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DFB-Pokal:Titel-Dauerabonnenten unter sich

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg, Frauen-Bundesliga Laura Freigang (Eintracht Frankfurt, 10, links) versucht Dominiqu; Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg, Frauen-Bundesliga Laura Freigang (Eintracht Frankfurt, 10, links) versucht Dominique Janssen (Vf

Optimale Vorbereitung auf das Saisonhighlight: Frankfurts Laura Freigang (links) im Duell mit Dominique Janssen vom VfL Wolfsburg in der Bundesligapartie eine Woche vor dem Pokalfinale zwischen den beiden Klubs.

(Foto: Juergen Kessler /imago)

Im Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg hat Eintracht Frankfurt die Chance, auf Anhieb eine Trophäe im Frauenfußball zu gewinnen. Helfen soll jene Konstellation, mit der vor drei Jahren die Männern einen Coup landeten.

Von Anna Dreher

Der Auftritt bei der Generalprobe ist etwas ängstlich gewesen, zu hektisch und nervös. Der Respekt vor dem Gegner war bei den Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt groß und legte sich erst so richtig nach der Hälfte der Vorstellung. Laura Freigang brachte sie in der 57. Minute noch bis auf 2:3 heran, aber für mehr Tore war die Zeit dann zu knapp. Der VfL Wolfsburg gewann die Partie am vorletzten Spieltag dieser Bundesligasaison vor einer Woche. Vorhang zu, enttäuschte Mienen bei der Eintracht.

Aber vielleicht greifen nun auch beim Fußball die Gesetzmäßigkeiten des Theaters, die ja besagen: Schlechte Generalprobe, gutes Omen für die Premiere! Und da geht es am Sonntag (16 Uhr, ARD) in Köln immerhin um einen Sieg im DFB-Pokal. "Wir haben schon mit letzter Woche angefangen, uns darauf vorzubereiten. Ich glaube, das hat uns auch gutgetan", sagte Freigang, 23, am Mittwoch. "Wolfsburg hat so viel individuelle Qualität und sich darauf mit einer Art Vorbereitungsspiel einstellen zu können, hat uns sehr geholfen. Wir haben gesehen, wie wir uns steigern konnten. Das können wir hoffentlich mitnehmen, damit wir nicht mehr 45 Minuten brauchen, um reinzufinden."

Zuletzt stand Frankfurt 2014 im Pokalfinale - und gewann

Für den Klub markiert diese Partie den vorläufigen Höhepunkt seit der Fusion: Zu dieser Saison war der Rekordmeister 1. FFC Frankfurt nach 20 Titeln in 22 Jahren Eigenständigkeit zur Eintracht gewechselt und könnte nun also unter neuem Namen auf Anhieb eine Trophäe gewinnen. Mit neun Siegen ist der FFC auch in diesem Wettbewerb der erfolgreichste Verein. Zuletzt reüssierte Frankfurt im Pokal 2014 gegen die SGS Essen, in der Champions League 2015, in der Meisterschaft gar 2008. Alles zu lange her für die Ansprüche eines der prägendsten Vereine im Frauenfußball. Fortan soll mit den Mitteln und Möglichkeiten eines Lizenzvereins an frühere Erfolgszeiten angeknüpft werden. FFC-Manager und Investor Siegfried Dietrich sah im stetig wachsenden Frauenfußball keine Alternative.

Der Kader wurde schon weit vor der offiziellen Bekanntgabe des Zusammenschlusses bewusst aus jungen und erfahrenen Spielerinnen zusammengestellt, mit dem Blick in die Zukunft. Das scheint sich nun auszuzahlen, auch wenn Platz sechs in der Meisterschaft den Abstand zu Vereinen wie Wolfsburg, dem FC Bayern - als Tabellenführer zwei Punkte vor dem VfL - oder auch der TSG 1899 Hoffenheim deutlich macht. Was jedoch auch bedingt ist durch diverse Corona-Fälle im Frankfurter Team.

"Vor einigen Jahren war eine Fusion mit der Eintracht schon im Gespräch, das wurde sehr gut vorbereitet und wir haben es geschafft, ein gutes Fundament mitzubringen", sagte Trainer Niko Arnautis. "Die Mannschaft hat sich entwickeln und eine gewisse Reife dazugewinnen können. Bei der Eintracht sind wir nochmal gewachsen, die Spielerinnen sind Profis und haben viele Möglichkeiten. Die Fusion war für alle Beteiligten ein Riesengewinn."

VfL Training, Frauen Wolfsburg, 18.05.2021, FUßBALL - VfL Wolfsburg, Training, Flyeralarm Frauen-Bundesliga, Saison 2020

Noch einmal Pokalsieger mit dem VfL Wolfsburg? Trainer Stephan Lerch verlässt den Verein nach dieser Saison und wird bei der TSG Hoffenheim die männliche U17 anleiten.

(Foto: Darius Simka/regios24/imago)

Die Erwartungen vor dem Finale sind nun natürlich groß. Eintracht-Präsident Peter Fischer hielt in einer Videobotschaft eine Motivationsrede und den DFB-Pokal der Männer von 2018 in die Kamera. "Ihr müsst an eins denken: Ich habe hier etwas, was so allein ist seit drei Jahren, was unbedingt eine Schwester braucht", sagte er überschwänglich. "Vor drei Jahren haben die Männer euch das schon mal vorgemacht und jetzt stehen wir alle hinter euch."

Wie damals den Fußballern könnte nun auch den Fußballerinnen die Rolle des Underdogs helfen. Der VfL Wolfsburg ist seit geraumer Zeit das, was der FFC einst war: Favorit und Titel-Dauerabonnent. Von den vergangenen acht Pokal-Endspielen haben die erfahrenen Niedersächsinnen sieben gewonnen. Was sie abgesehen von der Fortsetzung einer beeindruckenden Serie zusätzlich antreiben dürfte: Nach zuletzt vier Doubles ist der Pokal die einzige Trophäe, die in dieser Saison noch aus eigener Kraft gewonnen werden kann. Es wäre zudem ein Abschiedsgeschenk an Trainer Stephan Lerch, der künftig für die männliche U17 der TSG Hoffenheim zuständig sein wird.

Als die Spielerinnen des VfL Wolfsburg das letzte Mal im DFB-Pokal verloren, trainierte der 36-Jährige noch das zweite Frauen-Team und schaute sich das Achtelfinale im November 2013 als unbeteiligter Zuschauer an. Gegner war der 1. FFC Frankfurt.

© SZ/jki
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