1. Runde im DFB-PokalKöln und der HSV danken ihren Nachspielzeitrettern

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Eric Martel vom 1.FC Köln schießt das 1:1 für Köln in der sechsten Minute der Nachspielzeit.
Eric Martel vom 1.FC Köln schießt das 1:1 für Köln in der sechsten Minute der Nachspielzeit. (Foto: Daniel Löb/dpa)

Die beiden Traditionsklubs wenden ein frühes Pokalaus ganz spät noch ab, 41 Paraden von Norderstedts Torhüter sind nicht genug und Frankfurt tritt ohne Kapitän Kevin Trapp an. Geschichten aus der ersten Pokalrunde.

Von Sebastian Fischer und Martin Schneider

Jahn Regensburg - 1. FC Köln 1:2 (0:0)

Der 1. FC Köln, Launigkeiten nicht abgeneigt, hat es in den vergangenen 17 Jahren dennoch stets vermieden, in der ersten Pokalrunde zu stolpern. Nur einmal war direkt Schluss, 2023, gegen – genau – Jahn Regensburg. Und bis zur fünften Minute der Nachspielzeit sah es so aus, als würde der FC zum insgesamt dritten Mal in sechs Jahren am Jahn verzweifeln, 2021 war gegen Regensburg im Achtelfinale Schluss. Doch als die Uhr 90+6. anzeigte, knallte Eric Martel den Ball zum Ausgleich ins Netz. Damit nicht genug, zwei Minuten später ersparte Düsseldorf-Zugang Isak Johannesson dem Neu-Trainer Lukas Kwasniok auch noch die Verlängerung. Von „Blamage“ zu „Motivationsschub“ in zwei Minuten. Aber wie gesagt: Erste Pokalrunde können sie normalerweise in Köln.

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FK Pirmasens – Hamburger SV 1:2 n.V. (1:1, 0:0)

Sogar die erste Pokalrunde wird mittlerweile vermessen. Auch in Provinzstadien in der Südpfalz wird gezählt und notiert, und so konnte jeder nach dem Spiel herausfinden, dass Pirmasens 3,03 Expected Goals, also erwartet Tore, hätte erzielen können, der HSV dagegen nur 1,99. Beim Klassiker, den Torschüssen, lagen der Oberligist und der Wieder-Bundesligist zwar nahezu gleichauf (16:17), aber die Zahlen verdeutlichen, dass die Hamburger nicht nur dahingehend Dusel hatten, dass der eingewechselte Guilherme Ramos erst in der 90.+2. Minute noch den Ausgleich köpfte. „Sie wissen ja, dass wir uns nicht in die eigene Tasche lügen“, leitete Sportvorstand Stefan Kuntz seine Analyse nach dem Spiel ein und machte „richtig Glück“ als Hauptursache für das Weiterkommen aus.

Arminia Bielefeld – SV Werder Bremen 1:0 (0:0)

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn Spieler sich öffentlich zur Transferpolitik äußern. Auch wenn nach einer Pokalerstrunden-Niederlage, die so denkbar war, dass das Wort „Überraschung“ diskussionswürdig ist, auch die Emotionen bei Marco Friedl sicher eine Rolle spielten. „Immer abgeben, abgeben – da muss man auch was holen“, forderte der Kapitän nach dem Spiel. „Wir haben einige verloren im Vergleich zum letzten Jahr und wenig gemacht. Deshalb hoffe ich, dass noch was passiert. Da braucht man nicht drum herumreden.“ Erst einmal geht aber noch ein Bremer: Torhüter Michael Zetterer schließt sich Eintracht Frankfurt an (siehe unten).

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Eintracht Norderstedt – FC St. Pauli 2:3 i.E. (0:0)

Der Torhüter des krassen Außenseiters ist in jeder ersten Pokalrunde der heißeste Anwärter auf den inoffiziellen Titel des Spielers des Tages. Im Fall von Manuel Riemann (später VfL Bochum), der 2007 als 18-Jähriger mit Wacker Burghausen bis zum (verlorenen) Elfmeterschießen die Angreifer des FC Bayern verzweifeln ließ, haben so auch schon Bundesligakarrieren begonnen. Diese Entwicklung ist bei Lars Huxsohl vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt eher unwahrscheinlich, er ist schon 29. Aber besonders war sein Auftritt beim Aus nach Elfmeterschießen gegen den FC St. Pauli allemal. Ganze 41 Torschüsse des Bundesligisten in 120 Minuten führten dank zahlreicher Huxsohl-Glanzparaden nicht zum Erfolg. „Mir hat’s auch richtig Spaß gemacht, nach links und rechts zu springen“, sagte er.

