DFB-Pokal-Finale:Wolfsburgs achter Streich in Serie

Lesezeit: 3 min

DFB-Pokal-Finale: Immer dasselbe: Der VfL Wolfsburg feiert den Pokalsieg.

Immer dasselbe: Der VfL Wolfsburg feiert den Pokalsieg.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Der VfL gewinnt überlegen das DFB-Pokalfinale mit 4:0 gegen Turbine Potsdam und unterstreicht seine Vormachtstellung. Auch der Weggang von Torhüterin Almuth Schult wird daran wohl nichts ändern.

Von Ulrich Hartmann

Fünf Minuten vor Schluss ist die Torhüterin Almuth Schult mit nach vorne gegangen. Das machen Torhüterinnen eigentlich nur im Notfall, nämlich wenn ihr Team unbedingt noch einen Treffer braucht. Bei Schult lag der Fall anders. Ihr VfL Wolfsburg führte im Endspiel um den DFB-Pokal gegen Turbine Potsdam bereits mit 4:0, aber es brachen nach neun Jahren nun Schults letzte fünf Minuten im Trikot des VfL an. Und so beschloss sie, "etwas Verrücktes" zu machen und bei einer Ecke mit nach vorne zu gehen. "Im Training in der Woche hatte ich sogar ein Seitfalltor geschossen und es wäre doch lustig gewesen, wenn ich mal ein Tor für Wolfsburg geschossen hätte", erzählte sie.

Aus einem lustigen Abschiedstreffer im Pokalfinale ist zwar nichts geworden, aber als Wolfsburgs achter Pokalsieg in Serie und der neunte insgesamt mit diesem 4:0 (3:0)-Sieg perfekt war, war es der nach Los Angeles wechselnden Schult immerhin vorbehalten, dem Trainer Tommy Stroot das erste Bier über den Kopf zu gießen. Zu diesem Zweck schlich sie sich mit dem Rücken voran und das riesige Bierglas mit dem Körper verdeckend an den Trainer heran. Dann vollendete sie routiniert.

Von Vollendung wollen sie in Wolfsburg in Sachen Titel noch lange nichts wissen. "Alle neune", stand auf ihren Jubel-T-Shirts. Es wäre keine Überraschung, müssten sie sich fürs kommende Jahr etwas Lustiges mit einer Zehn ausdenken. Erst dann hätten sie auch den Rekord für sich allein. Mit ihrem neunten Pokal-Titel haben sie zunächst nur den Rekordhalter 1. FFC Frankfurt eingeholt.

DFB-Pokal-Finale: Und schon klingelts: Ewa Pajor (rechts) trifft per Kopf schon nach elf Minuten zum 1:0 für Wolfsburg.

Und schon klingelts: Ewa Pajor (rechts) trifft per Kopf schon nach elf Minuten zum 1:0 für Wolfsburg.

(Foto: Darius Simka/Regios24/Imago)

Pokal-Endspiele sind also ein Faible der Wolfsburgerinnen, aber ganz besonders ist es ein Faible ihrer Mittelstürmerin Ewa Pajor. Die 25 Jahre alte Polin hatte mit ihrem Heimatklub Medyk Konin bereits zwei Mal den polnischen Pokal gewonnen, mit Wolfsburg gelang ihr am Samstag nun ihr siebter Gewinn des DFB-Pokals. Dabei sein ist für die gewiefte Angreiferin dabei durchaus nicht alles. Bereits 2019 (gegen den SC Freiburg) und 2021 (gegen Eintracht Frankfurt) hatte sie jeweils das goldene Tor zum 1:0-Finalsieg geschossen - diesmal führte die nur 1,67 Meter große Spielerin ihren VfL mit zwei Kopfballtreffern (11. und 32.) auf die Siegerstraße. Die weiteren Treffer erzielten Jill Roord (42.) und Dominique Janssen (70.).

Immer wieder Wolfsburg: "Es wird Zeit", sagt Potsdams Isabel Kerschowski - und meint einen neuen Sieger

Es war nicht die höchste Final-Niederlage in der Geschichte des DFB-Pokal-Wettbewerbs der Frauen, diese hatte 2009 allerdings auch Turbine Potsdam erlitten mit einem 0:7 gegen den FCR Duisburg. Es war damals das letzte Frauenpokalfinale im Berliner Olympiastadion, Duisburgs Trainerin war die heutige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und den finalen 7:0-Treffer erzielte die heutige Wolfsburgerin Alexandra Popp. Seit 2010 wird das Finale der Frauen nun jedes Jahr in Köln ausgetragen mit ordentlicher, aber noch ausbaubarer Kulisse. Den Triumph der Wolfsburgerinnen, die ihr Champions-League-Halbfinal-Hinspiel beim FC Barcelona vor fünf Wochen (1:5) vor 91 648 Zuschauern im Stadion Camp Nou ausgetragen hatten, sahen am Samstag 17 531 Zuschauer. Hineingepasst hätten angesichts der vollständigen Bestuhlung gut 46 000 Zuschauer.

Ob mehr gekommen wären, wenn der Pokalwettbewerb nicht wie im Abonnements-Verfahren jedes Jahr an den VfL Wolfsburg ginge? "Es wird Zeit", hatte die Potsdamerin Isabel Kerschowski, 34, vor ihrem allerletzten Spiel als Profifußballerin gesagt, und wenn man auch hätte denken können, diese Aussage beziehe sich auf ihr Karriere-Ende, so hatte sie damit doch vielmehr gemeint, dass man die Wolfsburgerinnen nicht auch ihr achtes Pokalfinale in Serie gewinnen lassen wollte.

Am 16. November 2013 hat der VfL Wolfsburg letztmals ein Pokalspiel verloren (0:1 beim 1. FFC Frankfurt), am Samstag gegen Potsdam wollte Kerschowski den 40. Wolfsburger Sieg nacheinander in einem Pokalspiel verhindern, doch als sie in der 56. Minute eingewechselt wurde, stand es bereits 3:0 für Wolfsburg. Da war nicht mehr viel zu machen.

"Die Mannschaft hat genau das gezeigt, was sie schon die ganze Saison auszeichnet", lobte Almuth Schult: "Spielfreude, Geduld, Tore." Bei der bislang letzten Pokal-Niederlage 2013 war sie auch bereits dabei. "Über die ärgere ich mich immer noch", sagte sie nun und lachte. Um künftige Erfolge ihres VfL nach ihrem Wechsel in die USA macht sie sich keine Sorgen. Der außergewöhnliche Teamgeist werde beim VfL sozusagen von Generation zu Generation weitergegeben. Das war eine Warnung an die Konkurrenz. Es klang so, als könnte der VfL Wolfsburg den Pokal-Wettbewerb noch auf Jahre hinaus dominieren.

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