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FC Bayern im DFB-Pokal:Klug, effizient und routiniert

FC Bayern: Spieler nach dem Pokalspiel 2020 gegen Schalke 04

Am Ende die verdienten Sieger: Manuel Neuer, Serge Gnabry und Thomas Müller (v. l. n. r.).

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern setzt sich knapp mit 1:0 (1:0) beim FC Schalke 04 durch und steht im Pokal-Halbfinale.
  • Joshua Kimmich gelingt das Tor des Abends kurz vor der Halbzeit.

Ein Torschuss kann im Pokal manchmal alles entscheiden, weiter oder raus, Halbfinale oder Endstation. Der Schuss, der dieses Pokalviertelfinale am Dienstagabend in Gelsenkirchen entschieden hat, war jedoch keiner, der ins Tor ging. Sondern einer, den der Torwart lässig aufgreifen konnte.

Die 65. Minute, Schalke 04 attackierte noch einmal, wie meistens an diesem Abend über die rechte Seite, Rabbi Matondo flankte den Ball in die Mitte, und dort wartete der soeben eingewechselte Benito Raman, noch hatte er den Ball nicht berührt, und was wäre das für eine Geschichte gewesen: ein Tor gegen den FC Bayern, mit der ersten Ballberührung. Doch Matondo flankte zu spät, er flankte vor allem viel zu schwach, und so berührte erst der Münchner Thiago Alcántara den Ball, Raman schoss dennoch gleich mit seiner ersten Ballberührung aufs Tor. Doch es war kein Schuss, vor dem sie auf Schalke noch jahrelang reden werden. Langsam rollte der Ball zu Manuel Neuer. Es war der letzte Schalker Schuss, der der Partie noch eine andere Wendung hätte geben können.

1:0 (1:0) gewann der FC Bayern sein Viertelfinale in Schalke, die Münchner hätten auch höher gewinnen können, die Dominanz dazu hatten sie, auch die Torchancen - die Schalker hätten aber auch zumindest eine Verlängerung erzwingen können, auch dazu hatten sie ihre Chancen. Doch so waren die Bayern weiter, und die Schalker waren raus. "Wirklich Fußball zelebrieren konnte man nicht. Wir hatten gute Chancen und die Spielkontrolle", lobte Kapitän Neuer. "Wir waren nicht chancenlos", sagte Schalkes Kapitän Guido Burgstaller. Und wenn es schon nicht fürs Halbfinale gereicht hatte, so freute er sich zumindest darüber, es den Bayern "alles andere als einfach" gemacht zu haben. Der Münchner Trainer Hansi Flick musste seine Elf vor der Partie wieder umbauen, zu der ohnehin beachtlichen Liste an Ausfällen gesellte sich noch Innenverteidiger Jérôme Boateng, aufgrund eines Magen-Darm-Infekts. Flick stellte Joshua Kimmich in die Abwehrmitte, für ihn spielte im Mittelfeldzentrum Corentin Tolisso, und die verletzte Sturmspitze Robert Lewandowski ersetzte Thomas Müller. Auch Schalkes Trainer David Wagner kennt den personellen Verzicht zurzeit gut, er wechselte fünfmal im Vergleich zum 0:3 am Wochenende in Köln - ein Teil der Rochade war auch eine Erziehungsmaßnahme, so harmlos war sein Team zuletzt gewesen. Doch harmlos, das war Schalke 04 am Dienstag ganz sicher nicht.

Ganz besonders nicht in den ersten 20 Minuten. Der Favorit, also der FC Bayern, bestimmte das Tempo der Partie, die Gäste hatten mehr Ballbesitz, weiter und weiter näherten sie sich mit ihrem Passspiel dem Schalker Strafraum, der Druck stieg und stieg und stieg. Wirklich gefährliche Szene erspielten sich die Bayern zunächst aber nicht, die ersten gefährlichen Angriffe waren allew Angriffe des FC Schalke 04. In der zwölften Minute setzte sich Weston McKennie auf dem rechten Flügel gegen David Alaba und Corentin Tolisso durch, er flankte in den Strafraum, und dort legte sich Kapitän Guido Burgstaller artistisch quer, der Ball sprang auf, er sprang über den einstigen Schalker Neuer hinweg - und landete an der Latte. In der 20. Minute traf Burgstaller dann ins Tor, er war zuvor aber mit ein paar Schnauzbarthaarspitzen im Abseits gestanden.

Die Bayern überwanden die Defensive des Gastgebers oft mit langen Bällen der Innenverteidiger Alaba und Kimmich, in der 16. Minute zum Beispiel spielte Alaba so auf die rechte Seite zu Benjamin Pavard, der zurücklegte zu Leon Goretzka - der zweite Ex-Schalker im Münchner Team verfehlte das Tor knapp. Vor die erste große Herausforderung stellte Schalkes Torwart Markus Schubert aber kein Münchner, sondern einer der eigenen Verteidiger: Nach einer Flanke von Kimmich köpfte Jean-Clair Todibo den Ball auf das eigene Tor, Schubert reagierte schnell (38.). Zwei Minuten später allerdings war er chancenlos, nach einem Eckball schoss Kimmich volley, durch die Beine zweier Schalker, war das Tor des Abends.

In der zweiten Halbzeit nutzten die Bayern ihren Ballbesitz erst einmal nicht, um selbst vor das Tor des Gastgebers zu kommen, sie nutzten ihn erst einmal hauptsächlich, um Schalke vom eigenen Tor fernzuhalten. Das war klug, effizient und routiniert, Flick lobte zufrieden eine "clevere Leistung" - es stand einem denkwürdigen Pokal-Abend aber im Weg. In der 62. Minute schlenzte Coutinho dann den Ball knapp über das Tor, es war der Auftakt zu einer Phase, in der beide Teams mehr riskierten. Drei Minuten später flankte Rabbi Matondo jene Flanke, die Raman nicht nutzen konnte. Es sollte die letzte große Schalker Chance zum Ausgleich bleiben. Dieser Angriff schien die Münchner jedoch aus ihrem Ruhemodus rauszureißen, sie erspielten sich nun fast im Minutentakt Möglichkeiten. Serge Gnabry scheiterte an Schubert (69.), Goretzkas Kopfball flog am Pfosten vorbei (69.), ein Fallrückzieher von Goretzka landete auf dem Tornetz (72.), Gnabry traf das Außennetz (79.). Zwischendurch hatte Schalke fast noch eine Chance, doch nach einem missratenen Rückpass von Kimmich rannte Neuer gerade noch rechtzeitig weit aus seinem Tor heraus, um vor Burgstaller zu klären (77.). Neuer durfte wohl auch an diese Szene gedacht haben, als er später "eine tolle Defensivleistung" seiner Mannschaft lobte. Und so blieb dem Gastgeber keine Möglichkeit mehr für den einen, alles verändernden Torschuss.

© SZ vom 04.03.2020
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