Energie Cottbus – Hannover 96 1:0 (1:0)

Torhüterheldenstory, nächster Teil: Der Klassenunterschied zwischen dem Drittliga-Spitzenteam Cottbus und  dem Zweitligisten Hannover war nicht ganz so groß, viel aufs Tor des FC Energie gab’s trotzdem. Dort stand nicht der Stammkeeper Elias Bethke, der sich beim Aufwärmen verletzte und vom Platz geführt werden musste, sondern Ersatzmann Alexander Sebald. Der hielt in der ersten Halbzeit unter anderem einen Hannoveraner Strafstoß. In der zweiten Hälfte tat er sich dann bei einem Abschlag selbst weh, musste behandelt werden, spielte weiter. Und hatte auch etwas Glück: Einen abgefälschten Schuss in der Nachspielzeit, der den Ausgleich bedeutet hätte, ließ er durch – doch der Treffer zählte wegen einer Abseitsstellung nicht.

FV Engers – Eintracht Frankfurt 0:5 (0:2)

Und Torwart-Geschichte Nummer drei, wenn auch etwas anders: Der Auftritt beim Fünftligisten aus Rheinland-Pfalz hätte die Abschiedsvorstellung von Kevin Trapp sein können, Trainer Dino Toppmöller hatte am Freitag noch angekündigt, dass der neunmalige Nationalkeeper im Tor stehen werde. Dann allerdings vermeldete die Eintracht am Sonntag offiziell, dass Trapp, 35, im Kader fehle, weil er sich in Gesprächen mit einem anderen Klub befinde. Zum zweiten Mal in seiner Karriere geht er nach Paris, diesmal nicht zu PSG, sondern zum Aufsteiger PFC – und Frankfurt verliert einen der wichtigsten Fußballer der jüngeren Vereinsgeschichte, der für immer für den Europa-League-Sieg 2022 stehen wird. Als Ersatz soll Michael Zetterer von Werder Bremen kommen. Stammkeeper Kaua Santos ist noch verletzt. In Engers im Tor stand die Nummer drei, Jens Grahl. Er hatte recht wenig zu tun.

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BFC Dynamo – VfL Bochum 1:3 (1:1, 0:0)

Die erste Pokalrunde ist auch eine der letzten Fußballrefugien, in denen der Videoschiedsrichter nicht eingreift. Was aber natürlich bedeutet, dass die Referees auf sich gestellt sind. Und weil es so viele Spiele sind, ergibt sich auch oft die tückische Kombination: Unerfahrener Unparteiischer muss ohne Hilfe ein hitziges Spiel leiten. So passiert im Sportforum Hohenschönhausen, wo Felix Wagner, gerade in die zweite Liga aufgestiegen, dem VfL Bochum früh im Spiel zwei Elfmeter verwehrte, und beim BFC in der 80. Minute eine Notbremse sah, bei der das Foul zumindest nicht vollkommen offensichtlich war. „Der Schiri hatte zum Schluss ein schlechtes Gewissen“, vermutete Bochums Gerrit Holtmann. „Am Ende hat er, glaube ich, eine rote Karte für BFC gegeben, die keine war.“ Immerhin: Der zweite Platzverweis gegen Dynamo, ein Schlag ins Gesicht, war glasklar. Wagner wird aus der Partie lernen, er gilt als Talent, ist aktuell mit erst 24 Jahren der jüngste Schiedsrichter in den ersten beiden Ligen.

FV Illertissen - 1. FC Nürnberg 6:5 i.E. (3:3, 2:0)

Der FV Illertissen war bisher über die Stadtgrenzen hinaus vor allem dank eines Mannes bekannt: Stefan Dömsödi. Der feuerte seinen Verein im Jahr 2013 beim Auswärtsspiel in Fürth, wohlgemerkt gegen Fürth II, alleine an und sang optimistisch von der baldigen Europapokalteilnahme des damaligen und jetzigen Regionalligisten. Weil davon ein Video im Internet landete, freuten sich viele Menschen mit dem einsamen Trommler. Nun ist Illertissen wieder in den überregionalen Medien – wegen eines dramatischen Sieges nach Elfmeterschießen gegen den 1. FC Nürnberg, wohlgemerkt Nürnberg I. Nun braucht der Klub übrigens nur noch fünf Siege, dann würde Illertissen wirklich international spielen.

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