dem zwei gleich große Fanblöcke mit gleichen Waffen um die Stimmungshoheit ringen und das Berliner Olympiastadion ist auch eine Stätte, die nur voll und bei schönem Wetter ihre ganze Kraft entfaltet. Wer sich schonmal im Februar, sagen wir, Hertha gegen Augsburg dort angeschaut hat, weiß das sehr gut. Welche Emotionen so ein Endspiel auslösen kann - man mag sich nur nochmal die Frankfurter nach Gacinovics 3:1 gegen den FC Bayern anschauen. Alles ausgefallen in diesem Jahr. Aus guten Gründen natürlich. Trotzdem schade.

Aber irgendwann wird Corona auch wieder vorbei sein - und der DFB-Pokal wird wieder zurückkommen und man kann nur hoffen, dass sich dann an diesem Wettbewerb nichts, aber auch gar nichts ändern wird. Denn in Zeiten, in denen sich im Fußball fast überall die Verhältnisse zementieren, in denen starke Vereine noch stärker werden und zum Beispiel nach der achten gewonnenen Meisterschaft nacheinander die Konkurrenz auffordern "sich noch mehr anzustrengen", um kurz darauf Leroy Sané zu verpflichten, wehrt sich der DFB-Pokal noch immer tapfer gegen die Eintönigkeit.

Sein Widerstand wird schwächer, keine Frage. Der FC Bayern hat von den vergangenen zehn Runden fünf gewonnen, dazu stand er zweimal im Finale. Die zweitbeste deutsche Mannschaft, der BVB schaffte es in der gleichen Zeit fünfmal ins Endspiel (zwei Siege) - macht von 20 zu vergebenden Finalplätzen zwölf an die beiden besten deutschen Teams. Aber angesichts der bombenfesten Verhältnisse in der Bundesliga, sind acht freie Finalplätze für den "Rest" fast schon viel. Und auch der Weg zum Finale ist aufregender als die Liga. In diesem Jahr ist der BVB zum zweiten Mal am Relegationsteilnehmer Werder Bremen gescheitert und der FC Bayern fast am VfL Bochum. Und der 1. FC Saarbrücken, ein Viertligist, war im Halbfinale.

Eine herrlich altmodische Wettbewerbsanordnung

Diese herrlich altmodische Wettbewerbsanordnung von einem einzigen K.o.-Spiel gibt der Irrationalität des Fußballs noch eine kleine Chance. Über eine Saison lang hält niemand mehr dem FC Bayern stand - über 90 oder 120 Minuten ist es zumindest denkbar. Diese kleine Hoffnung ist ein Geschenk in einer Welt, in der Spitzenvereine den Zufall am liebsten komplett ausschließen wollen.

Die Uefa oder auch die Fifa haben bei ihren Premiumwettbewerben Champions-League und WM schon lange Setzlisten und Gruppenphasen eingeführt, um Topteams möglichst spät aufeinandertreffen zu lassen. Manche sagen auch: Um sie zu schützen. Als der FC Bayern 2016 im Achtelfinale der Königsklasse auf Juventus Turin traf, tobte Karl-Heinz Rummenigge und wollte solche Spiele verhindern ("Irgendwann reicht's mir mit dem Schicksal.") Im DFB-Pokal gibt es bis auf eine Ausnahme nur das Schicksal: In der ersten Runde spielen Amateure gegen Profis. Ab dann wird wild vor sich hin gelost und in der zweiten Runde kann schon der BVB gegen den FC Bayern spielen.

Es soll bloß kein Verantwortlicher beim DFB auf die Idee kommen, an dieser Anordnung etwas zu ändern. Man sollte dankbar dafür sein, dass der Wettbewerb Erfolge wie die der Saarbrücker, oder von Arminia Bielefeld (2015 als Drittligist im Halbfinale) oder von Eintracht Frankfurt mit ihren beiden Finalteilnahmen auch in modernen Zeiten zumindest ermöglicht. Auch wenn es nicht jedes Jahr klappt - allein das Wissen, dass es theoretisch noch geht, gibt dem Wettbewerb eine Energie und Faszination, die ihn in Zeiten von Serienmeistern zu etwas Besonderem macht.

Wobei: Eine kleine Sache könnte man vielleicht doch ändern. Man könnte dem unterklassigen Verein immer das Heimrecht gewähren. Oder zumindest allen unterklassigen Vereinen, die gegen einen Europapokalteilnehmer spielen.

© SZ vom 05.07.2020/chge
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